01.10.2013, 15:57 Uhr | 0 |

Suche nach Investoren Fernsehhersteller Loewe kämpft ums Überleben

Zittern bei Loewe: Noch in diesem Quartal muss ein neuer Investor dem traditionsreichen Fernsehbauer zur Hilfe eilen. Ansonsten ist der Vorstand gezwungen, nach 90 Jahren den Ausknopf zu drücken.

TV-Geräte von Loewe
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Fernsehgeräte von Loewe auf der Internationalen Funkausstellung 2013 in Berlin: Das traditionsreiche Unternehmen kämpft mit drastischen Umsatzeinbußen und hat ein Insolvenzverfahren eingeleitet.

Foto: Rainer Jensen/dpa

Die Loewe AG hat am Dienstag bestätigt, dass sie ein Insolvenzverfahren eingeleitet hat. Die Hoffnung des Vorstands ruht nun auf Gesprächen mit Investoren, um das Unternehmen doch noch zu retten. Nach Loewe-Angaben soll es schon erste Interessenten geben. Für den Vorstandsvorsitzenden Matthias Harsch sind das klare Anzeichen dafür, dass die strategische Umstrukturierung vom TV-Gerätehersteller zum Anbieter einer Entertainment-Plattform der richtige Weg ist. „Das große Interesse beruht einerseits auf dem Vertrauen des Marktes in die Marke per se sowie auf unserem Konzept der Neuausrichtung in Richtung Digital Lifestyle.“

Loewe setzt auf Entertainment-Lösungen und „Billig“-Fernseher

Loewes Absatzzahlen machen dagegen wenig Hoffnung: Im ersten Quartal 2013 ist der Umsatz um 35 Prozent auf nur noch 43,5 Millionen Euro gesunken. Zu den Gründen zählt Analysten zufolge die Sparsamkeit potentieller Käufer im gesamten europäischen Ausland. Um diesem Problem zu begegnen, wird Loewe in Zukunft in Zusammenarbeit mit dem japanischen Unternehmen Hisense auch günstigere Geräte bauen und ab 800 Euro verstärkt in Elektro-Großmärkten anbieten. Im Premium-Segment verschmelzen hingegen lineares Fernsehen, Internet und Video-on-Demand zu umfassenden Entertainment-Angeboten, mit dem der Hersteller neue Kunden locken will.

Unternehmen muss bis Ende Oktober einen Investor finden

Die Chancen stünden gut, dass bis Ende Oktober ein neuer Investor gefunden sei, betont Harsch in einem Bericht von Spiegel.de. Sowohl Banken als auch die bayerische Staatsregierung zeigen Bereitschaft, die Restrukturierung zu begleiten. Das operative Geschäft sei somit bis Jahresende finanziert. Nicht zuletzt auch deshalb, weil man bislang rund 150 der 1004 Mitarbeiter gekündigt hat. „So sehr ich die Kündigungen auch bedauere“, sagt Harsch, „eine positive Ergebnisprognose ist für das Jahr 2014 die wesentliche Voraussetzung für den Einstieg eines Investors und damit für den Erhalt des gesamten Unternehmens.“ Ohne Investor stehe man nach einer 90-jährigen Firmengeschichte vor dem Aus.

Seine erste Krise hat Loewe 2004 noch überstanden

2004 rutschte Loewe schon einmal in eine existenzbedrohende Krise. Damals kam der japanische Elektronikkonzern Sharp zur Hilfe, sicherte sich knapp 29 Prozent der Aktien und leistete damit einen wichtigen Beitrag zur Sanierung. Zusätzlich verzichteten Mitarbeiter auf ein volles oder halbes Monatsgehalt. Nach der Krise dankte ihnen Loewe diesen Schritt und zahlte Sonderprämien in Höhe von drei Millionen Euro aus.

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Von Patrick Schroeder
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