15.03.2013, 13:59 Uhr | 0 |

Geringerer Kreditbedarf DZ Bank: Mittelstand steht sehr gut da

Die DZ Bank, einer der größten Mittelstandsfinanzierer in Deutschland, sieht die wirtschaftliche Lage der mittelständischen Unternehmen trotz der verhaltenen Konjunkturaussichten sehr optimistisch. Die Unternehmen hätten ihr Eigenkapital verstärkt und seien sehr liquide, so Hans-Theo Macke, Firmenkundenvorstand der DZ Bank, den VDI nachrichten. Die viertgrößte deutsche Geschäftsbank betreut als Spitzeninstitut der Genossenschaftsbanken mehr als 900 Volks- und Raiffeisenbanken.

Hans-Theo Macke, Vorstand der DZ Bank
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Hans-Theo Macke, Vorstand der DZ Bank, schätzt die wirtschaftliche Lage der mittelständischen Unternehmen als sehr gut ein.

Foto: DZ Bank

„Der Mittelstand verfügt aktuell über eine sehr gute Liquiditätsausstattung: Aus der Krise heraus haben die Unternehmen ihr Working Capital deutlich optimiert“, sagte Macke. Die Eigenkapitalsituation habe sich deutlich verbessert. „Die durchschnittliche Eigenkapitalquote bewegt sich von rund 20 % kommend in Richtung 30 %.“ Beide Entwicklungen seien auch ein Grund für die verhaltene Nachfrage nach Krediten. „Die zurückhaltende Nachfrage nach Krediten resultiert auch aus der guten Liquiditätsausstattung der Unternehmen.“

Trotzdem ist Macke zuversichtlich, dass die Genossenschaftsbanken ihr Firmenkundengeschäft weiter ausbauen kann. „In den vergangenen Jahren hat unsere Gruppe den Marktanteil im Firmenkundengeschäft kontinuierlich von 14,8 % 2008 auf aktuell 17,9 % gesteigert.“ Das sei der Bank gegen den Markttrend gelungen. „Diese positive Entwicklung werden wir weiter vorantreiben. Im ersten Schritt wollen wir einen Marktanteil von 20 % erreichen“, kündigte Macke an.

Und hier das Interview im Wortlaut.

VDI NACHRICHTEN: Herr Macke, Sie haben Ihr Ohr am Mittelstand. Wie gehts den deutschen Firmen?

MACKE: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Unternehmen sind aus externer Sicht aktuell eher kritisch. Wir hatten ein konjunkturell schwaches viertes Quartal 2012. Auch die Staatsschuldenkrise ist noch keineswegs überwunden. Im direkten Kontakt mit Unternehmern kristallisiert sich aber schnell heraus, dass die Stimmung im Prinzip gut ist. Die Unternehmen sind gut aufgestellt und blicken optimistisch in die Zukunft. Das spiegelt sich ja auch in dem positiven Stimmungsbild, das der Ifo-Geschäftsklimaindex vermittelt.

Die aktuelle Stimmung ist gut. Hält der Aufschwung an?

Ja, ich bin für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands in diesem Jahr durchaus optimistisch – auch wenn sie im ersten Halbjahr etwas verhaltener verlaufen wird. Ende 2012 hatten wir eine schwächere Investitionstätigkeit, die noch nachwirkt. Andererseits erwarten wir, dass der Konsum weiter anzieht. Die Stimmung der Verbraucher ist – nicht zuletzt aufgrund der Tariferhöhungen – stabil. Nach einer konjunkturellen Belebung in der zweiten Jahreshälfte gehen wir davon aus, dass 2014 in Deutschland ein gutes Jahr wird. In der Eurozone zeichnet sich hingegen insgesamt noch keine durchgreifende wirtschaftliche Belebung ab...

Sie sehen also keine Besserung in den südeuropäischen Krisenländern?

