12.06.2013, 11:52 Uhr | 0 |

Schaeffler verlagert Radlagerproduktion Historisch schlechtes Jahr für Europas Autoindustrie

Einer aktuellen Studie zufolge könnte 2013 das schlechteste Jahr für die europäische Autoindustrie seit 30 Jahre werden. Zulieferer verlagern Stellen ins Ausland, Opel schließt sein Werk in Bochum und das Auto verliert für junge Menschen rapide an Bedeutung.

Beschäftigte des Automobilzulieferers Schaeffler
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Schon 2009 kämpften Beschäftigte des fränkischen Zulieferers Schaeffler in Herzogenaurach um ihre Arbeitsplätze. Jetzt will Schaeffler seine Radlagerproduktion in Schweinfurt nach Osteuropa verlagern.

Foto: dpa/ Daniel Karmann

In der Automobilbranche hagelt es derzeit schlechte Nachrichten. Jetzt hat der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen eine neue Studie vorgelegt hat, wonach Europas Autoindustrie auf ihr schlechtestes Jahr seit 30 Jahren zusteuert. Als Folge von Schuldenkrise und anhaltender Arbeitslosigkeit in zahlreichen Ländern Europas werden die Autoverkäufe 2013 im Vergleich zum schon schlechten Jahr 2012 noch einmal um voraussichtlich fünf Prozent sinken. Dudenhöffer rechnet mit einem Absatz in der EU und den Staaten der Europäischen Freihandelszone von knapp 11,9 Millionen Fahrzeugen

Auslastung der Autofabriken sinkt deutlich

Die Auslastung der Autofabriken in Europa werde sogar so schlecht ausfallen, wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht, heißt es in der Studie. In den Fabriken in Frankreich, Italien, Portugal oder Spanien werde die Auslastung voraussichtlich von über 62 Prozent auf rund 58 Prozent sinken.

Die Staatsschuldenkrise trifft in Europa vor allem Autohersteller, die ihre Fahrzeugen zu einem erheblichen Teil in südlichen Ländern verkaufen. Dies sind vor allem französische Hersteller oder italienische Automarken. In Deutschland ist insbesondere Opel stark von der Krise betroffen.

Aus demselben Institut kam außerdem jüngst die Nachricht, dass die Neuwagenkäufer in Deutschland mit einem Altersdurchschnitt von 52 Jahren so alt sind wie nie zuvor. Im Schnitt, so errechnete Dudenhöffer, war ein Drittel der Käufer neuer Autos über 60 Jahre alt und nur sieben Prozent jünger als 30.

Neben dem demografischen Wandel sieht der Autoexperte noch einen weiteren Grund für den hohen Altersschnitt: „In Großstädten wird das Auto als Statussymbol für junge Menschen unbedeutender.“ Für die Autoindustrie sind das keine guten Aussichten.

Zulieferer Schaeffler verlegt ein Teil der Produktion nach Osteuropa

Als Konsequenz hat nun der Automobilzulieferer Schaeffler angekündigt, dass er seine  Radlagerproduktion in den kommenden drei Jahren von Schweinfurt nach Osteuropa verlegen wird. Grund sei der starke Kosten- und Wettbewerbsdruck. Damit sind fast 900 Arbeitsplätze gefährdet. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen, das weltweit 76.000 Mitarbeiter beschäftigt, davon 29.000 in Deutschland, gut elf Milliarden Euro Umsatz gemacht.

Betriebsbedingte Kündigungen sollten vermieden werden, sagte ein Unternehmenssprecher. Der Schaeffler-Betriebsrat und die IG Metall wollen die Stellenstreichungen in Franken jedoch nicht hinnehmen. Das Unternehmenskonzept, dem zufolge nur noch 300 Stellen in Schweinfurt erhalten bleiben sollen, lehnen sie ab. Man wolle nicht über Sozialverträglichkeit beim Arbeitsplatzabbau verhandeln, sondern über den Erhalt der Stellen. Ein externes Beratungsinstitut soll ein Alternativkonzept erstellen, fordert die Gewerkschaft.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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