19.09.2013, 14:15 Uhr | 0 |

Neues Unternehmen Google will Millionen Leben retten

Google-Gründer Larry Page ist für ungewöhnliche Ideen bekannt. Nun hat er den Start eines Unternehmens angekündigt, das sich mit dem Altern und mit Krankheiten befassen wird. Offenbar soll vor allem die Biotechnologie medizinische Fortschritte bringen.

Google soll eine neue Tochter bekommen.
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Google soll eine neue Tochter namens Calico bekommen. Ziel des neuen Projektes ist es laut Google-Gründer Larry Page, Millionen Menschenleben zu retten oder zumindest zu verbessern. 

Foto: dpa

Larry Page nennt es selbst „moonshot thinking“. Eine Idee, die so revolutionär ist wie jene, die Menschen zum Mond brachte. Und mit Bescheidenheit hält er sich gewohntermaßen auch nicht auf: Millionen Menschenleben will er retten oder jedenfalls verbessern. In seinem Blog hat der Google-Gründer das  Projekt „Calico“ angekündigt, das sich mit den Prozessen des Alterns und mit Krankheiten befassen soll.

Noch ist nichts Konkretes darüber zu erfahren, was Page vorhat. Das werde auch noch einige Zeit dauern, sagt der Unternehmer, der mit seiner Suchmaschine zum Multimilliardär geworden ist. Einen Hinweis auf die Zielrichtung gibt aber die Auswahl des Mannes, der Calico führen soll: Art Levinson, früherer Chef und heute Aufsichtsrat von Genentech, einem der größten Biotechnologie-Unternehmen der Welt.

Der Chef ist auch bei Apple aktiv

Levinson ist heute auch Direktor beim Pharmakonzern Hoffmann-La Roche, der Genentech vor einigen Jahren übernahm, und nebenbei Aufsichtsrat bei Apple. Dessen Chef Tim Cook hat dem Engagement bei einer Tochterfirma des Konkurrenten Google seinen Segen erteilt. „Es gibt niemanden Besseren als Art, um diese Mission zu führen“, sagte er.

Levinson ist auch einer der Investoren bei Calico. Wie viel Geld Page selbst in das Unternehmen stecken will, verrät er bislang nicht. Genug Startkapital dürfte vorhanden sein, denn allein das Privatvermögen des Google-Chefs wird auf rund 18 Milliarden Dollar geschätzt.

Page hat schon öfter mit Ideen auf sich aufmerksam gemacht, die wenig bis nichts mit dem Kerngeschäft der Suchmaschine zu tun haben. So will er selbstfahrende Autos entwickeln lassen oder alle Bücher dieser Welt einscannen.

Für die Google-Anteilseigner hat er angesichts des neuen Projekts deshalb eine Beruhigungspille zur Hand: „Wundern Sie sich nicht, dass wir in ein Projekt investieren, das seltsam oder spekulativ erscheint. Denken Sie daran, es ist sehr klein im Vergleich zu unserem Kerngeschäft.“ Damit dürfte er fürs erste Recht haben, denn Google hat allein im vergangenen Jahr mehr als 50 Milliarden Dollar Umsatz gemacht.

Persönlich betroffen

Der neue Plan, ins Medizingeschäft einzusteigen, hat womöglich mit Pages persönlicher Geschichte zu tun. Im Mai gab er bekannt, dass er seit Jahren an einer einseitigen Stimmbandlähmung leidet und inzwischen das zweite Stimmband angegriffen sei. Seit Monaten war Beobachtern aufgefallen, dass er bei Auftritten leise, gehemmt und mit vielen Pausen sprach. Mit gerade 40 Jahren hat Page also schon zu spüren bekommen, wie Krankheiten das Leben beeinträchtigen können. In seinem Blog schreibt er: „Diese Themen betreffen uns alle und fordern schrecklichen Tribut von uns und unseren Familien.“ Daran will der Mann, der dank des Internets zu einem der reichsten Männer der Welt wurde, nun etwas ändern. Und das mit einem Unternehmen, dessen Name jedenfalls in den USA eher zwiespältige Assoziationen auslöst: „Calico“ steht dort vor allem für eine Geisterstadt im Süden Kaliforniens.

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Von Werner Grosch
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