08.05.2014, 14:53 Uhr | 0 |

Milliardendeal in Pharmabranche Bayer kauft rezeptfreie Medikamentensparte von Merck & Co.

Die wochenlangen Spekulationen haben ein Ende: Der Pharmariese Bayer hat das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten vom US-Konkurrenten Merck & Co. aufgekauft.  Ein Mega-Deal, der die Leverkusener umgerechnet 10,4 Milliarden Euro kostet. 

Bayer-Werk in Leverkusen
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Der Chemie- und Pharmariese Bayer will seine Geschäfte mit rezeptfreien Medikamenten durch einen milliardenschweren Zukauf in den USA stärken. Von dem US-Pharmaunternehmen Merck & Co. werde der Konzern die Sparte rezeptfreie Arzneien zum Preis von 14,2 Milliarden US-Dollar (10,4 Mrd. Euro) übernehmen, kündigte Bayer in Leverkusen an. 

Foto: dpa/Oliver Berg

Dass die Milliarden für den Merck-Zukauf jedoch strategisch gut angelegt sind, daran lässt Bayer-Chef Marijn Dekker keinen Zweifel. Er sei ein „sehr attraktives“ Investment, sagte Dekker. Nur einmal in seiner Firmengeschichte hat Bayer für einen Kauf noch mehr hingeblättert: Vor acht Jahren zahlte der Konzern für den deutschen Pharmahersteller Schering 17 Milliarden Euro.

Weltweit Nummer zwei bei rezeptfreien Medikamenten

Konzernchef Dekker verfolgt ein ehrgeiziges Ziel in der rezeptfreien Medikamentensparte. Der Niederländer will Bayer wieder zur „Apotheke der Welt“ machen: „Wir streben die globale Marktführerschaft an.“ Mit dem jetzt bekannt gegebenen Mega-Deal rücken die Leverkusener auf zum weltweit zweitgrößten Anbieter in dieser Sparte. In den USA sogar zur Nummer eins. Damit könne das Unternehmen in den Staaten nun ganz anders auftreten, erklärte Dekker. Größe sei ein entscheidender Faktor in diesem Geschäft.

Johnson & Johnson ist Nummer eins bei OTC-Produkten

Weltweit gesehen aber bleibt der US-Konzern Johnson & Johnson bei den OTC-Produkten – OTC steht für „over the counter“ und bedeutet so viel wie „ohne Rezept über den Tresen“ – die Nummer eins. Die Amerikaner vertreiben unter anderem Marken wie Penaten, bebe und Neutrogena. Bayer punktet bisher mit Erfolgspräparaten wie Bepanthen und Canesten. 

Ein Evergreen ist das Jahrhundertmedikament Aspirin, das so gut wie jeder kennt. Es brachte Bayer im vergangenen Jahr gut 460 Milliarden Euro ein.

„Großartiger Produktmix“ für Bayer durch Zukauf

Künftig wird das Angebot mit Merck-Marken wie Kytta, Coppertone-Sonnencreme und der Fußpflegelinie Dr. Scholl's erweitert. Die meisten Einnahmen verspricht allerdings der Verkauf des Allergiemittels Claritin. Merck machte damit zuletzt jährlich mehr als eine halbe Milliarde Euro Umsatz. Also mehr als der Klassiker Aspirin den Leverkusenern einspielte. Bayer-Chef Dekker sprach von einem „großartigen Produktmix“, der sich durch den Zukauf ergebe. Es gebe kaum Überschneidungen.

Rezeptfreie Gesundheitsprodukte sind ein stabiles Geschäft

Das Geschäft mit frei erhältlichen Arzneimitteln ist zwar nicht so lukrativ wie das klassische Pharmageschäft mit innovativen Medikamenten. Aber es hat eine absolute  Schokoladenseite: Es ist stabil, berechenbar, weniger riskant und die Nachfrage ist steigend.

Bayer rechnet ab 2017 mit einem zusätzlichen Umsatz von 400 Millionen Dollar. Was wenig erscheint im Vergleich zu dem, was der Pharmariese in dieser Sparte im vergangenen Jahr umgesetzt hat: Das waren rund vier Milliarden Euro. 

Mit dem neuen Deal kommt Bayer aber auch im Pharmageschäft voran, wo es global bisher noch nicht einmal zu den Top Ten zählt. Denn neben der Übernahme vereinbarte der Konzern mit dem US-Riesen eine Kooperation auf dem Gebiet von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Keine Gefahr für Beschäftigte in Deutschland

Die 10,4 Milliarden Euro für den Merck-Zukauf finanziert Bayer allein über Kredite. Um Einsparungen von Jobs ist es laut Konzernchef Dekker bei der Übernahme nicht gegangen. Die Auswirkungen auf die Beschäftigten in Deutschland seien kaum spürbar. Auf weitere Einzelheiten ging Dekker nicht ein. Womöglich könnten Arbeitsplätze in den USA wegfallen. 

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Von Lisa von Prondzinski
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