21.11.2014, 14:22 Uhr | 0 |

5,5 % sind vernünftig IG-Metall-Chef Meine: Tarifrunde bei VW wird so hart wie lange nicht

Wegen des angekündigten Sparprogramms bei VW erwartet der niedersächsische IG-Metall-Chef Hartmut Meine ungewöhnlich harte Tarifverhandlungen beim Wolfsburger Autohersteller. „Dem VW-Konzern geht es blendend“, so Meine im Interview mit den VDI nachrichten. 

Der niedersächsische IG-Metall-Chef Hartmut Meine
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Der niedersächsische IG-Metall-Chef Hartmut Meine hält die Lohnforderungen von 5,5 Prozent für vernünftig. Bei VW rechnet Meine wegen des angekündigten Sparkurses mit besonders harten Tarifverhandlungen.

Foto: IG Metall

„Wir haben unsere Kollegen schon darauf vorbereitet, dass es bei VW eine harte Tarifrunde werden wird, härter als in den beiden vergangenen Tarifrunden.“ Das Management sehe zwar eine Ertragsschwäche bei der Marke VW und verlange deshalb ein Spar- und Effizienzprogramm. Diese Sicht auf VW teilt Meine nicht. „Tatsache ist, dass auch die Marke VW Gewinne im operativen Geschäft macht. Das ist kein Sanierungsfall.“

Meine: Der Metallindustrie geht es gut

Die von den Arbeitgebern als zu hoch kritisierte Lohnforderung von 5,5 % für einen Flächentarifvertrag hat Meine verteidigt. In manchen Betrieben hätten die Arbeitnehmer sogar noch mehr gefordert. „In den boomenden Unternehmen gibt es auch Stimmen in den Belegschaften, die mehr erwarten“, sagte Meine. „Die Forderung nach 5,5 % mehr Geld ist angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung vernünftig, weil die Binnennachfrage gestärkt werden muss.“

Die Krisenstimmung in der Wirtschaft kann Meine nicht nachvollziehen. „Die Wirtschaftsforschungsinstitute und auch der Sachverständigenrat erwarten ja nicht einen Rückgang der Wirtschaftsleistung, sondern einen geringeren Zuwachs“, betont Meine. „Alle Institute prognostizieren für das kommende Jahr Wachstum in der Größenordnung von 1,2 % bis 1,3 %. In manchen Medien wurde der Eindruck erweckt, als würde Deutschland auf eine Krise zusteuern. Davon gehen wir nicht aus.“

IG Metall will sich gegen Boom der Werkverträge wehren

Die IG Metall will sich gegen den verstärkten Einsatz von Werkverträgen in den Unternehmen wehren. „Wenn Stammarbeitsplätze gezielt ausgegliedert und durch Werkverträge ersetzt werden und wenn das zulasten der Arbeitnehmer und ihrer Arbeitsbedingungen geht, dann setzen wir uns gegen Werkverträge zur Wehr“, kündigte Meine an.

Die IG Metall sei zwar nicht generell gegen Werkverträge, sehr wohl aber, wenn damit Niedriglöhne verbunden sind. „Wir sind immer dann skeptisch, wenn Werkverträge im Niedriglohnsektor vergeben werden oder wenn sie zu ungesicherten Beschäftigungsverhältnissen führen.“ Deshalb sei die Bundesratsinitiative Niedersachsens richtig, dem Betriebsrat bei Werkverträgen Mitbestimmungsrechte einzuräumen.

Flexible Arbeitsmarktkonten stärker nutzen

Allerdings rät Meine den Unternehmen, die Möglichkeiten der Flexibilisierung über Arbeitszeitkonten stärker zu nutzen. „Die Verträge der IG Metall sind so flexibel, dass sie über Arbeitszeitkonten Schwankungen auffangen können. Vor allem in der Krise hat sich das bewährt“, betont Meine und verweist auf Volkswagen, wo die Arbeitszeitkonto zwischen 400 Stunden im Plus oder im Minus schwanken können.

Das Interview lesen Sie im Wortlaut in der aktuellen digitalen und Printausgabe der VDI nachrichten.

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Von Axel Mörer-Funk
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