17.04.2013, 14:30 Uhr | 0 |

Rohstahlproduktion auf Vorjahresniveau Deutsche Stahlindustrie zeigt Stabilität in unsicherer Marktlage

Die Lage der Stahlindustrie in Deutschland ist durch Euro-Schuldenkrise und hohe Rohstoffkosten von Unsicherheit gekennzeichnet. Nach Aussage von Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, hat sich die Stahlkonjunktur jedoch stabilisiert. Er erwartet 2013 eine Rohstahlproduktion auf Vorjahresniveau.

Stahlabstich in Salzgitter
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Die Stahlindustrie rechnet damit, dass sich die Produktionsmenge 2013 auf Vorjahresniveau bewegt. Gleichzeitig steigen die Preise.

Foto: dpa/Peter Steffen

Die Rohstahlproduktion in Deutschland wird sich nach den Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl 2013 etwa auf dem Vorjahresniveau von 42,7 Millionen Tonnen bewegen. Dennoch ist Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung, nicht zufrieden. So ging im Automobilbau wie auch im Maschinenbau im ersten Quartal der Bedarf deutlich zurück. Auch der Auftragseingang bei wichtigen Stahlverarbeitern zeige noch keine klaren Anzeichen für eine Wiederbelebung.

"Die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Eurokrise belastet nach wie vor die Investitionsgüter- und damit auch die Stahlkonjunktur", so Kerkhoff. Doch haderte er auf hohem Niveau, denn "trotz des insgesamt verhaltenen Jahresauftakts", so der Branchensprecher, "halten wir an unserer Konjunkturprognose vom Jahreswechsel fest." Kerkhoff rechnet nach wie vor damit, dass die deutsche Rohstahlproduktion 2013 rund 43 Mio. t erreichen wird.

Stahlpreise gehen nach oben

Die Lage bleibe allerdings fragil. Die auf den Stahlrohstoffmärkten zu beobachtenden Verteuerungen wirkten sich für jedes Stahlunternehmen gravierend auf die Rentabilität aus. So haben sich laut Kerkhoff beispielsweise die Rohstoffpreise nach einer leichten Entspannung in 2012 in den ersten Monaten dieses Jahres deutlich nach oben bewegt. Bei Eisenerz seien die Spotmarktpreise seit dem Tiefpunkt im September um mehr als 50 % gestiegen. "Haben wir 2005 noch Eisenerz im Wert von 1,8 Mrd. € importiert, so mussten 2011 bereits 5,2 Mrd. € aufgewendet werden – bei nahezu gleicher Bezugsmenge. Dies sind Mehrkosten von 3,4 Mrd. €", so Kerkhoff.

Verunsicherung lösten auch die aktuellen Diskussionen zur Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) aus. Während der eigentliche Kostentreiber, nämlich die erneuerbaren Energien, aus der Diskussion ausgeklammert würde, blieben mögliche Einschnitte bei den industriellen Entlastungen auf der Tagesordnung. "Die Subventionen für die erneuerbaren Energien sind sicher, die Perspektiven der im internationalen Wettbewerb stehenden energieintensiven Industrien sind jedoch weiter unsicher", so Kerkhoff.

Ohne Entlastungen keine Stahlproduktion in Deutschland

2013 zahlen die Stahlunternehmen in Deutschland laut Kerkhoff rund 260 Mio. € an EEG-Umlage. Würden die Entlastungen abgeschafft, wäre die wettbewerbsfähige Stahlproduktion in Deutschland nicht mehr möglich. Eine Erhöhung der Mindestumlage um einen Cent führe in der Stahlindustrie bereits zu Zusatzkosten von 10 Mio. € im Jahr. Schlimmstenfalls drohten der Branche sogar Mehrkosten von jährlich bis zu 100 Mio. €. Dies entspräche einer Steigerung um 40 %.

Noch aber investieren die deutschen Stahlhersteller scheinbar ungebremst in innovative Entwicklungen, wie sie auch auf der Hannover Messe vorgestellt wurden. Beispielsweise entwickelte der Salzgitter-Konzern mit der Belt Casting Technology (BCT) einen neuartigen Stahlproduktionsprozess, der aktuell weltweit erstmals gemeinsam mit Düsseldorfer SMS Siemag zur Flachstahlerzeugung in einer industriellen Pilotanlage am Standort Peine realisiert wird. Mit nach diesem Verfahren hergestellten Stählen lassen sich laut den Unternehmensangaben leichtere Fahrzeuge ohne Abstriche in der Sicherheit konstruieren.

Blechbauteile können aufgrund der Eigenschaften des neuen Stahls dünnwandiger ausgeführt werden. Ein zusätzliches Leichtbaupotenzial ergebe sich aus der um 5 % geringeren Dichte im Vergleich zu konventionellen Stählen. Durch seine starke Verformbarkeit bei gleichzeitig hoher Festigkeit und das hohe Energieaufnahmevermögen sei der Leichtbaustahl prädestiniert für den Einsatz in crashrelevanten Automobilteilen und vielen anderen Anwendungen.

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Von Rolf Müller-Wondorf | Präsentiert von VDI Logo
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