13.06.2014, 10:45 Uhr | 0 |

Google ist Hauptsponsor Berlin freut sich über eigenes Silicon Valley für IT-Start-ups

Jetzt hat auch die deutsche Hauptstadt ihr Silicon Valley: Neben 22 Start-ups haben sich sogar namhafte IT-Unternehmen im Komplex aus fünf Gebäuden eingenistet – unter ihnen Mozilla, Soundcloud und Twitter. Hauptsponser der Factory ist IT-Gigant Google.

Der Gründercampus ist in einem Haus am ehemaligen Mauerstreifen untergebracht und bietet Platz für rund 500 Arbeitsplätze.
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Eröffnungsfeier im Garten der Factory: Der Gründercampus ist in einem Gebäudekomplex am ehemaligen Mauerstreifen untergebracht und bietet Platz für rund 500 Arbeitsplätze.

Foto: dpa/Paul Zinken

Auf dem Gelände der ehemaligen Oswald-Brauerei direkt am ehemaligen Grenzstreifen zwischen der Rheinsberger und der Bernauer Straße entstand in den letzten Jahren die Factory, ein Komplex aus insgesamt fünf Gebäuden. Selbst Googles Verwaltungsratschef Eric Schmidt kam zur Eröffnung dnach Berlin. Der Konzern ist einer der Hauptsponsoren des Projektes und steckt in den nächsten drei Jahren eine Millionen Euro in die Factory. In seiner Rede warb Schmidt diplomatisch für schnellere Internetzugänge: „Das Internet hier kann verbessert werden.“

Factory-Gründer hält Start-ups für schreckliche Mieter

In der Factory Berlin arbeiten aktuell 100 IT-Spezialisten, bald sollen 500 bis 600 Mitarbeiter dort ihren Arbeitsplatz beziehen. Am Ende sollen 16.000 Quadratmeter Bürofläche zur Verfügung stehen. Größter Mieter sind der Audiodienst SoundCloud, der Browserentwickler Mozilla, der Kundensupportdienstleister Zendesk, der Kurznachrichtendienst Twitter und 6wunderkinder. Neben den Großen der Branche haben sich 22 Start-ups eingemietet.

Simon Schaefer, der Gründer der Factory hält ausgerechnet Start-ups für die schrecklichsten aller Mieter: „Entweder sie gehen Pleite und sagen es dir nicht, dass sie ihre Miete nicht mehr zahlen können. Oder sie ziehen aus, weil sie so rasant wachsen, dass ihnen der Platz schon bald nicht mehr reicht.“

In der Factory soll es WGs aus Gründern und Entwicklern geben

Mit der Factory bekommt Berlin einen zentralen Anlaufpunkt für Unternehmen, die sich in einem Netzwerk austauschen können. „Die Leute investieren in ihr Netzwerk, in ihre persönlichen Beziehungen – ein gemeinsamer Ort macht das ganze viel, viel einfacher“, sagt Schaefer. In einem Gebäude der Factory sollen Wohngemeinschaften entstehen, in denen Gründer oder Entwickler unterkommen können, wenn sie nach Berlin ziehen.

Schaefer plant aber keine Rundum-Betreuung seiner Start-ups. „Wenn man gefestigte Strukturen sucht, weil man noch nicht genau weiß, was man macht, ist man hier nicht so gut aufgehoben“, sagt er. „Bei der Unternehmensfindung können wir nicht helfen. Die Gründer müssen schon wissen, was sie vorhaben.“

Mit diesem Konzept hat die Factory ganz offenbar einen Nerv getroffen. Kaum hatte Schaefer seine Pläne vorgestellt, wurde er mit Anfragen überhäuft. „Wir haben Interessenten für über 80.000 Quadratmeter Bürofläche, könnten also locker fünf dieser Campusse bauen und wären noch nicht ausgebucht.“ In Berlin, weiß der Gründer, fehlt Platz für Internetfirmen aller Größen: „Es ist schon schwierig in den zentralen Bezirken, kleinere Büros für Start-ups zu finden, die mehr als einen Tisch brauchen. Wenn man 2000 bis 3000 Quadratmeter braucht, ist es nahezu unmöglich, etwas im Zentrum zu finden.“

Prominentester Mieter ist Twitter

Für Schaefer gibt es zum Standort im Zentrum keine Alternative. „Um jemanden abzuwerben, der im Valley bei Twitter oder Google gearbeitet hat, kannst du nicht in Adlerhof sitzen, sondern musst in Mitte sein oder in Kreuzberg“, sagt Schaefer. Und die erfolgreichen Start-ups, die im Zentrum sein müssen, haben wiederum eine Anziehungskraft auf die kleinen. Prominentester Mieter in der Factory ist übrigens Twitter. „Die Erfolgsgeschichte von Twitter kann Inspiration für Berliner Start-ups sein“, sagte Rowan Barnett, Twitter-Marketingchef für Deutschland. „Wir freuen uns, an diesem historischen Ort arbeiten zu können.“

SoundCloud residiert über drei Etagen

Gleich über drei Etagen und damit über die größte Teilfläche hat sich der 2008 gegründete Internet-Audiodienst SoundCloud ausgebreitet. Nutzer können auf der SoundCloud-Plattform Tondokumente aller Art kostenlos hochladen, mit Freunden teilen und anhören. Weltweit sind bereits 250 Millionen Menschen auf SoundCloud aktiv. Rechnerisch laden diese in jeder Minute zwölf Stunden Audiomaterial auf die Plattform, die wegen ihrer Reichweite zuletzt mit einem Wert von 517 Millionen Euro taxiert wurde. SoundCloud ist damit ein typisches Start-up. Obwohl keinerlei nennenswerte Erlösquellen in Sicht sind, steigt der Firmenwert von Woche zu Woche. Das Wachstum steht an erster Stelle, Geld kann man auch später noch generieren. Das hat bei Google und bei Facebook schließlich auch geklappt.

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Von Detlef Stoller
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