19.06.2013, 12:56 Uhr | 0 |

Drei Riesen-Reedereien formen Bündnis 255 Containerschiffe sollen für P3 Network fahren

Die drei größten Containerschiff-Reedereien der Welt wollen künftig zusammenarbeiten. Das sogenannte P3 Network will ab dem zweiten Quartal 2014 mit 255 Containerschiffen Waren zwischen den großen Handelszentren über das Meer bewegen. Hintergrund des ungewöhnlichen Netzwerkes ist die allgemeine Branchenflaute. P3 ist auch ein Fall für die Kartellbehörden.

Die "CMA CGM Marco Polo" im Hamburger Hafen
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Die "CMA CGM Marco Polo" liegt am 12. Dezember 2012 im Hafen von Hamburg am Terminal Burchardkai fest. Das 369 Meter lange Schiff kann mehr als 16 000 Standardcontainer (TEU) tragen. Damals noch Weltrekord. Seit dem 14. Juni 2013 hat "Maersk Mc-Kinney Moeller" mit 18 270 TEU die Nase vorn.

Foto: dpa/Angelika Warmuth

Die Containersparte der dänischen Reederei A.P. Moller-Maersk mit Sitz in Kopenhagen will sich mit ihren beiden größten Rivalen, der Schweizer Reederei MSC Mediterranean Shipping Company mit Sitz in Genf und der französischen Reederei CMA CGM mit Sitz in Marseille, verbünden. Gelingt die Fusion, schippert die Flotte künftig unter dem Logo P3 Network über die Weltmeere und transportiert Waren auf 29 Linien über das Meer.

Allianz der Riesen bedroht Existenz der Zwerge

Es wäre die größte Allianz ihrer Art auf den Meeren der Welt und ist für viele kleine Reedereien eine echte Existenzbedrohung. Die drei Unternehmen verschiffen zusammen mehr als ein Drittel der weltweit zum Transport von Waren eingesetzten Container. Zusammen wollen die drei Reedereien 255 Containerschiffe mit einer Gesamtkapazität von 2,6 Millionen Standardcontainern, das sind die sogenannten Twenty-foot Equivalent Units (TEU), betreiben.

Ein schönes Beispiel für das Fassungsvermögen dieser TEU liefert der weltgrößte Containerschiff-Reeder Maersk auf seiner Webseite mit Bananen: Einer dieser TEU kann um die 48 000 Bananen aufnehmen. Ein Standard-Containerschiff kann somit schätzungsweise 746 Millionen Bananen mit einer einzigen Fahrt transportieren.

Acht wöchentliche Fahrten zwischen Asien und Nord Europa geplant

Seine Linien will das neue Netzwerk auf den Haupthandelsrouten von Asien nach Europa, über den Pazifik und über den Atlantik führen. Die drei Riesen versprechen ihren Kunden mehr Flexibilität und vor allem mehr wöchentliche Linien. So plant das P3 Network acht wöchentliche Linien zwischen Asien und Nord Europa.

Die Dreier-Allianz teilt die Gesamtkapazität brüderlich unter sich auf. Moller Maersk steuert mit 42 Prozent die Kapazität von 1,1 Millionen TEU bei, MSC mit 34 Prozent die Kapazität von 0,9 Millionen TEU und CMA CGM mit 24 Prozent die Kapazität von 0,6 Millionen TEU. Allein Maersk ist im Pool für das P3  Network mit mehr als 100 Containerschiffen dabei.

Ein Fall für die Kartellbehörden

Die Planungen besagen, dass P3 im zweiten Quartal 2014 starten soll. Bis zum Jahresende sollen die Vorbereitungen der Allianz beendet sein. Eine kleine, aber wichtige Hürde hat die Zusammenarbeit der drei weltweit größten Seeschifffahrt-Unternehmen allerdings erst noch zu nehmen: die Zustimmung der Kartellbehörden. Und dass sie diese bekommen, ist keinesfalls sicher.

Maerks Line, der weltweit größte Containerschiff-Betreiber, verfügt über gut 550 Containerschiffe, MSC über 451. CMA CGM über 414. Zusammen ergibt das mehr als 1400 Containerschiffe, von denen 255 im Dienste der P3 Network schippern sollen. Klar ist daher, dass es für so kleine Containerschiff-Reedereien wie der Alpha Ship GmbH mit Sitz in Bremen, die 17 Containerschiffe unterhält oder der Reederei Jens & Waller mit Sitz in Stade, die nur drei ihr eigen nennt, äußerst eng werden kann auf dem Markt.

Branche setzt verstärkt auf die Riesenschiffe

Zumal die Branche ohnehin durch die Überkapazitäten an Transportgelegenheiten auf den Weltmeeren ächzt. Die Schifffahrtunternehmen setzen immer mehr Containerriesen ein, weil diese bei wesentlich höherer Transportkapazität nicht viel mehr Treibstoff verbrauchen als kleinere Schiffe. Der Betrieb der Riesenkähne ist allerdings nicht zwangsläufig billiger. Denn wegen der großen Anzahl an Containern liegen sie länger in den Häfen der Welt zum Löschen der Ladung. Entsprechend  fallen höhere Liegegebühren an.

Erst Ende Mai ist im Hamburger Hafen unter großer medialer Begleitung die „Alexander von Humboldt“ der Reederei CMA CGM getauft worden. Mit 396 Meter Länge und 54 Meter Breite ein Schiff der Superlative. Es bietet damit  Platz für 16 000 Standardcontainer. Damit war das Schiff mit dem Supernamen gemeinsam mit seinem Schwesterschiff „Marco Polo“, das größte Containerschiff der Welt. Nur eine Woche später taufte CMA CGM in Marseille ein weiteres Schwesterschiff. Dieser Containerriese hört auf den Namen „Jules Verne.

Doch es geht noch größer: Am 14. Juni legte Maersk nach und taufte in Südkorea das jetzt größte Containerschiff der Welt auf den Namen „Maersk Mc-Kinney Moeller“. Dieses Schiff bietet 18 270 Containern Platz und wurde nach dem Sohn des im vergangenen Jahr verstorbenen Firmengründers getauft. Getauft hat es die Tochter Ane Maersk Mc-Kinney Uggla mit dem pathetischen Spruch: „Mögest du deiner Crew Glück bringen und ein sicherer Hafen sein für all jene, die bei dir an Bord gehen.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

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Von Detlef Stoller
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