06.05.2015, 11:01 Uhr | 0 |

Konzentration auf Behälterbau Castor-Hersteller Siempelkamp: Abschied vom Komponentenbau für Atomkraftwerke

Der deutsche Castor-Hersteller Siempelkamp steigt aus dem Komponentengeschäft für Atomkraftwerke aus und plant einen umfassenden Umbau des Unternehmens. 

Castorbehälter im Siempelkamp-Werk in Mülheim an der Ruhr
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Das Krefelder Unternehmen Siempelkamp will sich in seinem Nuklearbereich auf die Fertigung von Castorbehältern und den Abbau von Reaktorbehältern konzentrieren. Die Produktion von Komponenten für Kernkraftwerke will Siempelkamp dagegen herunterfahren.

Foto: Siempelkamp

Siempelkamp wird sich wegen des Atomausstiegs in Deutschland in seiner Nukleartechnik-Sparte, die im Jahr 2014 mit 112 Millionen Euro rund ein Fünftel des Gesamtumsatzes von 607 Millionen Euro ausmachte, künftig auf die Herstellung von Behältern für den Transport und die Lagerung von Atommüll sowie auf den Rückbau von Reaktorbehältern konzentrieren. Das kündigte Hans Fechner, Sprecher der Geschäftsführung, im Interview mit den VDI nachrichten an. „Wir verlieren den gesamten Komponentenbau für Neukraftwerke“, sagte der Siempelkamp-Chef.

Atomausstieg belebt Geschäft mit Castorbehältern

In der Behältertechnologie erwartet Fechner ein wachsendes Geschäft. „Der Rückbau der Kernenergie in Deutschland erzeugt einen riesigen Bedarf an Behältern für die Zwischenlagerung“, sagte er. Dieser Bedarf reiße solange nicht ab, wie das Problem der Endlagerung nicht gelöst sei.

Zweites Standbein der ehemaligen Atomsparte werde der Rückbau von stark strahlenden Reaktordruckgefäßen sein. „Wir stellen die Ingenieurkapazitäten zur Verfügung, um die Reaktoren, die heißen Teile, zu zerlegen“, so der Siempelkamp-Chef gegenüber der Wochenzeitung. Beide Bereiche, der Behälterbau und die Ingenieurdienstleistungen für den Kraftwerksrückbau seien jeweils in eine Tochtergesellschaft ausgegliedert worden.

Siempelkamp stellt bislang Core-Catcher für den Europäischen Druckwasserreaktor EPR her, den der Kraftwerksbauer Areva entwickelt hat. Diese Spezialwannen sollen im Fall eines GAUs die Kernschmelze auffangen. „Wenn Areva unsere Komponenten braucht, liefern wir die selbstverständlich weiter gemäß unseren Vereinbarungen“, sagte Fechner in dem Interview. Doch sei der EPR viel zu teuer, um sich auf dem Weltmarkt durchzusetzen. „Wenn man das auf den Punkt bringt, ist diese Strategie der Areva gescheitert.“

Abbau von 100 Arbeitsplätze in den nächsten zwei Jahren

Siempelkamp-Geschäftsführer Fechner bestätigte gegenüber den VDI nachrichten, dass es zu Kündigungen kommen werde. Insbesondere werde die Verkaufsorganisation verkleinert. „Heute beschäftigen wir in der Nukleartechnik 600 Leute, in zwei Jahren werden es nur noch 500 sein“, sagte Fechner.

Das Interview lesen Sie im Wortlaut im Internetangebot der VDI nachrichten und in der am Freitag erscheinenden Printausgabe.

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Von Axel Mörer-Funk
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