02.01.2014, 13:00 Uhr | 0 |

Für 3,65 Milliarden Dollar Fiat übernimmt Chrysler komplett

Branchenkenner hatten große Zweifel, als Fiat 2009 bei dem schwer kriselnden US-Autobauer einstieg und sich nach und nach die Mehrheit sicherte. Nach erfolgreicher Sanierung wird Chrysler nun fast zum Rettungsanker für die Italiener, die den amerikanischen Autobauer jetzt komplett übernehmen. 

Fiat-Chef Sergio Marchionne (l.) mit dem CEO der Chrysler-Tochter Jeep, Mike Manley
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Erfolgreicher Deal: Fiat-Chef Sergio Marchionne (l.) mit dem CEO der Chrysler-Tochter Jeep, Mike Manley. 

Foto: Fiat

Vor fünf Jahren hätte das kaum jemand erwartet: Chrysler bringt Fiat in die schwarzen Zahlen. Aber die Bilanz ist eindeutig. Im dritten Quartal 2013 wies die italienische Traditionsmarke 189 Millionen Dollar Gewinn aus – ohne den Gewinn vor allem mit den klassischen Pickups von Chrysler hätte Fiat Verluste geschrieben.

Im Jahr 2009 stand Chrysler noch dicht vor der Pleite und musste mit Staatsgeld gerettet werden. Fiat übernahm in der Folgezeit immer mehr Anteile, zuletzt hielten die Italiener 58,5 Prozent. Und während Chrysler den Umsatz kontinuierlich steigerte und auch im vergangenen Jahr Gewinnzuwächse verzeichnete, litt Fiat unter dem schwächelnden europäischen Markt. Mit eigenen Produkten in den Wachstumsmärkten Asien und Nordamerika kaum vertreten, bekam Fiat die Krise auf dem Heimatmarkt besonders stark zu spüren.

3,65 Milliarden Dollar Kaufpreis

Mit dem Gewinn von Chrysler wuchs das Interesse der Italiener, den US-Hersteller ganz zu übernehmen. Doch die restlichen gut 41,5 Prozent gehörten dem Gesundheitsfonds der Gewerkschaft UAW („United Auto Workers“), der die Anteile für Zugeständnisse in der Krise bekommen hatte. Und der Fonds forderte zunächst fünf Milliarden Dollar dafür.

Nun haben sich Fiat und UAW offenbar geeinigt, der Gesamtpreis liegt bei 3,65 Milliarden Dollar. Bis zum 20. Januar soll die komplette Übernahme abgewickelt sein. Fiat-Chef Sergio Marchionne spricht von einem Geschäft, das „in die Geschichte eingehen“ werde. Die Freude ist so groß, weil die UAW zwischenzeitlich damit gedroht hatte, ihre Anteile an die Börse zu bringen. Und das hätte Marchionnes wichtigstes Ziel verhindert: das alleinige Sagen bei Chrysler zu haben. Jetzt könne Fiat „die Vision eines globalen Autobauers umsetzen“, sagte der Konzernchef.

Kapitalerhöhung ausgeschlossen

Ob sich Fiat nun auch stärker in Asien engagieren wird, ließ Marchionne offen. Bislang hatte der Autobauer stark auf Südamerika und dort vor allem auf Brasilien gesetzt. Allerdings ging der Absatz in dem Land im vergangenen Jahr schon wieder zweistellig zurück. Der Europa-Anteil des Gesamtgeschäfts liegt, wenn man Chrysler einbezieht, schon heute nur noch bei einem Viertel des Umsatzes.

Wie Fiat den Deal finanziert, wurde offiziell nicht bekanntgegeben. Marchionne hatte eine Kapitalerhöhung schon im Lauf der Verhandlungen ausgeschlossen. Möglich scheint nach Ansicht von Experten, dass Fiat seine Tochter Alfa Romeo verkauft, an der Volkswagen Interesse haben soll.

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Von Werner Grosch
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