02.04.2013, 12:39 Uhr | 0 |

Zahlungsmoral der Kunden kennen Finanzplanung bei Mittelständlern oft wenig professionell

Gutes Controlling ist notwendig, um die Liquidität des Unternehmens sicherzustellen und alle Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. Viele Mittelständler verfügen jedoch nicht über eine professionelle Finanzplanung. Wer das Zahlungsverhalten seiner Kunden falsch einschätzt, kann schnell pleite gehen.

Die erste Biogas-Tankstelle Deutschlands in Bodenwerder an der Oberweser.
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Die erste Bio-Tankstelle Deutschlands in Bodenwerder hat schon 2008 pleite gemacht. Die Kunden haben damals wegen der Diskussion um die schädliche Wirkung von Biokraftstoffen auf Motoren die Tankstelle gemieden.

Foto: dpa/Hubert Jelinek

"Nordmeyer meldet Insolvenz an", "Hilferuf von der Belegschaft", "Mitarbeiter hoffen auf Schutzschirm" – hinter Schlagzeilen wie diesen stecken große Zahlen: Rund 29 500 Unternehmen gingen nach Angaben der Düsseldorfer Wirtschaftsauskunftei Creditreform 2012 in die Insolvenz. Manche Schieflage hätte nach Ansicht von Experten verhindert werden können. "Viele Unternehmen meines Klientenkreises gerieten durch mangelhafte Finanzplanung in Zahlungsschwierigkeiten", erläutert der Bonner Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter Ralf Bornemann.

Die Einschätzung des Sanierungsfachmanns wird durch eine Untersuchung der Consultingfirma Deloitte und des Mittelstandsinstituts der Uni Bamberg gestützt. Es kommt in seiner Studie "Finanzierung im Mittelstand" unter anderem zu dem Resümee, dass viele Gesellschaften keine ausreichend professionelle Finanzplanung betreiben.

Gute Geschäftsidee, schlechte Finanzplanung

Experten bestätigen dies. "Ich beobachte es immer wieder: Die Finanzplanung wird in vielen Betrieben stiefmütterlich behandelt", sagt Professor Ernst Troßmann, der an der Universität Hohenheim Controlling lehrt. "Es gibt Unternehmen, die ein gutes Geschäftskonzept haben, aber daran gescheitert sind, dass sie ihre Finanzsituation nicht im Griff hatten."

Als Beispiel nennt Troßmann Zinsschwankungen – wenn die Zinsen auf dem Kapitalmarkt plötzlich nach oben schnellen und das vorab nicht planerisch als Möglichkeit berücksichtigt wurde. Solche Nachlässigkeit könne bei einem Unternehmen zur Illiquidität führen, obgleich es ein lukratives Geschäftsmodell hat.

Für Wolfgang Becker, Mitinitiator der Studie, ist es bei vielen mittelständischen Unternehmen ein primäres Problem, "dass die Finanzplanung als operatives Produkt der restlichen Planungsthemen entsteht und nicht originär durchdacht wird." Zudem passe die Fristigkeit der Planung nicht zu den Finanzierungsproblemen und -instrumenten des Mittelstands, erklärt der Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre der Uni Bamberg. Festmachen lasse sich dies etwa an den Investitionen: Während diese eigentlich langfristig finanziert und deshalb auch geplant werden müssten, beziehe sich die Planung der meisten Mittelständler auch bei langfristigen Investitionen höchstens auf ein bis drei Jahre.

"Man muss das Zahlungsverhalten seiner Kunden kennen"

Meist entstehe die Finanzplanung als Ergebnis anderer, vorgelagerter Planungsprozesse im operativen Bereich, etwa Produktion und Absatz. Eigentlich sollte sie jedoch vollständig in alle anderen Teilplanungen integriert sein und simultan ablaufen. Für den Controlling-Experten Troßmann sind noch andere Faktoren von Gewicht. Der Mittelständler müsse sein Geschäftsmodell kennen und zum Beispiel wissen, wie das Zahlungsverhalten seiner Kunden sei und wie sich die Zahlungserwartung seiner Lieferanten darstelle.

"Es gibt Lieferanten, die sind sehr grob, wenn man nicht innerhalb von wenigen Stunden nach Fälligkeit zahlt. Es gibt aber auch Lieferanten, die sich nicht aufregen, wenn ich zwei Wochen danach noch nicht gezahlt habe." Die Usancen seien oft von Branche zu Branche verschieden. Vieles hänge auch von der Dauer der Geschäftsbeziehung ab. Troßmann: "Solche Erfahrungswerte sollten in eine gute Finanzplanung schon einfließen."

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Von Reinhard Lückmann | Präsentiert von VDI Logo
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