20.01.2015, 06:55 Uhr | 0 |

Fertigung in China Gigaset will erstes deutsches Smartphone bauen

Schnurlostelefone reichen Gigaset nicht mehr: Das Münchener Unternehmen will die IT-Branche dieses Jahr mit dem ersten deutschen Smartphone aufmischen. Die Fertigung allerdings übernimmt ein Werk in China. 

Schnurloses Telefon von Gigaset
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Bislang ist Gigaset spezialisiert auf die Herstellung von Schnurlostelefonen. 2015 will die ehemalige Siemens-Festnetzsparte mit einem Smartphone auf den Markt vorpreschen. Zu Preis, Design und Technik ist bislang aber kaum etwas bekannt. 

Foto: Gigaset

„Wir werden noch in diesem Jahr unsere ersten Smartphones auf den Markt bringen“, stellt Gigaset-Chef Charles Fränkl im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung klar. Die ehemalige Siemens-Festnetzsparte ist bislang spezialisiert auf den Bau von Schnurlostelefonen, doch der Smartphone-Markt lockt mit gigantischen Absätzen: „Letztes Jahr wurden weltweit etwa 60 Millionen neue Schnurlostelefone verkauft. Wir liefern davon immerhin gut ein Drittel aus. Zur gleichen Zeit wurden aber mehr als eine Milliarde Smartphones vertrieben. Das ist der große Unterschied.“

Nutzt Gigaset Android als Betriebssystem?

Zu Technik, Design und Preis des ersten deutschen Smartphones lässt Fränkl aber kaum etwas durchsickern. Nur soviel: Anders als bei anderen Herstellern würden die Geräte von Gigaset in ein bestehendes System eingebettet. Fränkle: „Man kann also die Festnetztelefonanlage damit steuern oder das vernetzte Zuhause.“

Wahrscheinlicher Kandidat für das Betriebssystem ist Googles Android. Mit diesem hat Gigaset beim Android-Tablet QV830 bereits Erfahrung gesammelt.

Gigaset lässt Smartphone in China produzieren

Während Gigaset Schnurlostelefone in Bocholt herstellt, soll die Produktion des ersten deutschen Smartphones in China stattfinden. Fränkl entkräftet allerdings die Angst, Gigaset könnte seine Produktion in Bocholt irgendwann ebenfalls nach China verlagern: „Derzeit haben wir bei Gigaset 1600 verschiedene Produkte im Angebot, da rechnet sich eine asiatische Fertigung nicht in allen Bereichen. Der Grundsatz lautet, je individueller ein Produkt ist, desto näher muss man am Kunden sein. Und die klassischen Gigaset-Kunden leben nun einmal in Europa.“

Chinesischer Milliardär Pan Sutong als Gigaset-Retter

Mit im Boot sitzt der Milliardär Pan Sutong, der seit 2013 neuer Gigaset-Haupteigentümer ist und inzwischen drei Viertel der Anteile hält. „Dank seines Engagements haben wir das Unternehmen komplett entschuldet und unser Eigenkapital aufgestockt. Ohne ihn könnten wir nicht ins Smartphone-Geschäft einsteigen“, erklärt Fränkl, der seit 2012 als Chef gegen die Gigaset-Krise ankämpft. Sie begann, als Siemens das Unternehmen 2008 an den Finanzinvestor Arques verkaufte. Im dritten Quartal 2014 konnte Gigaset trotz rückläufiger Umsätze den Netto-Verlust von 3,8 auf 0,2 Millionen Euro reduzieren. 

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Von Patrick Schroeder
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