09.12.2015, 14:41 Uhr | 0 |

Absatzeinbrüche in Mexiko 500 Sammelklagen: VW muss in Kalifornien vor Gericht

Die erste juristische Entscheidung ist gefallen: Der US-Prozess gegen VW wegen der manipulierten Abgaswerte wird in San Francisco stattfinden. Während der Konzern eine Strategie gegen hunderte Klagen entwickelt, muss er zugleich mit sinkenden Verkaufszahlen kämpfen und seine Führung neu aufstellen.

Amerikanisches VW-Autohaus in New York
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Amerikanisches VW-Autohaus in New York: Die mehr als 500 Sammelklagen gegen VW werden in Kalifornien verhandelt. Das entschied der Justizausschuss des US-Parlamentes.

Foto: Michael Kappeler/dpa

Ausgerechnet Kalifornien, der Vorzeige-Bundesstaat in Sachen Umwelt- und Klimaschutz seit den Tagen des Gouverneurs Arnold Schwarzenegger: Genau hier werden die Sammelklagen gegen VW verhandelt. Das hat Symbolkraft, auch wenn der zuständige Justizausschuss, der diese Entscheidung jetzt traf, vor allem die große Erfahrung des schon 74 Jahre alten Bezirksrichters Charles Breyer als Argument ins Feld führt.

Außerdem komme die Mehrheit der Kläger aus Kalifornien, und zudem spielt die hier ansässige Umweltbehörde Carb in dem Skandal eine große Rolle als Aufklärer. Zuletzt hatte ihre Chefin Mary Nichols erklärt, dass VW wohl zumindest einen Teil der amerikanischen Dieselmodelle von den Besitzern werde zurückkaufen müssen.

Fast 600.000 US-Autos betroffen

Die derzeit mehr als 500 Klagen werden nun also in San Francisco zusammengeführt. Breyer muss dann erst einmal entscheiden, welche davon überhaupt verhandelt werden. Denn die Fälle liegen durchaus unterschiedlich: Nicht nur Käufer, die sich betrogen fühlen, haben geklagt, sondern auch beispielsweise Umweltverbände oder Aktienbesitzer, deren Vermögen wegen des Abgas-Skandals deutlich geschrumpft ist.

Wann der Prozess beginnt und wie lange er dauern könnte, darüber möchte noch niemand spekulieren. Beschleunigen kann das Verfahren nur eine Tatsache: Der Angeklagte ist geständig. VW hat vorsätzliche Manipulationen eingeräumt. Fast 600.000 Dieselfahrzeuge sind allein in den USA davon betroffen. Gerne spekuliert wird in den Medien dagegen über das mögliche Strafmaß – eine zweistellige Milliardensumme scheint gut möglich.

Skandal um manipulierte CO2-Werte löst sich in Luft auf

In der Zwischenzeit hat VW genug andere Baustellen abzuwickeln. In einer weiteren Sondersitzung des Aufsichtsrates an diesem Mittwoch will das Kontrollgremium den bisherigen Stahlmanager Karlheinz Blessing zum neuen Personalvorstand wählen. Gleichzeitig diskutierte das Aufsichtsgremium den aktuellen Stand der Aufarbeitung. Dabei erreichte die Kontrolleure dann auch mal eine gute Nachricht: Der zweite Skandal um Manipulationen beim CO2-Ausstoß, also letztlich bei den Verbrauchsangaben, hat sich praktisch in Luft aufgelöst.

ARCHIV - Blick in die Produktionshalle von Volkswagen in Puebla (Mexiko) nach dem Start für die Produktion des New Beetle, aufgenommen am 15.07.2011. Foto: Soeren Stache/dpa (zu dpa "Analysten: Volkswagen-Skandal bremst mexikanischen Auto-Sektor") +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Produktion des VW Beetle im Werk Puebla in Mexiko: Der Absatz von VW-Modellen in Mexiko ist durch den Diesel-Skandal stark eingebrochen.

Foto: Soeren Stache/dpa

Nach einem Bericht der FAZ sind statt der befürchteten 800.000 nur 36.000 Autos betroffen, und das auch nur mit geringen Abweichungen von maximal vier Gramm Kohlendioxid pro Kilometer. Dies sei innerhalb der Toleranz und werde mithin weder für die Besitzer noch für den Hersteller Konsequenzen haben. Die möglichen Nachforderungen bei der Kfz-Steuer, die VW anstelle der Fahrzeughalter übernehmen wollte, sind damit vom Tisch.

Deutliche Absatzeinbußen in Mexiko

Deutlich schwerer wiegen da die Absatzeinbrüche vor allem auf Auslandsmärkten. Während VW in Russland derzeit das Schicksal aller Autobauer teilt und zweistellige Absatzeinbußen hinnehmen muss, reißen die Wolfsburger nach einer aktuellen Statistik den mexikanischen Automarkt ganz alleine nach unten: Im November habe der Konzern hier fast ein Fünftel weniger Fahrzeuge verkauft als im gleichen Monat des Vorjahres, heißt es in einem Branchenreport. Die Produktion soll entsprechend gedrosselt werden. In Russland wurde nach einem Medienbericht die Produktion der Modelle Touran und Scirocco sogar komplett eingestellt – und das von heute auf morgen.

Hier lesen Sie den VW-Skandal im Ticker.

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Von Werner Grosch
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