21.03.2014, 10:45 Uhr | 0 |

Suche nach Käufer Autodesign-Studio Bertone steht kurz vor der Pleite

Der italienischen Autodesign-Schmiede Bertone droht die Insolvenz, wenn bis Ende April kein Käufer gefunden wird. Es wäre ein trauriges Ende für ein Traditionsunternehmen, das seit 100 Jahren die schönsten und gewagtesten Autodesigns hervorgebracht hat.

Der Ansaldo 6BS
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Blick zurück auf die Anfänge des Unternehmens: Im Jahr 1928 baute Bertone die Karosserie für den Ansaldo 6BS.

Foto: Bertone

Die Carrozeria Bertone hat ihre besten Zeiten offenbar endgültig hinter sich. Der Hersteller und Designer von Autokarosserien mit Sitz in Turin sei zahlungsunfähig, bestätigte ein Firmensprecher gegenüber der britischen Zeitung "The Telegraph". Das Insolvenzverfahren sei eröffnet worden.

„Das Problem sind die hohen Schulden und gleichzeitig die hohen Kosten“, sagte der Sprecher. „Im Moment ist alles blockiert und die Angestellten sind jetzt seit anderthalb Monaten nicht zur Arbeit gekommen.“ Nun untersuche das Gericht die Angebote der Kaufinteressenten. Es soll insgesamt acht Interessenten geben, sieben aus Italien und einen aus der Türkei. Bis Ende April muss sich entscheiden, wie es für Bertone weitergeht.

Bertone musste schon einmal Konkurs anmelden

Schon einmal, im Jahr 2008, musste Bertone Konkurs anmelden und tritt seither nicht mehr als Karosseriebauer in Erscheinung, sondern nur noch als Designstudio. Um die Gläubiger zu entschädigen, versteigerte das Unternehmen 2011 sechs Prototypen aus dem Bertone Museum. Darunter auch der legendäre Lamborghini Marzal, in dem Fürst Rainier seine Fürstin Gracia Patricia 1967 durch Monte Carlo zu ihrer Loge an der Rennstrecke zum Großen Preis von Monte Carlo fuhr. Der Applaus der Menschenmenge am Straßenrand galt damals wohl nicht nur dem Fürstenpaar alleine, sondern zu einem guten Teil auch dem Auto selbst.

Der futuristisch wirkende Viersitzer mit 175 PS ist immer ein Unikat geblieben, aber als öffentlichkeitswirksame Werbung für Bertone und die junge Marke Lamborghini war er ein Coup. Auch 2011 erhielt der Marzal Applaus, als er für 1,5 Millionen Euro den Besitzer wechselte.

Die Erfolgsgeschichte der Carrozeria Bertone beginnt 1912, als der 28-jährige Giovanni Bertone einen Stellmacherbetrieb in Turin gründet, in dem Kutschen und Pferdefuhrwerke gebaut werden. Auch der Sohn, genannt Nuccio, tritt als junger Mann in den Betrieb ein und schnell entwickelt sich eine Erfolgsgeschichte. 1938 etwa entsteht das Fahrgestell für einen Fiat 1500, den viele als eines der schönsten Autos der 1930er Jahre betrachten.

Nach der ersten Insolvenz springt Fiat ein

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird es zwar schwierig für die Bertones, aber Nuccio zieht einen Großauftrag eines reichen Amerikaners an Land und baut in den 50er und 60er Jahren rund 34.000 Karosserien des Alfa Romeo Giulietta Sprint.

In den kommenden Jahrzehnten entstehen im neu gebauten Werk in Turin die Aufbauten für meist exklusive Sondermodelle für Marken wie Alfa Romeo, BMW, Fiat, Lamborghini, NSU oder Volvo. Für die Auswahl der besten Designer hat Nuccio außerdem ein gutes Händchen. Franco Scaglione, Giorgio Giugiaro oder Marcello Gandini werden in den 50er, 60er und 70er Jahren prägend für die individuelle Designsprache des Ateliers Bertone.

Allerdings begannen nach und nach viele Hersteller damit, ihre gesamte Fahrzeugpalette selbst zu fertigen. Für die exklusiven, stilbildenden Schöpfungen von Bertone wurde es schwer. Als letztes Auto vor der Insolvenz 2008 läuft im Turiner Werk eine Sonderserie mit 2000 Exemplaren des Mini Cooper S Works vom Band, dann springt Fiat ein und übernimmt die Fertigungsanlagen. 2012 feierte Bertone zwar noch den 100. Firmengeburtstag, aber ein bitterer Beigeschmack war auch schon damals dabei – denn die sechs Prototypen aus dem firmeneigenen Museum waren bereits meistbietend versteigert worden.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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