Spanien stabilisiert sich langsam. Italien ist aufgrund seiner politischen Instabilität nicht kalkulierbar. Ernste Sorgen bereitet uns Frankreich. Unser größter Partner im Euroraum marschiert wirtschaftlich in die falsche Richtung. Es gibt viele Indikationen, die uns in Frankreich derzeit mehr Sorgen bereiten als in Spanien.

Auch mittelständische Unternehmen orientieren sich zunehmend über Europa hinaus.

Das ist richtig. Aber Sie dürfen nicht übersehen, dass rund 55 % und damit der weitaus größte Teil der deutschen Exporte im Europa bleibt – das gilt besonders für die Ausfuhren der mittelständischen Unternehmen.

Ganz wichtig für den Banker: Wie steht es um die Liquidität des Mittelstands?

Der Mittelstand verfügt aktuell über eine sehr gute Liquiditätsausstattung: Aus der Krise heraus haben die Unternehmen ihr Working Capital deutlich optimiert. Sie haben etwa ein professionelles Forderungsmanagement installiert und das nicht betriebsnotwendige Vermögen abgebaut. Ferner sind die mittelständischen Unternehmen sehr gut und zukunftsorientiert finanziert. Und schließlich hat sich die Eigenkapitalsituation in den letzten zehn Jahren deutlich verbessert. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote bewegt sich von rund 20 % kommend in Richtung 30 %.

Und wie stellt sich die Eigenkapitalsituation der Banken des Mittelstands dar?

Da sprechen Sie die genossenschaftliche Bankengruppe an. Unser Finanzverbund insgesamt weist eine sehr solide Eigenkapitalausstattung auf: Das aggregierte "harte" Kapital liegt bei rund 70 Mrd. Euro. Damit ist die genossenschaftliche Finanzgruppe hervorragend kapitalisiert. Die DZ Bank verfügt aktuell über eine Kernkapitalquote von 14,9 %. Das entspricht einer Verdoppelung seit 2008. Unser Haus ist also kapitalmäßig sehr stabil aufgestellt.

Das Kreditgeschäft verläuft hierzulande allgemein eher schleppend.

Die derzeit insgesamt zurückhaltende Kreditnachfrage der Unternehmen beruht auf einer gewissen Vorsicht, denn wir sind im letzten Quartal 2012 an der Rezession vorbeigeschrammt. Die zurückhaltende Nachfrage nach Krediten resultiert aber auch aus der guten Liquiditätsausstattung der Unternehmen.

Im Klartext: Sie werden ihre Kredite nicht mehr los...

Nein, die Situation in der genossenschaftlichen Finanzgruppe läuft deutlich gegen den Trend. Unser Kreditgeschäft ist in den letzten Jahren spürbar gewachsen, seit 2009 um durchschnittlich 4,2 % pro Jahr.

Und wie sieht es bei der DZ Bank selbst aus?

Im Firmenkundengeschäft stieg das zugesagte Volumen im vergangenen Jahr um mehr als 20 % auf 9,9 Mrd. €. Auch im Förderkreditgeschäft haben wir nahezu die gleiche Wachstumsrate zu verzeichnen. Wir gewinnen seit einigen Jahren Marktanteile von unseren Wettbewerbern.

Bei kurz- und mittelfristigen Krediten sind die Banken derzeit großzügig. Ganz anders sieht es bei Laufzeiten von über drei Jahren aus. Warum stoßen viele Mittelständler da auf verschlossene Türen?

Sowohl die Eigenkapital- als auch die Liquiditätsausstattung sind derzeit die limitierenden Faktoren in der Kreditwirtschaft. Finanzierungen mit längeren Laufzeiten sind allerdings in der genossenschaftlichen Finanzgruppe kein Problem. Bei Investitionen in erneuerbare Energien greifen wir zum Beispiel auch auf KfW-Mittel zurück und vergeben so Kredite mit Laufzeiten von bis zu 15 Jahren.

Welchen Marktanteil hat die kreditgenossenschaftliche Bankgruppe derzeit ?

