11.04.2013, 14:29 Uhr | 0 |

General Motors stärkt Opel Amerikanische Konzernmutter investiert vier Milliarden Euro bis 2016

General Motors steht zu seiner Tochter Opel. Das sollte schon die Verlegung der GM- Verwaltungsratssitzung nach Rüsselsheim signalisieren. Doch es blieb nicht bei Symbolen. Bis 2016 will GM vier Milliarden Euro in den kriselnden Opel-Konzern investieren.

Per Handschlag versprochen: GM will Opel wieder auf die Erfolgsspur führen.
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Opel-Chef Karl-Thomas Neumann (l-r), Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), GM-Vorstandsvorsitzender Dan Akerson und Steve Girsky, Opel-Aufsichtsratsvorsitzender, reichen sich am 10.04.2013 im Adam-Opel-Haus in Rüsselsheim die Hand. Der GM-Verwaltungsrat hat in seiner Sitzung in Rüsselsheim ein umfangreiches Investitionsprogramm beschlossen, um die angeschlagene Tochter Opel wieder auf die Erfolgsspur zu führen.

Foto: dpa

„Opel ist ein Schlüssel zu unserem Erfolg und genießt die volle Unterstützung des Mutterkonzerns.“ Diese Worte von GM-Konzernchef Dan Akerson dürften den Opel-Mitarbeiter in Deutschland gefallen haben. Denn die „volle Unterstützung“ hat es in sich: GM will in Europa vier Milliarden Euro investieren. Ein wesentlicher Teil der GM-Milliarden fließt in eine Opel-Modelloffensive: Bis 2016 wird Opel 23 neue Fahrzeugmodelle und 13 neue Motoren auf den Markt bringen. Das soll die Wende für den angeschlagenen Opel-Konzern einleiten. Den Anfang machen der mit seinem Namen an den Firmengründer Adam Opel erinnernde Kleinwagen Adam, der kleine Geländewagen Mokka und das Cabriolet Cascada.

Verstaubtes Image

Diese Modelloffensive ist auch bitter nötig. Denn das Image des Opel-Konzerns gilt seit vielen Jahren als verstaubt. Das soll sich jetzt ändern: „Als weltweit agierendes Automobilunternehmen braucht GM eine starke Präsenz in Europa – sowohl bei Design und Entwicklung als auch bei Fertigung und Verkauf,“ betonte Akerson. Der prominente Besuch der GM-Führung am Opel-Standort in Rüsselsheim ist kein Zufall, sondern im Gegenteil, der Versuch, den permanent kursierenden Gerüchten über einen bevorstehenden Verkauf von Opel entgegenzutreten.

An den kursierenden Verkaufsgerüchten ist der amerikanische Mutterkonzern GM indes selber schuld. Denn 2009 wollte GM sich von Opel trennen und bemühte sich um Bürgschaften bei mehreren europäischen Staaten. Dann entschied man sich in Amerika aber um und beschloss, Opel in Eigenregie zu sanieren. Und das nicht gerade aus einer Pole-Position heraus: Im vergangenen Jahr schrieb General Motors in Europa einen operativen Verlust von 1,3 Milliarden Euro. Allein im vierten Quartal des schwierigen Jahres verloren die Amerikaner auf dem europäischen Kontinent über eine halbe Milliarde Euro – und damit genauso viel, wie im gesamten Jahr 2011.

VW investiert das Fünffache

Ein Vergleich mit dem Opel längst enteilten Volkswagen-Konzern hilft die jetzt groß angekündigte Investitionsoffensive von GM einzuordnen. Der Rivale aus Wolfsburg steckt bis 2015 in Deutschland knapp 20 Milliarden Euro in neue Modelle, Produktionsverfahren und die Modernisierung seiner Fabriken – das Fünffache dessen, was GM jetzt für Opel ausgeben will. VW investiert allein in Niedersachsen in den nächsten drei Jahren elf Milliarden Euro.

Dennoch:Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug begrüßte die GM-Entscheidung für das Vier-Milliarden-Investment. Vor einigen Jahren sei es kaum denkbar gewesen, eine solch „unmissverständliche Unterstützung“ zu bekommen. Opel dürfe nicht langfristig „in dem Gefängnis von sechs Prozent Marktanteil“ gefangen bleiben.

