25.07.2017, 09:20 Uhr | 0 |

Innovationsindikator 2017 Digitalisierung bleibt für Deutsche eine Blackbox

Obwohl Deutschland zu den innovationsstärksten Ländern der Welt gehört, will die Digitalisierung nicht recht gelingen.

Digitalisierungoffensive
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Ob die Betriebsdaten für vernetze Maschinen ausgelesen werden sollen oder Schüler den Umgang mit Computern lernen müssen – Deutschland hat in Sachen Digitalisierung noch viel vor.

Foto: Daniel Maurer/dpa

Deutschland belegt im internationalen Innovationsranking der Länder einen soliden vierten Platz. Und das, ohne in einem der untersuchten Bereiche wirklich herausragend zu sein. Das ergibt eine jährlich wiederkehrende Studie der Acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Die innovationsstärksten Länder sind nach diesem Ranking die Schweiz vor Singapur und Belgien. Allerdings verweist die Bundesrepublik die skandinavischen Länder, Großbritannien und die USA (Platz 11) auf die Plätze.

Nur Platz 17 bei der Digitalisierung

Der vierte Platz darf jedoch keinesfalls hinwegtäuschen über Missstände, die im deutschen Innovationssystem schlummern. Die digitale Transformation etwa scheint Deutschland Wirtschaft zu verschlafen: Das Land schaffte es gerade einmal auf einen 17. Rang, weil weder die deutsche Forschung und Technologie, noch die Bildung, noch die Infrastruktur und der Staat sich in Dachen Digitalisierung mit anderen Industrienationen messen lassen können.

Um Schlagworte wie Industrie 4.0, Digitalisierung oder Smart Home mit Leben zu füllen, müsse der Breitbandausbau vorangetrieben und der digitale europäische Binnenmarkt Realität werden, so BDI-Präsident Dieter Kempf. Und auch die Verwaltung kommt ihrer Vorbildfunktion in Sachen digitaler Transformation nicht nach. Wie die Expertenkommission Forschung und Innovation (Efi) bereits mehrfach anprangerte, wird der Fortschritt in diesem Feld anderen überlassen.

Acatech-Präsident Henning Kagermann fordert, mehr Geld in die Aus- und Weiterbildung, in die internationale Kooperation und in den Mittelstand zu investieren. So werden derzeit kaum Online-Weiterbildungen in Anspruch genommen, Computer und Internetzugänge sind in vielen Schulen noch immer Mangelware. In der Industrie dagegen wird die IT-Sicherheit zwar vielfach als Risiko wahrgenommen, aber kaum ein Unternehmen bereitet sich konkret auf die Gefahrenlage vor.

Dabei gibt es viele Akademiker 

Dabei sind die Voraussetzungen der Bundesrepublik gar keine schlechten. Es gibt gemessen an der Gesamtbevölkerung einen relativ hohen Anteil von Akademikern in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (Mint) und das Wissenschaftssystem erhält große Mengen an öffentlichen Fördersummen. Auch die vielen Patentanmeldungen sprechen dafür, dass Deutschland die Erforschung und Neuentwicklung von Produkten und Dienstleistungen ernst nimmt. Dennoch stimmt der aktuelle Indikator nachdenklich.

Es sind die altbekannten Hindernisse

Als Herausforderung für die Innovationsstärke der deutschen Wirtschaft gilt der relativ geringe Anteil an Wagniskapital-Investitionen, der rückläufige Handelsbilanzsaldo bei Hochtechnologie-Gütern und die ebenfalls rückläufige Zahl Angestellter in wissensintensiven Dienstleistungen.

Ein Vorwurf, der insbesondere aus der Industrie selbst kommt, ist die fehlende steuerliche Forschungsförderung, wie sie in nahezu allen anderen Industrienationen genutzt wird. „Die Politik muss Investitionen in Innovationen vorantreiben und zügig die steuerliche Forschungsförderung einführen“, fordert auch Kempf bei der Vorstellung der aktuellen Studie. Zwar gibt es eine Projektförderung, mit der der Staat die Wirtschaft bei ihren Forschungstätigkeiten unterstützt, sie hat aber in den letzten Jahren stark abgenommen während die Zahlungen an das Wissenschaftssystem zugelegt hat.

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Von Lisa Schneider
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