In den vergangenen Jahren hat unsere Gruppe den Marktanteil im Firmenkundengeschäft kontinuierlich von 14,8 % 2008 auf aktuell 17,9 % gesteigert. Und dies in für Unternehmen und Banken schwierigen Zeiten und vor allem entgegen dem allgemeinen Markttrend. Diese positive Entwicklung werden wir weiter vorantreiben. Im ersten Schritt wollen wir einen Marktanteil von 20 % erreichen.

Dennoch gehen Unternehmensfinanzierungen immer öfter an den Banken vorbei. Größere Mittelständler zieht es an den Kapitalmarkt? Ein Problem für Sie?

Neben der traditionellen Kreditfinanzierung und der Innenfinanzierung der Unternehmen hat in der Tat der Kapitalmarkt für den gehobenen Mittelstand an Bedeutung gewonnen. Die größeren deutschen mittelständischen Unternehmen haben sich zum Beispiel über den Schuldschein den Weg zum Kapitalmarkt erschlossen.

Wie viele Schuldscheintransaktionen gab es 2012 und wie hoch war das Marktvolumen in etwa ?

Die Zahl der Transaktionen lag im vergangenen Jahr bei 100, das Marktvolumen insgesamt bei 12 Mrd. € bis 13 Mrd. €. Das zeigt deutlich, dass der Schuldschein eine Ergänzung, aber kein Ersatz des Bankkredits ist. Wir bewerten diese Entwicklung durchaus positiv und begleiten den gehobenen Mittelstand auf seinem Weg an den Kapitalmarkt. Unser Haus ist aktiver Arrangeur und Platzeur von Schuldscheindarlehen und Unternehmensanleihen insbesondere deutscher Unternehmen.

In welcher Höhen bewegen sich die Schuldscheine, die von Mittelständlern begeben werden?

Die Höhe der herausgegebenen Schuldscheine variiert. Sie beginnen bei etwa 50 Mio. €. Die Obergrenze liegt bei ca. 300 Mio. € – aber es werden im Einzelfall auch Schuldscheine in Höhe von 500 Mio. € begeben. Diese Summen zeigen, dass der Kapitalmarkt kein Markt für die kleinen und mittleren Betriebe ist, sondern den gehobenen Mittelstand anspricht.

Wird der Run auf den Kapitalmarkt anhalten?

Der Kapitalmarkt gewinnt an Bedeutung. Wir sehen aber keinen linear verlaufenden Trend. Wir haben es vielmehr mit Wellenbewegungen zu tun, die von dem individuellen Bedarf der Unternehmen abhängen: Nach 2008 – vor allem in den Jahren 2009 und 2010 – war der Kapitalmarkt stark gefordert. 2011 war ein schwächeres Jahr, während 2012 eine rege Nachfrage nach Kapitalmarktprodukten herrschte.

Im Moment verfügen die mittelständischen Unternehmen über sehr gute Cashflows – Liquidität ist reichlich vorhanden. Folglich ist die Nachfrage nach Finanzierungsprodukten in diesem Jahr eher verhalten. Ich erwarte, dass diese Entwicklung auch in der ersten Hälfte 2014 anhält.

Was kann der Kapitalmarkt im Bereich der Finanzierung besser als die Banken?

Der wesentliche Vorteil für die Unternehmen ist: Sie können über den Kapitalmarkt neue Investoren gewinnen. Sie erschließen sich Liquidität, die zum Beispiel fünf bis sieben Jahre zur Verfügung steht. Das wirkt stabilisierend auf die Liquiditätssituation insgesamt. Es gibt etwa 600 bis 800 Investoren, die Kapitalmarktprodukte kaufen. 20 % davon sind institutionelle Käufer, wie zum Beispiel Versicherungen und Banken. Auch unsere genossenschaftliche Organisation ist mittlerweile zu einem wichtigen Käufer von Schuldscheindarlehen geworden.

