20.08.2014, 12:52 Uhr | 0 |

Preisschlacht mit Airbus Boeing bietet Großabnehmern 59 Prozent Preisnachlass

Flugzeugbauer Boeing bietet im hart umkämpften Flugzeugmarkt mittlerweile bis zu 59 Prozent Preisnachlass auf den Mittelstreckenjet 737. Airbus hingegen arbeitet weiterhin mit branchenüblichen Nachlässen von bis zu 30 Prozent. Hart umworben ist die Fluggesellschaft Emirates, die auf beide Lieferanten setzt. 

Produktion des Boeing 737
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Produktion des Boeing 737: Der Flugzeugbauer bietet Fluggesellschaften mittlerweile einen Preisnachlass von bis zu 59 Prozent für den Mittelstrecken-Jet. 46 Prozent gibt es für das Großraumflugzeug Dreamliner. 

Foto: Boeing

Großabnehmer erhalten in den allermeisten Branchen beachtliche Preisnachlässe. Was sich aber inzwischen im Flugzeugbau abspielt, geht weit über die Rabatte anderer Wirtschaftszweige hinaus. Als normal gelten in der Flugzeugbranche Nachlässe von 25 bis 30 Prozent für Großabnehmer. Flugzeugbauer Boeing bietet im Wettstreit mit Konkurrent Airbus mittlerweile aber bis zu 59 Prozent Preisnachlass für den Mittelstreckenjet 737, 54 Prozent für die Langstreckenmaschine 777 und bis zu 46 Prozent für den 787 Dreamliner.

Derartig hohe Sätze scheint es bei Airbus bislang nicht zu geben. Hier dominiert der schon seit langem branchenübliche Nachlass von 25 bis 30 Prozent. Wie von Fluggesellschaften zu hören ist, soll sogar der allerneueste Airbus-Jet, die A330 in der neuen Variante, mit 25 Prozent Nachlass angeboten werden.

Die Struktur der Branche spielt eine wichtige Rolle beim Preiskampf: Nach Airbus und Boeing folgen nämlich erst mit langem Abstand Produzenten wie Embraer aus Brasilien, die russische Flugzeugindustrie und Bombardier aus Kanada. Bei großen Verkehrsflugzeugen haben aber Boeing und Airbus die Nase vorn.

Auf der Abnehmerseite gibt es an die Tausend Fluggesellschaften plus einige Dutzend reicher Privatleute oder Firmen, die sich große Verkehrsflugzeuge für ihre eigenen Zwecke anschaffen.

Großabnehmer kaufen bis zu 150 Maschinen

Da Flugzeuge fast nie Listenpreise unter 50 bis 80 Millionen US-Dollar haben, wird um fast jeden Auftrag hart gerungen. Und da bieten sich Preiszugeständnisse besonders an. Große Abnehmer erhalten dabei die höchsten Preisnachlässe, wenn sie einzelne Flugzeugtypen mit Stückzahlen von 50 bis 150 Maschinen kaufen – unter ihnen sind Southwest aus den USA, Ryanair und Easyjet aus Europa und Emirates aus dem Nahen Osten sowie Air Asia und All Nippon aus Ostasien.

In den Preiszugeständnissen schlägt sich zugleich auch eine Art Treueprämie dafür nieder, dass die jeweilige Luftfahrtgesellschaft mit dem neuen Großauftrag ihrem Lieferanten treu bleibt. Daher ist es auch kein Wunder, dass viele große Fluggesellschaften allein Maschinen eines Herstellers fliegen. So ist Southwest in den Vereinigten Staaten traditionell ein Boeing-Kunde, genauso wie Ryanair aus Europa oder All Nippon aus Japan. Easyjet ist treuer Airbus-Kunde.

Die Treue hat aber dann Grenzen, wenn ein Hersteller nicht in allen Größenklassen etwas zu bieten hat oder nur mit starker zeitlicher Verzögerung liefern könnte. Es gibt zahlreiche Fälle, in denen große Airlines Treueprämien von beiden Flugzeugherstellern kassieren können, so zum Beispiel der Star im Nahen Osten: Emirates aus Dubai. Die Airline ist größter Abnehmer des europäischen Riesenflugszeugs Airbus A380, bleibt aber gleichzeitig bei kleineren Maschinen der Boeing 777 treu. Ähnliches lässt sich bei einigen Dutzend Fluggesellschaften beobachten.

Entwicklungskosten erreichen zweistelligen Milliardenbeträge

Listenpreise sind sogenannte Mondpreise, die ohnehin niemand zu zahlen bereit ist. 400 Millionen Dollar für einen Airbus 380 wird keine Fluggesellschaft so einfach hinlegen. Es spielt eine gewisse Rolle, wie lang ein Flugzeug in der Basisversion schon produziert wird. Bei der Boeing 737 sind das mehrere Jahrzehnte. Das bedeutet, dass sich hier die Entwicklungskosten auf schließlich weit mehr Flugzeuge als je erwartet umlegen lassen. Das erlaubt kräftige Preiszugeständnisse.

Entwicklungskosten für einen neuen Jet reichen mittlerweile in zweistellige Milliardenbeträge – so etwa für den Boeing 787 Dreamliner. Schließlich spielt bei der Preisgestaltung auch noch eine Rolle, wie ausgefeilt die Produktionstechniken geworden sind. So hat Boeing als erster und bisher einziger Hersteller für die 737 ein System eingeführt, bei dem das Flugzeug bei der Montage wie ein Auto durch die Fabrikhallen gezogen wird. Das scheint bei extrem hohen Stückzahlen sehr viel kostengünstiger zu sein als andere Fertigungsarten, bei denen der Zusammenbau an einem Platz abläuft. Boeing ist gegenwärtig im Begriff, die monatliche Fertigung der 737 von bisher 42 auf 47 Jets zu erhöhen.

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Von Peter Odrich
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