13.11.2013, 12:29 Uhr | 0 |

Zu hohe Strompreise Europas Industrie droht ein Drittel ihrer Exporte zu verlieren

Bis 2035 könnte die EU ein Drittel ihrer Exportstärke verlieren. Davor warnt jetzt die Internationale Energieagentur IEA. Besonders die USA locken europäische Industrieunternehmen mit niedrigen Energiepreisen aus der heimischen Schiefergasförderung.

Containerterminal in Bremerhaven
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Containerterminal in Bremerhaven: Die Internationale Energieagentur rechnet damit, dass die Industrie in Europa aufgrund der hohen Energiepreise ihre Exportstärke einbüßen wird. Vor allem die USA ziehen durch ihre günstigen Strom-, Gas- und Ölpreise Industrieproduktion ab. Bis 2035 könnten so viele Betriebe abwandern, dass der Exportanteil der EU um insgesamt ein Drittel zurückgeht, glaubt die IEA.

Foto: Ingo Wagner/dpa

Europa ist heute mit 36 Prozent Weltmarktanteil der größte Exporteur energieintensiver Güter wie Stahl, Papier und chemische Erzeugnisse. Gleichzeitig zahlt die Industrie für Import-Gas rund dreimal so viel wie Amerikaner für heimisches Gas. Die Strompreise für die Industrie liegen in Europa etwa doppelt so hoch.

Das kann auf Dauer nicht gutgehen, warnt jetzt die Internationale Energieagentur IEA. In ihrem Branchenbarometer World Energy Outlook stellt sie eine dunkle Prognose: Energieintensive Industriezweige werden zukünftig in Schwellenländer und die USA abwandern. Bis 2035 wird dadurch der Exportanteil der EU um ein Drittel zurückgehen. Ähnlich düster sehe es für Japan aus.

 

USA profitieren von Schiefergas-Revolution

 

Dass die Energiekosten in Europa und den USA stark voneinander abweichen, liegt nur zum Teil an der Energiewende hierzulande. Die USA haben sich vielmehr einen anderen entscheidenden Vorteil erspielt: Sie fördern Schiefergas, das in tiefen Gesteinsschichten gebunden ist. Die sogenannte Fracking-Technologie presst dabei Wasser und Chemikalien unter Tage, um Gas aus dem Stein zu lösen. Galt sie vor rund zehn Jahren noch als unwirtschaftlich und außerdem als Umwelttabu, macht sie heute schon ein Viertel der amerikanischen Gasförderung aus. Die daraus resultierenden niedrigen Energiepreise sind für viele Branchen in der EU ein fast unwiderstehlicher Lockruf.

 

BASF fordert Tests der Fracking-Technologie

 

In Deutschland streiten derweil Experten, ob die Fracking-Technologie tatsächlich sicher ist. BASF-Vorstandsvorsitzender Kurt Bock ist von der Unbedenklichkeit überzeugt. In einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sprach er sich jüngst für eine Versuchsreihe aus. Der Ausblick scheint verlockend: Seinen Berechnungen zufolge könnte sich der gesamte Gasverbrauch in Deutschland in zehn Jahren durch die Schiefergasförderung sichern lassen. Derzeit stammen hierzulande nur 14 Prozent des Gases aus heimischer Förderung. Dass der Lockruf aus den USA auch an BASF nicht vorbeizieht, beweist Bocks Kommentar zu den jüngsten Quartalszahlen. Demnach könnte der Konzern jedes Jahr 500 Millionen Euro mehr Gewinn machen, würde der Produktionsstandort Ludwigshafen von den Schiefergaspreisen der USA profitieren.

 

USA wird 2015 kurzfristig global führender Erdölproduzent sein

 

Die Energierevolution in den USA umfasst auch die Förderung von Schieferöl. Die Tagesproduktion in den Bundesstaaten North Dakota und Montana ist innerhalb der letzten sechs Jahre von null auf rund 500 000 Barrel gestiegen. Das entspricht einem Drittel der Förderquote Libyens. Die USA werde bereits 2015 die Rolle des global führenden Erdölproduzenten übernehmen, sagt IEA-Chefökonom Fatih Birol in einem Bericht der Süddeutschen Zeitung. Diese Entwicklung würde die 2020er Jahre jedoch nicht überdauern. „Der Nahe Osten wird entscheidend sein - heute und morgen.“

 

Schlechtes Zeugnis für Energiewende in Deutschland

 

Für Deutschland stellt die IEA ein schlechtes Zeugnis aus: Der Ausbau der Stromnetze von der Küste in die Industriezentren des Südens gehe nur schleppend voran, kritisiert IEA-Chefin Maria van der Hoeven. Zudem gefährde Deutschland durch den hohen Kohleimport die Klimaziele. Die neue Koalition müsse auf dieses Problem eine Antwort finden.

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Von Patrick Schroeder
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