01.12.2014, 10:36 Uhr | 0 |

Lufthansa im Visier Deutsche Bahn verklagt Airlines auf Schadensersatz in Milliardenhöhe

Die Deutsche Bahn reicht am heutigen Montag eine Milliardenklage vor dem Kölner Landgericht gegen mehr als 30 Fluggesellschaften ein. Den Löwenanteil fordert sie von der Lufthansa. Die Fluggesellschaften hatten überhöhte Kerosin- und Sicherheitszuschläge von der DB-Tochter Schenker verlangt.

Frachtverladung der Lufthansa Cargo
Á

Nächtliche Frachtverladung der Lufthansa Cargo: Die Deutsche Bahn hat jetzt die Lufthansa auf Schadensersatz in Milliarden-Höhe verklagt. Das Unternehmen hatte Frachttarife mit anderen Fluggesellschaften abgesprochen.

Foto: Jannah Baldus/Lufthansa Cargo

Auf 1,76 Milliarden Euro belaufen sich allein die Forderungen gegen die Lufthansa. Ein Sprecher der Deutschen Bahn AG hat den Bericht des Magazins Wirtschaftswoche bestätigt, wonach der Konzern mindestens 33 Fluggesellschaften wegen illegaler Absprachen verklagt hat.

Die Airlines hatten von 1999 bis 2006 die so Frachtraten abgesprochen und damit der DB-Frachttochter Schenker, die Kundin der Lufthansa Cargo ist, geschadet. Mithilfe der Frachtraten wird letztlich der Preis für den Gütertransport ermittelt. Die Unternehmen sollen vor allem Treibstoff- und Sicherheitszuschläge abgestimmt haben, so dass kein Wettbewerb über Kundenrabatte möglich gewesen sei. Insgesamt summiert sich die Forderung der Deutschen Bahn auf rund zwei Milliarden Euro.

Lufthansa: Kein Schaden für Kunden

Der Fall an sich ist kaum strittig: Die Lufthansa selbst hatte das Kartell gegenüber der EU-Kommission offenbart und war so einem Bußgeld entgangen. Nach Angaben der Fluggesellschaft läuft das entsprechende Verfahren immer noch, und schon deshalb gebe es keine Grundlage für die Forderung der Bahn. Außerdem sei den Kunden durch die Absprachen kein Nachteil entstanden. Dies allerdings ist laut Wirtschaftswoche nur das Ergebnis eines Gutachtens, das die Lufthansa selbst in Auftrag gegeben hatte.

Nach Angaben des Magazins richtet sich die Klage hauptsächlich gegen die Lufthansa, weil sie eine maßgebliche Rolle in dem Kartell gespielt habe. „Wir können nicht dulden, dass der entstandene Vermögensverlust nicht beglichen wird", sagte Bahn-Rechtsvorstand Gerd Becht der WirtschaftsWoche.

Die hohe Forderung an Deutschlands größte Fluggesellschaft komme auch deshalb zustande, weil sie nach deutschem Kartellrecht als Gesamtschuldner haftbar gemacht werden könne. Die Lufthansa müsste also die komplette Schadenssumme begleichen und dann entsprechende Anteile von anderen Mitgliedern des Kartells fordern.

Hohe Strafe gegen Air France-KLM

Die Lufthansa betont zwar, dass die EU-Entscheidung zu dem Kartell bis heute nicht rechtskräftig sei, hat aber laut Spiegel Online bereits vor einigen Jahren hohe Entschädigungen wegen der Absprachen geleistet. So habe die Fluggesellschaft schon 2006 rund 66 Millionen Euro in den USA bezahlt, kleinere Summen in anderen Ländern kämen hinzu.

Im November 2010 hatte die EU-Kommission wegen dieses Falles eine Strafe von insgesamt 799 Millionen Euro gegen elf Fluggesellschaften verhängt. Fast die Hälfte davon soll Air France-KLM bezahlen, British Airways mehr als 100 Millionen Euro. Wegen Widersprüchen der Unternehmen ist das Verfahren aber immer noch nicht abgeschlossen.

Anzeige
Von Werner Grosch
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden