02.01.2014, 12:30 Uhr | 0 |

SPIONAGE-SOFTWARE AUF SMARTPHONES Apple bestreitet Zusammenarbeit mit US-Geheimdienst NSA

Neue Enthüllungen legen den Verdacht nahe, dass Apple aktiv mit dem US-Geheimdienst NSA zusammengearbeitet haben könnte. Schon die erste Generation des iPhones soll eine Spionage-Software enthalten haben.

Apple bestreitet Zusammenarbeit mit US-Geheimdienst NSA
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Apple beteuert, nie mit der NSA zusammengearbeitet zu haben. Vom Spionageprogramm Droupoutjeep habe man erst aus den Medien erfahren. Daten würden auch nur nach richterlicher Anordnung herausgegeben, um Verbrechen aufzuklären oder vermisste Personen zu finden.

Foto: dpa

SMS, Standortdaten, Adressbücher – all diese Informationen soll die NSA schon im Jahr 2008 von iPhones abgegriffen haben. Das belegen Dokumente aus dem großen Fundus von Edward Snowden. Dropoutjeep sei der Name des Programms gewesen, das dafür genutzt wurde. Sogar Kamera- und Mikrofonaufnahmen soll der Geheimdienst auf diese Weise abgerufen haben.

Das Besondere an dem Fall: Nicht Datenleitungen oder Server wurden angezapft, sondern die Endgeräte direkt über ein heimlich installiertes Programm überwacht. Computerexperte Jacob Appelbaum sagte auf einem Hacker-Kongress in Hamburg, es sei eher vorstellbar, dass der Hersteller der Smartphones dabei nicht mitgearbeitet habe. Schon deshalb, weil der Geheimdienst im Dokument eine hundertprozentige Erfolgsquote von Dropoutjeep beschreibe.

Dass die NSA millionenfach Handys überwacht hat, ist nicht neu und auch unbestritten. Eine aktive technische Unterstützung durch einen Hersteller hätte aber eine neue Qualität. Der Geheimdienst soll auch über Programme verfügen, die die Überwachung von Blackberrys oder Smartphones mit Android-Betriebssystem ermöglicht.

Apple will Kunden vor Spionage schützen

Apple hat diesen Verdacht nun scharf zurückgewiesen. Man habe nie mit der NSA zusammengearbeitet und durch die neue Veröffentlichung zum ersten Mal von Dropoutjeep gehört, heißt es in einer Erklärung. Apple tue im Gegenteil alles, um seine Kunden vor Hackern zu schützen – egal welchen.

Als das Spionageprogramm Prism im Juni bekannt geworden war, hatte der Konzern erklärt, keinerlei Daten weiterzugeben, sofern sie nicht ausdrücklich zur Aufklärung konkreter Verbrechen oder für die Suche nach vermissten Personen notwendig seien und dies von einem Richter angeordnet werde. Hier werde jeder der mehreren tausend Fälle pro Jahr einzeln geprüft.

Das Programm aus dem Jahr 2008 dürfte nach Einschätzung von Experten heute keine große Rolle mehr in den Aktivitäten der NSA spielen. Der direkte Zugriff auf die Geräte, den der Geheimdienst damals noch brauchte, sei inzwischen nicht mehr nötig.

Computerexperte Appelbaum ist ein persönlicher Freund von Wikileaks-Gründer Julian Assange und bewirbt eine Software, mit der Nutzer ihre Aktivitäten im Internet geheim halten können. In einem Interview mit der Zeit riet er im Jahr 2012 davon ab, Smartphones überhaupt zu benutzen: „Am besten verzichten sie darauf, ein Mobiltelefon mit sich herumzutragen – insbesondere ein Smartphone. Denn die Gesetzgebung hat noch nicht mit der Tatsache Schritt gehalten, dass wir Peilsender kaufen, mit denen wir auch telefonieren können.“

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Von Werner Grosch
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