28.10.2014, 10:27 Uhr | 0 |

Kampf um mobile Zahlungssysteme Große US-Unternehmen boykottieren Apple Pay und kündigen eigene Lösung an

Kaum eine Woche, nachdem in den USA das mobile Bezahlsystem Apple Pay an den Start gegangen ist, haben zwei große Drogerieketten dem Zahlen mit iPhone 6 und iPhone 6 Plus in ihren Filialen einen Riegel vorgeschoben: Die Einzelhandelsunternehmen CVS pharmacy und Rite Aid Pharmacy gehören zu einem Konsortium amerikanischer Unternehmen, die ein eigenes mobiles Zahlungssystem in den USA etablieren wollen und Apple Pay nicht unterstützen.

Apple-Chef Tim Cook Anfang September bei der Vorstellung des Bezahlsystems Apple Pay.
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Apple-Chef Tim Cook Anfang September bei der Vorstellung des Bezahlsystems Apple Pay: Jetzt bläst ihm in den USA Gegenwind ins Gesicht. Große amerikanische Unternehmen boykottieren Apple Pay und wollen 2015 ein eigenes Bezahlsystem namens CurrentC einführen.

Foto: dpa

In 2012 hatten sich führende US-amerikanische Einzelhandelsunternehmen zu einem Konsortium namens Merchant Customer Exchange (MCX) zusammengeschlossen, um ein eigenes mobiles Bezahlsystem zu entwickeln. Es heißt „CurrentC“ und soll im kommenden Jahr an den Start gehen. Der wichtigste Unterschied zum mobilen Zahlungssystem Apple Pay oder auch zu Googles Bezahlsystem Wallet: Der Kunde zahlt bei CurrentC nicht mit seiner Kreditkarte, wie das bei Apple Pay per Nahfunk-Chip auf seinem Smartphone der Fall ist. Stattdessen registriert sich der Kunde an der Kasse über einen QR-Code, den eine App für iOS oder Android generiert. Der Kaufbetrag wird direkt vom Girokonto des Kunden abgebucht. Während bei Apple Pay Kreditkarten-Anbieter und Banken als offizielle Partner mitverdienen, werden sie bei CurrentC ausgeschlossen.

Kassen für iPhones dicht gemacht

Zum Start von Apple Pay in den USA am vergangenen Montag ist der Konkurrenzkampf zwischen dem MCX und Apple um die Etablierung eines mobilen Bezahlungssystems nun offen zu Tage getreten. Die beiden Drogerieketten CVS pharmacy und Rite Aid Pharmacy haben das Bezahlen mit dem iPhone 6 und dem iPhone 6 Plus an den Kassen ihrer Filialen unterbunden. Obwohl beide Unternehmen ohnehin nicht zu den offiziellen Apple Pay-Partnern zählen, sondern stattdessen am MCX teilnehmen, konnten Kunden ihre iPhones über die vorinstallierte NFC-Funktion an den Kassen von CVS und Rite Aid zunächst noch zum Bezahlen nutzen.

NFC steht für „Near Field Communication“ und ermöglicht die sichere Datenübertragung per Funk über eine kurze Distanz. Bei Apple Pay übermittelt der Kunde seine Kreditkarteninformationen per iPhone. Er identifiziert sich dabei mit seinem Fingerabdruck, den das iPhone lesen kann. Apple versichert, dass der Einzelhändler dabei keinerlei Zugriff auf die Kreditkartennummer hat und auch keine Kundendaten oder Informationen über den Kauf an sich gespeichert und zusammengetragen werden. 

Kundenbindung per CurrentC

CurrentC ist demgegenüber ganz auf die Interessen der Einzelhändler ausgerichtet: Zum einem soll die Lösung ein breit gefächertes Instrumentarium zur Kundenbindung beinhalten. Es ermöglicht Bonus- und Rabattaktionen und sonstige Werbe- und Sonderaktionen. Klar, dass dabei jede Menge Kundeninformationen gespeichert werden. Durch den Ausschluss von Kreditkarten-Unternehmen sparen Einzelhändler und Kunden außerdem Transaktionsgebühren, die beim Zahlen mit Kreditkarte erhoben werden. Schließlich umgehen die Einzelhändler das teure Aufrüsten ihrer Bezahlterminals mit der NFC-Technologie für das mobile Bezahlen mit Kreditkarte. Wie das amerikanische Nachrichtenportal bloomberg berichtet, kostet ein solches Upgrade den Händler zwischen 500 und 1000 US-Dollar pro Terminal.

Auf der MCX Website werden 57 amerikanische Einzelhandelsunternehmen, darunter Walmart, Wendys, 7 Eleven, Best Buy, Banana Republic, Dunkin Donats oder Gap als Teilnehmer aufgeführt. Auch die Tankstellen-Betreiber Shell und Exxon Mobil sind mit von der Partie. Einer Presseinformation von MCX zufolge machen diese Unternehmen mit ihren mehr als 110.000 Standorten mehr als eine Billion US-Dollar Umsatz im Jahr. Apple hat demgegenüber mit aktuell 34 aufgezählten Unternehmen vergleichsweise wenige Unternehmen als offizielle Partner für Apple Pay zu bieten. Eines davon ist Apple selbst, acht gehören zu Foot Locker.

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Von Susanne Neumann
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