Hessens Wirtschaftsminister Florian Rentsch (FDP) verlangte zudem mehr Bewegungsfreiheit für die weitgehend auf Europa beschränkte GM-Tochter. "Was weiterhin fehlt, ist, dass General Motors endlich Opel von seinen 'Fesseln' befreit und es ermöglicht wird, Opel-Fahrzeuge weltweit, ohne Restriktionen zu verkaufen", sagte er. Am heutigen Donnerstag wird der GM-Verwaltungsrat in Berlin von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) empfangen. Der GM-Besuch in Deutschland wird hierzulande hoch gehandelt, hat doch das ständige Hin- und Her der amerikanischen Muttergesellschaft bei der Opel-Sanierung die deutsche Bevölkerung lange in Atem gehalten.

Vereinbarung zwischen Management und Gewerkschaft läuft über zehn Jahre

Erst vor knapp einem Monat einigte sich das Management von Opel mit der Gewerkschaft IG Metall auf einen Sparplan, der Lohnerhöhungen in die Zukunft verschiebt. Acht Monate dauerte das Ringen um eine Einigung für alle deutschen Opel-Standorte. Die Vereinbarung mit dem Namen DRIVE2022 läuft über die nächsten zehn Jahre und beinhaltet für die drei Werke in Kaiserslautern, Eisenach und Rüsselsheim mehrjährige Produktionszusagen. Bochum, der vierte Opel-Standort in Deutschland mit 3200 Mitarbeitern, wird Ende 2014 geschlossen, weil dort die Belegschaft dem GM-Sanierungsplan für Opel nicht zugestimmt hat. GM-Aufsichtsratschef Steve Girsky betonte, dass er das Votum der Bochum-Mitarbeiter gegen den Sanierungsplan bedaure, denn das Angebot sei „fair und gut“ gewesen: „Aber wir akzeptieren die Entscheidung.“ Girsky glaubt fest an den Erfolg für Opel und betonte: „Opel ebnet den Weg zum größten Turnaround in der europäischen Automobilgeschichte.“

Das Ziel des Sanierungsplanes ist ehrgeizig. Opel soll und will bis zur Mitte des Jahrzehntes wieder profitabel sein. Investitionen alleine reichen wohl kaum aus. Und so will die GM-Führung in den kommenden drei Jahren die Fixkosten um 375 Millionen Euro senken, unter anderem über die Zusammenarbeit mit dem französischen Autobauer PSA-Peugeot-Citroen und eben durch den Verzicht auf Lohn und zeitnahe Lohnerhöhungen.

Opel will angreifen

Der 1961 im niedersächsischen Twistringen geborene studierte Elektroingenieur und leidenschaftliche Marathonläufer Karl-Thomas Neumann, seit dem 1. März Opel-Chef, gibt sich kämpferisch: „Ich will Opel wieder zu alter Stärke und altem Glanz zurückführen. Wir leben bei Opel eine neue Kultur. Wir sind jetzt wieder die Angreifer.“

Neumann betonte,  es sei für Opel eine große Ehre, Gastgeber des GM-Boards sein zu dürfen. „Dieses Gremium hat noch einmal deutlich gemacht, dass der Zehnjahresplan DRIVE2022, der die Rückkehr zur Profitabilität bis zur Mitte der Dekade vorsieht, die volle Unterstützung des Mutterkonzerns hat.“ Opel-Aufsichtsratschef Steve Girsky bekräftigte dies: „Das Board of Directors ist hier, um seine Verbundenheit und Unterstützung zu unterstreichen. Opel ist seit 1929 Teil von GM und heute mehr denn je ein entscheidendes Element für die Innovationskraft des gesamten Konzerns. Nie war die Partnerschaft so stark wie heute.“

Berliner-Mauer-Stück enthüllt

Nach all den kämpferischen und stimmungsvollen Reden ging es dann ans Werk, genauer ans Mauerwerk: Dan Akerson enthüllte ein Element der Berliner Mauer, welches sich im Opel-Besitz befindet und das einen festen Platz vor dem Adam-Opel-Haus in Rüsselsheim bekommen soll. Opel-Chef Neumann erklärte dazu feierlich: „Dieses Stück Mauer ist ein Zeichen für unsere Unternehmenskultur. Das Symbol soll jedermann daran erinnern, dass wir Mauern in unseren Köpfen und zwischen verschiedenen Kulturen überwinden und ein neues Kapitel in der Geschichte von Opel aufschlagen.“

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Von Detlef Stoller
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