Sollten Mittelständler die heute günstigen Zinsen nutzen, um sich für die Zukunft zu wappnen?

Grundsätzlich muss die Finanzierung zum Unternehmen und dessen Strategie passen. Das heißt die Finanzierungsplanung muss sich von der Gesamtstrategie des Unternehmens ableiten. Durch die Krise haben Unternehmen einen hohen Wert auf eine stabile Finanzierungsstruktur gelegt. Liquiditätsstabilität wurde aufgrund der niedrigen Zinsen höher bewertet als die kurzfristige Ertragsbelastung.

Der niedrige Zins klang immer wieder an. Betrachten Sie ihn mit gemischten Gefühlen ?

Ja, die EZB hat die Märkte mit Liquidität geflutet, um der Staatsschuldenkrise zu begegnen. Man muss jetzt sehen, wie dem Markt die überschüssige Liquidität wieder rechtzeitig und sukzessive entzogen werden kann. Im Moment zeichnet sich keine Veränderung des Zinsniveaus ab. Auch 2013 und 2014 dürfte es nach unserer Einschätzung keinen signifikanten Zinsanstieg geben.

Vor allem der Anleger hat ein Problem?

Ja, weil es ihm derzeit nicht gelingt, mit seinem Geld eine auskömmliche Rendite zu erwirtschaften. Vor allem aber lautet die Frage: Wo können noch die Erträge erwirtschaftet werden, die es ermöglichen, den Renten- und Absicherungsverpflichtungen auf Dauer zu entsprechen?

Die DZ Bank ist einerseits eine große weltweit tätige Universalbank und andererseits die Zentralbank der Genossenschaftsbanken. Wie bringen Sie das unter einen Hut? Gibt es da nicht Zielkonflikte?

Die Aufgaben der Bank haben sich in den letzten Jahren deutlich verschoben. Wir sind heute klar auf die genossenschaftliche Finanzgruppe fokussiert – "Verbund first" lautet die Leitlinie unseres Handelns. Unsere Aufgabe ist es, unsere Anteilseigner – die Volksbanken und Raiffeisenbanken – und unsere Kunden mit Dienstleistungen und Bankprodukten zu versorgen. Bei Bedarf unterstützen wir die Volksbanken und Raiffeisenbanken und deren Firmenkunden bei ihren Auslandsaktivitäten.

Basel III kommt, der Beginn ist nur auf Anfang 2014 verschoben worden. Rechnen Sie mit Engpässen bei der Kreditvergabe?

Generelle Engpässe sehe ich derzeit nicht. Es kann aber bei einzelnen Instituten zu Volumens- und Laufzeiteffekten kommen...

...das heißt zu kürzeren Laufzeiten?

Ja, tendenziell eher zu etwas kürzeren Laufzeiten. Basel III verlangt mehr Eigenkapital und qualitativ höherwertiges Eigenkapital. Zudem wird es neue Anforderungen an die Liquiditätshaltung der Banken geben. Eine anspruchsvollere Eigenkapitalunterlegung verursacht den Banken Mehrkosten, gleiches gilt für die schärferen Liquiditätsanforderungen. Daher schließe ich Preiseffekte nicht aus. Aber ob und in welchem Ausmaß sich höhere Preise letztlich am Markt durchsetzen lassen, das ist eine Frage des Wettbewerbs.

Die Zukunft scheint für das Bankgeschäft kaum leichter zu werden. Gewinnt die Hausbank für den Kreditkunden wieder an Bedeutung?

Ich war zu allen Zeiten ein Verfechter der Hausbankverbindung. Unternehmen und Banken profitieren – gerade im Kreditgeschäft – gleichermaßen von dem, die Hausbank charakterisierenden engen Vertrauensverhältnis zwischen Kunde und Bank. Das gilt besonders in Zeiten eher schwieriger wirtschaftlicher Verhältnisse.

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Von Dieter W. Heumann | Präsentiert von VDI Logo
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