23.10.2013, 16:15 Uhr | 0 |

Bauaktien gekauft Bill Gates setzt auf Erholung von Spaniens Wirtschaft

Bill Gates steigt beim spanischen Baukonzern FCC ein und erwirbt für 113,5 Millionen Euro sechs Prozent der Anteile. Der Aktienkurs von FCC legt daraufhin kräftig zu. Darüber hinaus wird die Investition des Microsoft-Gründers als Vertrauensbekundung in die spanische Wirtschaft gewertet.

Terminal 1 des Flughafens Barcelona
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Terminal 1 des Flughafens Barcelona: FCC ist der zweitgrößte Baukonzern Spanien und hat zahlreiche Bauten in Spanien und ganz Europa umgesetzt. Jetzt hat sich Microsoft-Gründer Bill Gates mit sechs Prozent an dem kriselnden Konzern beteiligt.

Foto: FCC

Wie der derzeit reichste Mann der Welt seine Millionen investiert, wird nicht nur in Finanzkreisen genauestens registriert. Jetzt hat Bill Gates für 113,5 Millionen Euro sechs Prozent der Anteile des angeschlagenen spanischen Baukonzerns FCC (Fomento de Construcciones y Contratas) erworben. Damit ist er nach Firmeninhaberin Esther Koplowitz, die als Hauptaktionärin 54 Prozent besitzt, zweitgrößter Aktionär bei FCC.

FCC-Aktie legt nach Einstieg von Bill Gates stark zu

Der Aktienkurs des zweitgrößten Baukonzerns in Spanien ist seit dem Höhepunkt des Immobilienbooms um 80 Prozent dramatisch eingebrochen. FCC ist in über 50 Ländern aktiv, hat 80 000 Mitarbeiter und leidet unter der geplatzten Bau- und Immobilienblase Spaniens. Zuletzt schrieb der Konzern eine Milliarde Euro Verlust. Als der Aktienkauf von Milliardär Gates, dessen Privatvermögen auf 72 Milliarden Dollar geschätzt wird, bekannt wurde, legte der Kurs am Dienstagmorgen um rund 13 Prozent zu. Soviel wie seit anderthalb Jahren nicht mehr.

Analysten mahnten allerdings zur Vorsicht. Zwar sei Gates’ Investment für FCC positiv zu bewerten, aber viel drängender seien Verhandlungen mit Gläubigerbanken über die Refinanzierung von fünf Milliarden Euro Schulden, die in diesem und nächsten Jahr fällig werden. FCC hatte Mitarbeiter entlassen und Abschreibungen in schlechte Investitionen auf erneuerbare Energien in Österreich vornehmen müssen. Dort hatte auch jüngst die milliardenschwere Pleite der FCC-Tochter Alpine die Schlagzeilen beherrscht.

Santander-Chef Botín: „Jeder will in Spanien investieren.“

Dabei gibt es erste Anzeigen für eine Besserung der tiefen Wirtschaftskrise Spaniens. So konnte FCC im Sommer einen Vertrag über sechs Milliarden Euro in Saudi Arabien für den Bau einer Metro in der Hauptstadt Riad an Land ziehen. In dem Konsortium ist auch der deutsche Siemens-Konzern vertreten. Für 700 Millionen Euro bekam FCC im Juni den Zuschlag, die Mersey Gateway Bridge in Liverpool zu bauen. Im Zusammenhang mit dem Bau der über zwei Kilometer langen Brücke, über die täglich rund 80 000 Fahrzeuge fahren werden, wird die Schaffung von mehr als 4600 direkten und indirekten Arbeitsplätzen erwartet.

Jetzt wertet FCC-Geschäftsführer Juan Bejar den Aktienkauf von Bill Gates als ein „Referendum für die wirtschaftliche Erholung, sowohl für die Nation als auch für das Unternehmen selbst“. Die langfristige Investition von jemandem mit dem Kaliber von Gates sei von größerer Bedeutung als der kurzfristige Anstieg der Aktien, sagte Bejar im spanischen Radio. „Ich glaube, dass Gates FCC als Einstieg gewählt hat, weil Spanien für ihn attraktiv ist.“

Emilio Botín, Chef der Banco Santander, will ebenfalls eine „drastische Veränderung“ in der Art und Weise, wie Spanien wahrgenommen wird, bemerkt haben. „Das Geld kommt von allen Seiten. Jeder will in Spanien investieren“, sagt Botín.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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