17.02.2015, 09:43 Uhr | 0 |

Draghi prügelt den Euro Börner: „Alles tun, dass Griechenland im Euro bleibt“

Ein möglicher Austritt Griechenlands aus der Eurozone würde nach Einschätzung des deutschen Groß- und Außenhandels der deutschen Wirtschaft massiv schaden. Deshalb fordert BGA-Präsident Anton F. Börner im Interview mit den VDI nachrichten, Griechenland unbedingt im Euro zu halten.

Neuwagen für den Export am Autoterminal des VW-Werkes in Emden
Á

Neuwagen für den Export am Autoterminal des VW-Werkes in Emden: BGA-Präsident Börner fürchtet, dass die deutsche Wirtschaft unter den Folgewirkungen eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone stark leiden wird. 

Foto: Ingo Wagner/dpa

„Nach einem griechischen Euroaustritt drohen Ansteckungsgefahren. Dann werden die großen Finanzinvestoren allen Euroländern ein anderes Rating geben und risikoadäquate Zinsen verlangen“, fürchtet Börner. „Dann gehen Volkswirtschaften wie Italien oder Portugal kaputt. Einen Zerfall der Eurozone in einen Südeuro mit Frankreich und einen Nordeuro um Deutschland und die Niederlande steht die deutsche Volkswirtschaft nur sehr schwer durch.“

Zerfall des Euros würde deutsche Wirtschaft nur schwer durchstehen

Börner rechnet für diesen Fall mit einem starken Verlust von Arbeitsplätzen in Deutschland. „Das führt zu einer massiven Aufwertung und einer massiven Verlagerung von Produktion. Arbeitsplätze würden massiv aus Deutschland in die Südländer abwandern. Die deutsche Wirtschaft und die deutschen Arbeitnehmer würden wie Ende der 90er Jahre im riesigen Maße Export von Arbeitsplätzen und Investitionen erleben.“ Die deutsche Wirtschaft müsse dann jahrelang schwer kämpfen. „Wir sollten alles dafür tun, dass Griechenland im Euro bleibt.“

 

Kritisch sieht Börner auch Draghis Eurokurs. Der schwache Euro werde langfristig der deutschen Wirtschaft schaden und selbst den Krisenländern der Eurozone nicht helfen. Anziehende Exporte durch den schwachen Euro gaukelten eine Wettbewerbsfähigkeit vor, die nicht vorhanden ist. „Die Stärke einer Wirtschaft zeigt sich nicht in einer schwachen, sondern in einer harten und starken Währung“, sagte Börner den VDI nachrichten. „Dadurch wird wirtschaftliche Stärke vorgegaukelt, die langfristig nicht da ist. Zudem droht, wenn andere Länder den Export ebenfalls durch Abwertung stimulieren, ein Abwertungswettlauf. Es kommt zu einem Währungskrieg, bei dem dann alle verlieren.“

Schwacher Euro nutzt den Krisenländern nichts

Trotzdem tue die EZB alles, um die Währung weiter zu schwächen. „Letztlich wird der Eurokurs durch den EZB-Präsidenten Mario Draghi nach unten geprügelt“, kritisiert Börner. Doch das werde den Krisenländern wie Italien oder Spanien nicht helfen. „Das ist der falsche Weg. Er wird nicht funktionieren“, ist sich der Handelspräsident sicher.

„Der niedrige Eurokurs gilt auch für die starken Euroländer, wie Deutschland. Unsere Produkte werden außerhalb des Euroraums genauso günstiger wie die italienischen oder spanischen Produkte“, erklärt der Handelspräsident. „Der Abstand bleibt gleich. Unsere Überschüsse werden noch größer und die südlichen Länder der Eurozone bekommen immer noch keinen Fuß auf die Erde.“ An Reformen und höheren Ausgaben für Forschung und Entwicklung in den Krisenländern für kein Weg vorbei. 

Anzeige
Von Axel Mörer-Funk
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden