07.08.2014, 13:25 Uhr | 0 |

Jobs statt Steuern Apple profiliert sich als Jobmotor in Europa

629.000 Arbeitsplätze will Apple in seiner Firmengeschichte direkt oder indirekt in Europa geschaffen haben. Das Unternehmen hat jetzt eine eigene Webseite eingerichtet, die das für einzelne Länder dokumentiert. Offenbar will der IT-Gigant den Vorwürfen mangelnder Steuermoral ein anderes Image entgegensetzen.

Apple Store in München
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Apple Store in München: Steuern zahlt der Konzern in Deutschland zwar kaum, dafür schafft er in seinen Augen aber reichlich Arbeitsplätze. 52.000 Menschen seien hierzulande mit der Entwicklung von Apps beschäftigt. 

Foto: dpa

Eigene Produkte, eigene Innovationen, ja ganz eigene Branchen und Märkte habe man geschaffen, sagt Apple. Die Botschaft: Ohne uns gäbe es in Europa einige Hunderttausende Arbeitslose mehr. Das Unternehmen präsentiert eine lange Reihe entsprechender Zahlen auf seiner neuen Webseite. Warum das geschieht, wird nicht gesagt. Doch ein Zusammenhang mit der aktuellen Initiative der EU-Kommission liegt nahe, die Apples Steuerpraxis in Irland untersuchen will.

280.000 Entwickler arbeiten für den App Store

16.000 eigene Angestellte hat Apple demnach in Europa. 116.000 Jobs bei anderen Firmen seien direkt auf Apples Wachstum zurückzuführen, und fast 500.000 stünden in direktem Zusammenhang mit dem App Store. Darunter seien allein rund 280.000 Personen, die an dem bezahlten App-Entwicklungsprogramm teilnehmen und damit mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz generieren.

Damit auch jedem EU-Bürger deutlich wird, wie wichtig Apple für Arbeitsmarkt und Wohlstand ist, gibt es eigene Unterseiten zumindest für die wirtschaftlich wichtigsten Länder. So habe das App-Entwicklungsprogramm allein in Deutschland 52.200 Mitglieder, 1600 Menschen seien hier direkt bei dem US-Unternehmen beschäftigt.

Apple listet sogar Beispiele für die indirekten Beschäftigungseffekte auf. So stelle die bayerische Seele-Gruppe das Glas für die Apple Stores in aller Welt her. Und für das repräsentative Geschäft auf dem Berliner Kurfürstendamm habe man beispielsweise original Kirchheimer Muschelkalk verwendet, der von dem Berliner Traditionsunternehmen Gebauer im Ladenlokal verbaut worden sei.

Die Statistiken zeigen bei genauerem Hinsehen aber auch eine bemerkenswerte Verteilung der Zahlen. Obwohl Deutschland einer der wichtigsten europäischen Märkte ist und hier allein drei der insgesamt acht Retail Stores auf dem Kontinent eröffnet wurden, arbeiten im irischen Cork mehr als doppelt so viele Menschen direkt bei Apple – rund 4000, zehn Prozent der Gesamtzahl an Beschäftigten. Bekanntermaßen ist Irland der EU-Staat mit den niedrigsten Unternehmenssteuern.

Was Apple aber gar nicht anspricht: Ist die hohe Zahl von Menschen, die mittelbar für Apple arbeiten, ein Grund für den Konzern, in Europa praktisch kaum Steuern zu zahlen? Zudem brüstet sich Apple mit fremden Federn, denn beispielsweise versteuern die Mitarbeiter, die etwa Apps entwickeln, ihre Einkommen selbst. Und auch die Firmen, die für Apple arbeiten, zahlen im Gegensatz zu Apple hiesige Steuersätze. 

Apple, Google und Amazon müssen in der EU kaum Steuern zahlen

Die EU untersucht derzeit, ob Apple darüber hinaus noch besondere Steuernachlässe vom irischen Staat bekommen hat. Das Unternehmen hatte dazu erklärt, man zahle, was verlangt werde. Schon seit ein paar Jahren werden Steuersparmodelle multinationaler Konzerne mithilfe von Standorten in der EU immer wieder diskutiert. Unternehmen wie Google und Amazon, aber auch Apple, sollen demnach Gewinne über Firmensitze in Irland und den Niederlanden – die entsprechend laxe Regeln dafür haben – auf Standorte in Steueroasen übertragen, so dass sie innerhalb der EU kaum Steuern zahlen müssen.

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Von Werner Grosch
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