23.06.2014, 15:17 Uhr | 0 |

Siemens ist abgehängt General Electric gewinnt Bieterkampf um Alstom

Der Aufsichtsrat hat zugestimmt, die Übernahme des französischen Industriekonzerns Alstom durch General Electric (GE) ist so gut wie perfekt. Allerdings will in Zukunft auch die französische Regierung ein Wörtchen mitreden und 20 Prozent übernehmen. Siemens-Chef Kaeser bleibt vorsichtshalber in den Startlöchern, sollte etwas schiefgehen. 

Jeffrey Immelt hat die Bieterschlacht gegen Siemens gewonnen
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GE-Geschäftsführer Jeffrey Immelt hat den Bieterkampf gegen Siemens gewonnen. Doch die französische Regierung will zum größten Alstom-Anteilseigner avancieren und sich weitreichende Mitspracherechte sichern. 

Foto: dpa

Der amerikanische Rivale General Electric (GE) hatte am Ende die Nase vorn im Poker um die Übernahme des französischen Industriekonzerns Alstom. Der französische Staat stimmte dem Angebot von GE zu und am Samstagabend auch der Alstom-Aufsichtsrat. Siemens-Chef Joe Kaeser, der mit seiner Offerte gemeinsam mit Partner Mitsubishi Heavy Industries (MHI) das Nachsehen hatte, lächelt dennoch in die Kameras. Denn auch wenn Kaeser mit seinem Angebot nicht zum Zuge gekommen ist, konnte er den Amerikanern nochmal kräftig in die Suppe spucken. General Electric darf jetzt zwar seinen Sieg feiern, aber der Erfolg hat den Beigeschmack von einem Pyrrhussieg – das heißt, er ist teuer erkauft.

Siemens und Mitsubishi hatten zuletzt 8,2 Milliarden Euro für Teile von Alstom geboten und zugesagt, 2000 neue Stellen zu schaffen. Außerdem wollte Siemens für sich selbst das begehrte Gasturbinengeschäft von Alstom sichern und hatte dafür noch einmal rund vier Milliarden Euro geboten. Das war bei Alstom selbst auf wenig Gegenliebe gestoßen. Andererseits spekulierte Siemens darauf, dass der französische Staat eine europäische Lösung bevorzugen würde. Demgegenüber wollte General Electric für 12,35 Milliarden Euro das gesamte Energiegeschäft von Alstom übernehmen. Für Alstom war dies das attraktivere Angebot, das GE allerdings unter dem Druck der Konkurrenzsituation noch einmal deutlich nachbessern musste.

Französische Regierung will als Großaktionär bei Alstom einsteigen

Die Pariser Regierung hat ihre Zustimmung zu dem Deal unter den Vorbehalt gestellt, selber 20 Prozent an Alstom übernehmen zu dürfen. Die Anteile sollen vom bisherigen Großaktionär kommen, dem französischen Baukonzern Bouyges. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge wird derzeit über den Preis des 20-Prozent-Paketes verhandelt. Auch wenn die Parteien sich einigen sollten, wird die gesamte Übernahmeaktion für GE alles andere als einfach: Mit Alstom müssen paritätische Gemeinschaftsunternehmen gegründet werden – in den Sparten Stromleitungsbau, Wind- und Wasserkraft sowie dem Dampfturbinen- und Nukleargeschäft.

Für den Fall, dass dabei etwas schief gehen sollte, zeigte sich Joe Kaeser offen. „Wir sind weiter gesprächsbereit. Die Türen stehen Alstom und der französischen Regierung offen“, sagte Kaeser gegenüber der Bild-Zeitung. „Die komplizierten Verträge werden Monate beanspruchen. Danach müssen die Kartellämter prüfen. Erst dann können GE und Alstom ihre Joint Ventures bilden - und bis die richtig laufen, geht viel Zeit ins Land.“

„Viel Spaß mit dem französischen Staat“

Auch die Aussicht, in Zukunft den französischen Staat mit am Unternehmenstisch sitzen zu haben, dürfte aus der Sicht General Electrics nicht unbedingt Gutes bedeuten. „Viel Spaß mit dem französischen Staat“, zitiert die Deutsche Presseagentur einen Branchenkenner. Denn die französische Regierung sei dafür bekannt, dass sie unternehmerische Entscheidungen nicht akzeptierte, wenn sie nationale Bedürfnisse gefährdet sähe.

Der Plan von GE, über Alstom in Europa dem Rivalen Siemens nun ernsthaft Konkurrenz im Energiegeschäft machen zu können, wird also vermutlich nur dann aufgehen, wenn Paris sich nicht allzu sehr einmischt. Die Gewerkschaft IG Metall hatte unterdessen verkündet, dass Siemens auch ohne Alstom zuversichtlich sein könne. Die Kraft könne nun in den soeben von Kaeser ausgerufenen Konzernumbau gesteckt werden.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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