27.11.2013, 11:52 Uhr | 0 |

Probleme mit Programmanbietern Intel will sein Pay-TV-Angebot OnCue noch dieses Jahr verkaufen

Der weltgrößte Chiphersteller Intel will sich von seinem Pay-TV-Projekt OnCue schon wieder verabschieden, bevor es richtig gestartet ist. OnCue soll noch im laufenden Jahr verkauft werden. Der Chipriese visiert dabei nach einem Bericht der Finanznachrichtenagentur Bloomberg einen Preis von 500 Millionen Dollar an.

Intel-Hauptquartier in Santa Clara, Kalifornien
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Intel-Hauptquartier in Santa Clara, Kalifornien: Der Chiphersteller will seinen TV-Dienst OnCue, der 2014 starten sollte, verkaufen.

Foto: Norbert von der Groeben/dpa Bildfunk

Der Pay-TV-Service OnCue war nicht der erste Versuch des weltgrößten Chipherstellers Intel, ins TV-Geschäft einzusteigen. Vor ein paar Jahren sollten die Chips der Plattform „Viiv“ als Eintrittskarte dienen. Aber trotz einer anfänglichen Partnerschaft mit Gerätehersteller Philips führte das nicht zum Erfolg – die TV-Hersteller setzten lieber auf eigene Entwicklungen. Vor zwei Jahren wurde der Vorstoß dann beendet.

Als Nachfolgeprojekt auf dem Weg ins TV-Geschäft startete Intel vor gut zwei Jahren seinen ambitionierten TV-Dienst OnCue. Im Februar 2013 hatte Intels Medien-Spezialist Eric Huggers den Dienst noch für dieses Jahr angekündigt. Dieser Dienst sollte TV-Sendungen und Filme auf Abruf über schnelle Internet-Leitungen statt über Kabel an Fernsehgeräte, Tablets und Smartphones übertragen. Intel wollte dafür eine Settop-Box und die entsprechende Software liefern. Probleme gab es allerdings, entsprechende Verträge mit attraktiven Inhalte-Anbietern zu schließen.

TV-Sparte soll bis Jahresende verkauft werden

Jetzt hat Intel seine TV-Pläne vorerst aufgegeben und will den Ausstieg offenbar noch in diesem Jahr vollziehen. Bis Ende des Jahres wolle Intel den im Hause entwickelten TV-Service verkaufen, berichtet die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Personen. Der Chiphersteller wolle damit rund eine halbe Milliarde Dollar erlösen.

Als potenzieller Abnehmer für die 2011 gegründete Sparte Intel Media gilt der Netzbetreiber Verizon, der schon seit einigen Wochen mit Intel verhandelt. Die von Intel aufgerufenen 500 Millionen US-Dollar sollen die Investitionen in die Plattform abdecken, heißt es bei Bloomberg. Dem Bericht zufolge hatte Intel zuvor auch mit Samsung und dem Kabelnetzbetreiber Liberty Global über einen Verkauf gesprochen.

Weil Intel ursprünglich mit OnCue noch in diesem Jahr auf Sendung gehen wollte, hatte der Chipriese für seinen TV-Dienst Erik Huggers von der BBC abgeworben, der dort den Aufbau der Online-Plattform verantwortet hatte. Huggers hat zwar OnCue samt eigener Settop-Box für Intel entwickelt, sich mit der Akquise von Programmanbietern allerdings recht schwer getan. Vor ein paar Wochen verschob Intel den Start dann auf 2014 – jetzt kann der Verkauf der gesamten Sparte nicht mehr schnell genug gehen.

Probleme mit den Programmanbietern

Die Hauptursache für Intels Scheitern liegt auf der Hand: Sender und andere Rechteinhaber in den USA sind nicht gerade Feuer und Flamme, wenn sich Neulinge im Geschäft breit machen wollen – das mussten auch schon IT-Größen wie Apple oder Google bei ihren TV-Projekten lernen.

Der potentielle Käufer Verizon betreibt allerdings schon einen Pay-TV-Dienst und verfügt deshalb auch über entsprechende Kontakte zu den Programmanbietern, so dass der anstehende Eigentümerwechsel die Chancen für den Internet-Medienservice OnCue entscheidend verbessert.

Kurswechsel durch neuen CEO Brian Krzanich

Intels neuer Chef Brian Krzanich hatte zuletzt bei den TV-Ambitionen stark auf die Bremse getreten. Krzanich, der den Chiphersteller seit Mai dieses Jahres leitet, will Intels Fokus mehr auf Chips für mobile Geräte richten und dort verlorenen Boden gutmachen. „Die Zukunft ist einfach, Computer-Geräte werden immer kleiner“, sagte Krzanich der New York Times. Intel habe den boomenden Markt der Tablets an sich vorbeiziehen lassen und müsse jetzt den Preis für das Versäumnis zahlen.

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Von Klaus Ahrens
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