09.12.2016, 11:56 Uhr | 0 |

Ermittlung des KBA Lenkrad-Trick: Schummelt auch Porsche bei Abgaswerten?

Der Abgasskandal nimmt kein Ende: Nun steht auch Porsche unter Betrugsverdacht. Die VW-Tochter nutzt angeblich eine Lenkradkennung, um auf dem Prüfstand Abgaswerte zu schönen. Derweil leitet die EU ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland ein. 

Auspuff eines Porsche Cayenne
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Auspuff eines Porsche Cayenne: Den Vorwürfen zufolge erkennt eine Software über die Lenkradstellung einen Prüfstand und reduziert die CO2-Emission. 

Foto: Christoph Schmidt/dpa

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat Porsche ins Visier genommen. Der Verdacht: Die VW-Tochter manipuliert Werte zum Spritverbrauch und CO2-Ausstoß. Und zwar mit einer Software, die einen Rollenprüfstand an der starren Lenkradstellung erkennt und Spritverbrauch und CO2-Ausstoß drosselt. „Das KBA prüft gegenüber Porsche den Sachverhalt bezüglich der sogenannten Lenkradkennung“, bestätigt ein Sprecher der Flensburger Zulassungsbehörde dem Spiegel.

Porsche wehrt sich gegen Vorwürfe

Porsche lässt die Vorwürfe nicht auf sich sitzen. Zwar existiere ein Lenkradkennung in den Fahrzeugen. Die Software sei aber nur für die Schaltstrategie zuständig. So lässt sich verhindern, dass die Autos bei sportlicher Fahrweise in Kurven unbeabsichtigt schalten. „Lenkbewegungen werden jedoch nicht verwendet, um einen Prüfstandfahrzyklus zu erkennen und auf diesen zu reagieren“, sagte ein Porsche-Sprecher dem SWR. „Dies gilt für sämtliche Porsche-Modelle.“

Auch Alexander Dobrindt dürfte der neue Betrugsverdacht zu schaffen machen. Denn dem Verkehrsminister weht ein frisches Lüftchen aus Brüssel entgegen. Wegen des VW-Abgasskandals bereitet die EU-Kommission gerade ein Verfahren gegen die Bundesregierung vor. Der Vorwurf: Die deutschen Aufsichtsbehörden haben VW nicht ausreichend kontrolliert und nach Bekanntwerden des Abgasskandals keine Strafen festgelegt.

Das EU-Vertragsverletzungsverfahren wird in mehreren Stufen verlaufen und kann zu einer Klage vor dem Gerichtshof der Europäischen Union führen. Am Ende droht eine Geldbuße.

Greenpeace freut sich über den scharfen Ton der EU-Kommission. „In der schleppenden Aufklärung des Abgasskandals macht der zuständige Verkehrsminister weiterhin keinen Finger krumm“, sagt Greenpeace-Verkehrsexperte Tobias Austrup. „Es ist beschämend, dass jegliche Konsequenz aus dem Abgasskandal von außen kommen muss.

Audi-Ingenieur: Ganz ohne Bescheißen geht es nicht

Dass auch die VW-Tochter Audi tiefer als bisher angenommen in den Skandal verwickelt ist, ging im Herbst durch die Medien. Das Unternehmen soll Manipulationssoftware für Motoren entwickelt haben. Bereits 2007 schrieb ein Audi-Ingenieur eine E-Mail an einen größeren Kreis von Audi-Managern und schrieb darin, „ganz ohne Bescheißen“ werde man US-Grenzwerte nicht einhalten können.

Alle Entwicklungen im Abgasskandal verfolgen Sie hier

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Von Patrick Schroeder
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