13.05.2016, 10:37 Uhr | 0 |

Reinigung schaltet ab Abschaltmodus entdeckt: Opel bestreitet Manipulation der Abgasreinigung

Berichte von „Spiegel“ und „Monitor“ am gestrigen Abend rücken Opel in die Nähe der Abgasbetrüger aus Wolfsburg. Auch Opel soll manipulieren und die Abgasreinigung häufig ausschalten, so der Vorwurf. Doch Opel bestreitet die Vorwürfe und deutet an, dass die Experten hinter dem neuen Skandalbericht vielleicht gar keine Experten sind.

Opel-Logo
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Auch Opel soll wie VW manipulieren: Spiegel, Monitor und die Deutsche Umwelthilfe werfen Opel vor, dass die Abgasreinigung häufig ausgeschaltet wird. Beispielsweise bei Temperaturen unter 20 °C, ab Tempo 145 und Drehzahlen über 2400. Das alles zusammen kommt ziemlich häufig vor. Opel bestreitet die Vorwürfe.

Foto: Marc Tirl/dpa

Der Kern der neuen Medienberichte trifft ausgerechnet eines der Vorzeigemodelle von Opel: den Zafira mit 1,6-Liter-Dieselmotor, den der Hersteller als besonders umweltfreundlich vermarktet. Dessen Abgasreinigung soll sich unter bestimmten Bedingungen abschalten bzw. reduzieren. Allerdings ist das ziemlich häufig der Fall, so das Ergebnis von Fahrtests, die Spiegel, Monitor gemeinsam mit der Deutschen Umwelthilfe durchgeführt haben.

Demnach schaltet sich die Abgasreinigung bei einem Tempo über 145 km/h ab, bei einer Drehzahl von mehr als 2400 oder bei geringem Luftdruck, wie er in Höhen von knapp 900 Metern über NN normal ist. Außerdem soll die Abgasreinigung nur bei Temperaturen über 20 °C voll arbeiten – eine erstaunliche Grenze in unseren Breitengraden.

Karl-Thomas Neumann, Vorstandsvorsitzender von Opel, kniet am 10.09.2013 beim Pressetag der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt (Hessen) vor dem Opel Monza Concept. Die IAA gilt als Welt-Leitmesse der Autoindustrie. Fast 1100 Aussteller aus aller Welt präsentieren vom 12. bis 22. September ihre Weltneuheiten. Foto: Uwe Zucchi/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Karl-Thomas Neumann, Vorstandsvorsitzender von Opel, auf der IAA: Gerade hat Opel wieder Vertrauen geschaffen und die Absatzzahlen verbessern, da hagelt es Vorwürfe, dass auch Opel-Ingenieure die Abgaswerte manipulieren.

Foto: Uwe Zucchi/dpa

Wozu aber soll das gut sein? Nach dem Versuch, bei behördlichen Tests zu betrügen, klingt das nicht. Die Stellungnahme des Autobauers wirkt entsprechend selbstsicher: „Opel bekräftigt an dieser Stelle nochmals, dass wir keine Software einsetzen, die feststellt, ob ein Auto einem Abgastest unterzogen wird.“

Opel schürt Zweifel an Seriosität der Tests

Wenn aber stimmt, was die Medien Umwelthilfe ermittelt haben, dann würde dies zumindest bedeuten, dass die Luftreinhaltung dem Hersteller nicht so wichtig ist wie das eigene Image. Die Umweltorganisation erklärt jedenfalls, dass ein Computerexperte den normalerweise kaum entschlüsselbaren Programmcode der Motorsteuerung geknackt und so die Abschaltvorrichtung enttarnt habe.

Opel startet an dieser Stelle einen zwar dezent formulierten, aber doch deutlichen Gegenangriff. Zunächst heißt es, da man die Methoden und Ergebnisse der Tests nicht kenne, könne man die auch nicht bewerten. Und dann: „Aufgrund unserer eigenen sowie unabhängiger Messungen – und den bisherigen Erfahrungen mit den von der DUH veröffentlichten Experimenten – glauben wir nicht, dass diese neuerlichen Ergebnisse objektiv und wissenschaftlich fundiert sind.“

Ist die Abgasreinigung wirklich so kompliziert?

Da trifft Opel eine durchaus verletzliche Stelle, denn die Deutsche Umwelthilfe musste sich schon mehr als einmal den Vorwurf gefallen lassen,  wissenschaftlich saubere Methoden dem spektakulären PR-Coup zu opfern. Ein Beispiel dafür sind die Brandtests mit dem umstrittenen Kältemittel 1234yf, das in Autoklimaanlagen weit verbreitet ist.

ILLUSTRATION - "Das Motorenangebot" wird am 12.05.2016 in Frankfurt am Main (Hessen) in einem Werbeprospekt für den Opel Zafira vorgestellt. Der Autobauer Opel soll die Abgaswerte seines Diesel-Modells Zafira 1.6 mit bislang unbekannten Abschalteinrichtungen manipuliert haben. Das berichten die Deutsche Umwelthilfe (DUH), das ARD-Magazin "Monitor" und der "Spiegel". Foto: Frank Rumpenhorst/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Ausgerechnet der Zafira, der als besonders sauber von Opel vermarktet wird, ist von den Schummelvorwürfen betroffen. Der Autobauer soll die Abgaswerte des Dieselmodells Zafira 1.6 mit bislang unbekannten Abschalteinrichtungen manipuliert haben. 

Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Der Hersteller fährt nun eine vertraute Strategie, die heißt: So einfach, wie ihr euch das vorstellt, ist es nicht. Bei Opel klingt das so: „Abgasreinigungssysteme sind hochkomplexe integrierte Systeme. Die verschiedensten Parameter wie die Motorendrehzahl, Last, Temperatur und Höhe spielen eine wesentliche Rolle und sind miteinander verknüpft. Solch ein komplexes System lässt sich nicht in einzelne Parameter zerlegen. Die Interaktionen müssen ganzheitlich verstanden werden, in Kombination mit den vorherrschenden Bedingungen und den verschiedenen Bereichen des Steuerungssystems.“

Wusste Winterkorn viel früher Bescheid?

Zugleich verweist Opel auf die offiziellen Tests infolge des VW-Skandals, die keinerlei Beanstandungen ergeben hätten. Diese Geschichte selbst bringt indes immer neue Kapitel hervor. Nun berichtet die „Bild am Sonntag“, dass der damalige Konzernchef Martin Winterkorn schon im November 2013 von Problemen mit dem Verbrauch von Diesel-Fahrzeugen gewusst habe.

Die Abteilung Qualitätssicherung habe ihm damals mitgeteilt, dass die Verbrauchs- und damit die CO2-Werte real um bis zu 18 Prozent höher lagen als auf dem Teststand. VW erklärte dazu nur, dass man die vertraulichen Papiere, auf die sich die Zeitung bezieht, nicht kenne. Bestätigt war bislang nur, dass es im Mai 2014 eine eher beiläufige Notiz an den Vorstandschef in seiner „Wochenendpost“ gegeben hatte – von der nicht klar sei, ob er sie überhaupt gelesen habe.

Hier lesen Sie den Dieselskandal im Nachrichtenticker.

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Von Werner Grosch
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