20.06.2013, 10:15 Uhr | 0 |

Informationstechnologie Cloud-Kampfpreise setzen Wettbewerber unter Druck

Der Konkurrenzkampf unter den Cloud-Anbietern wird immer härter. Vor allem Amazons Kampfpreise machen es selbst großen Cloud-Anbietern wie Microsoft, Google, EMC und der Deutschen Telekom immer schwerer mitzuhalten. Um sich dem Preisdruck zu entziehen, weichen manche Lösungsanbieter in Marktnischen aus.

Cloud-Anbieter kämpfen mit immer härteren Bandagen.
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So wie die Wolken um die Welt ziehen, ermöglichen Cloud-Dienste Zugriff auf Daten wie Fotos, Filme, Musik, Geschäftsdaten von jedem Ort der Welt - egal, ob vom Hotelzimmer, Flughafen oder privaten Arbeitszimmer aus. Cloud-Anbieter kämpfen mit immer härteren Bandagen um Kunden.

Foto: obs/T-Systems

Eng ist es in der Cloud schon vor einiger Zeit geworden, denn immer mehr IT-Anbieter haben sich auf diese Form der IT-Nutzung gestürzt. Doch da die Angebote schneller stiegen als der Bedarf, hat inzwischen ein gnadenloser Preis- und Verdrängungswettbewerb eingesetzt.

So verfehlte der jüngste Quartalsumsatz vom OpenStack-Primus Rackspace deutlich die Erwartungen der Wall Street, was zu einem Kursrutsch um 25 % führte. Bei VMware und EMC stehen umfangreiche Entlassungen an. Beides eine direkte Folge der Konsolidierung ihrer Cloud-Angebote, die in dem neuen Unternehmen Pivotal mündete.

Anbieter suchen individuelle Überlebensstrategie

Der Hecht im Cloud-Karpfenteich heißt Amazon, der mit seinen Amazon Web Services (AWS) fortlaufend die Preise senkt und es damit der Konkurrenz immer schwerer macht, noch mitzuhalten. Folglich sucht jeder einzelne Anbieter eine individuelle Überlebensstrategie.

Der Cloud-Pionier Salesforce verlagert seine Aktivitäten auf die Verbindung von Business-orientierten Social-Media-Werkzeugen mit Unternehmensinformationen. Hierzu hat das Unternehmen kürzlich seine neue Plattform "Community" vorgestellt, die laut deren COO George Hu "das Ende des herkömmlichen Cloud-Portals" herbeiführen wird.

EMC und seine Tochtergesellschaft VMware fokussieren sich auf die "Private Cloud", also eine Cloud-Nutzung innerhalb des eigenen Rechenzentrums. Laut EMCs COO David Goulden werden in drei Jahren 78 % aller Cloud-Anwendungen in einem solchen Umfeld ablaufen. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn eine Private Cloud ist nichts anderes als ein ganz normales Rechenzentrum, das um ein paar Management- und Abrechnungs-Tools ergänzt wurde.

Größter Vorteil der Cloud-Nutzung: Umwandlung von Fixkosten in variable Kosten

Doch der größte Vorteil der Cloud-Nutzung, nämlich die Umwandlung von Fixkosten in variable Kosten, kann bei der Private Cloud nicht realisiert werden, da das Rechenzentrum entsprechend der Spitzenbelastung ausgelegt sein muss. So gesehen ist es für EMC sinnvoll, sich auf dieses Quasi-Cloud-Segment zu konzentrieren, denn bei der Private Cloud ist der Absatz von Datenspeichereinheiten an den IT-Chef weiterhin sichergestellt. Gerade EMCs Datenspeichergeschäft ist durch die billigen Speicherangebote bei Amazon und den anderen Public-Cloud-Anbietern wie Google, Microsoft und Dropbox gefährdet.

Amazon berichtete, dass dort inzwischen über 2000 Mrd. Objekte abgelegt sind. Sechs Jahre dauerte es für die ersten 1000 Mrd. Objekte, für die zweiten 1000 Mrd. nur ein  Jahr. Auch für die nächsten Jahre erwarten Marktforscher enorme Zuwächse im Cloud-Datenspeichermarkt. So rechnen die Marktforscher von Markets-andMarkets mit jährlichen Umsatzsteigerungen von 40 %.

Deutsche Telekom setzt auf Mittelstand

EMC versucht deshalb, sich von dem mörderischen Storage-Business zu befreien. Dazu gehört die neue Firma Pivotal, die "Platform as a Service" im Bereich Big Data und deren Analyse anbietet. Die Nutzung der Pivotal-Plattform innerhalb des eigenen Rechenzentrums ist besonders für Cloud-Provider interessant. So ist die Telekom-Tochter T-Systems ein solcher Kunde, der mithilfe der angebotenen Ergänzungen die Plattform praktisch als universelle Basis für seine Datenanalysen nutzt.

Die Telekom versucht ebenfalls dem erheblichen Konkurrenzdruck von Amazon zu entgehen, indem der Konzern vor allem auf den deutschen Mittelstand setzt. So ergab eine Studie der Experton-Gruppe, dass die Telekom auf den Gebieten "Cloud-Services für den Mittelstand" und "Cloud-Marktplätze" auf Platz eins in Deutschland steht – noch vor Salesforce, Google, Microsoft und Amazon.

Auch bei der zunehmenden "Maschine-zu-Maschine"-Kommunikation (M2M) will die Telekom in vorderster Position vertreten sein. Die M2M-Kommunikation – auch Internet der Dinge genannt – wird immer bedeutender. So hat General Electric bereits ein eigenes M2M-Forschungs- und Entwicklungszentrum geschaffen – und sich darüber hinaus mit 105 Mio. $ an der neuen EMC-Tochter Pivotal beteiligt. 

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Von Harald Weiss | Präsentiert von VDI Logo
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