02.05.2013, 12:30 Uhr | 0 |

Schlagabtausch im Landtag Ganze Opel-Belegschaften aus Bochum bewerben sich bei Porsche

Die Bochumer Opel-Mitarbeiter verlassen das sinkende Schiff: Nach der angekündigten Komplett-Schließung des Werkes im nächsten Jahr bewerben sich ganze Belegschaftsteile bei anderen Herstellern. Unterdessen lieferten sich die Parteien im Düsseldorfer Landtag eine Schlacht, ob die Landesregierung versagt hat.

Transparent der IG Metall für den Erhalt des Opel-Werkes Bochum
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Der Kampf war umsonst: Das Opel-Werk in Bochum wird 2014 geschlossen. Auch eine Komponentenfertigung wird es in Bochum nicht geben. Opel zieht sich komplett zurück.

Foto: dpa/Caroline Seidel

Die Opelaner aus Bochum schauen sich schon jetzt nach neuen Jobs um. Autobauer Porsche wundert sich über eine Bewerbungsflut, die kürzlich in dessen Leipziger Standort eingegangen ist. Dort hatte Porsche 1.000 neue Mitarbeiter für die Produktion und 400 Ingenieure gesucht. Auf diese Stellen waren gut 32.000 Bewerbungen eingegangen – die meisten stammten von Opel-Mitarbeitern aus dem Bochumer Werk.

Eine Sprecherin erklärte, dass unter anderem ein komplettes Opel-Team für die neue Lackiererei in Leipzig übernommen worden sei. Wie viele Opelaner insgesamt aufgenommen würden, stehe aber noch nicht fest. Zurzeit montiert Porsche mit gut 1.200 Mitarbeitern die Modelle Cayenne und Panamera in Leipzig. Nach der Verdopplung der Produktionsfläche soll der Geländewagen Macan Ende des Jahres in Sachsen vom Band rollen.

Im kommenden Jahr werden die Bochumer Opel-Werke als einziger deutscher Standort des Autobauers komplett geschlossen. Einen Sanierungsplan des Managements hatte die Belegschaft abgelehnt. Der Plan sah eine teilweise Schließung des Werkes erst Ende 2016 vor, ein knappes Drittel der Arbeitsplätze wäre in der Komponentenfertigung erhalten geblieben. Nun sind ab 2015 rund 3.200 Opelaner und mehrere Hundert Beschäftigte aus angegliederten Unternehmen von Arbeitslosigkeit bedroht. Eine erneute Abstimmung über den zuvor abgelehnten Tarifvertrag hatte die Opel-Werksleitung als „Zeit-Verschwendung“ beurteilt.

Wirtschaftsminister im Gespräch mit der Opel-Werksleitung

Die Schließung des Werkes hat auch für kräftige Verwerfungen in der Politik gesorgt. „Neue Entwicklungen beim Opel-Standort Bochum“ hieß der einzige Tagesordnungspunkt auf der Sondersitzung des Düsseldorfer Parlamentes. Von neuen Entwicklungen war dann allerdings keine Rede mehr, stattdessen gab es lautstarke Beschimpfungen. Angesichts von Opels endgültigem Abzug aus Bochum und der näher rückenden Bundestagswahl liegen die Nerven bei den Politikern blank.

Anlass für die aktuelle hitzige Debatte im Landtag waren missverständliche Äußerungen von Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) in der vergangenen Woche. Duin hatte bei einem Besuch des Opel-Werkes nicht nur mit Betriebsratschef Reiner Einenkel, sondern auch mit dem Werksleiter Manfred Gellrich gesprochen. Anschließend hatte Duin im Landtag den Eindruck erweckt, als sei auch nach dem Ende der Fahrzeugproduktion die Zukunft des benachbarten Warenverteilzentrums mit 420 Beschäftigten noch unklar. Es sei vielleicht noch möglich, einen „Rest Opel“ im Ballungsraum Ruhr zu erhalten. Das hatte ein Opel-Sprecher wiederum umgehend dementiert und klargestellt, dass nach der Ablehnung des Sanierungs-Tarifvertrages nichts mehr zu retten sei.

Dass Duin nun den Opel-Konzern für das Theater um das Warenverteilzentrum verantwortlich machte, nützte ihm nichts. „Entweder waren Sie falsch informiert oder Sie haben uns falsch informiert“, bilanzierte FDP-Fraktionschef Christian Lindner. Oppositionschef Karl-Josef Laumann (CDU) sprach dem Wirtschaftsminister gar „Anstand und Seriosität“ ab. Laumann bewertete das Engagement der Landesregierung in der Bochumer Opel-Krise als Serie des Versagens. „Die richtigen Arbeiterführer tragen nicht solche Anzüge wie Sie“, meinte Laumann. Die Grünen wiesen indessen Laumanns Attacke als „völlig albern“ zurück.

Kein geschlossenes Signal der Landespolitik

Auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), die selbst nicht ans Rednerpult trat, wurde angegriffen. Sie sei eine „Landesmutter für Sonnenschein und Landesfeste“, sagte Oliver Wittke, Chef der Ruhrgebiets-CDU, im Ernstfall aber eher eine „Rabenmutter“. Duin hingegen warf der Opposition vor, das Opel-Desaster für eine populistische Scheindebatte zu missbrauchen. Niemand brauche eine künstliche Aufregung. Jetzt wäre stattdessen ein geschlossenes Signal der Landespolitik notwendig. Er stehe noch immer in vertraulichen Gesprächen mit dem Management von Opel. Um den Erfolg nicht zu gefährden, könne er öffentlich nicht darüber reden. „Ich habe allen Fraktionschefs eine vertrauliche Unterrichtung dazu angeboten“, sagte Duin, „die einzige Fraktion, die nicht teilgenommen hat, war die CDU.“

Die Landesregierung erwäge, so Duin, neue Arbeitsplätze auf dem Opel-Gelände in Bochum zu fördern. Rot-Grün wolle die Entwicklung auf nicht mehr benötigten Werkflächen im Rahmen ihrer beihilferechtlichen Möglichkeiten unterstützen.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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