31.07.2013, 13:08 Uhr | 0 |

VW bleibt Absatzkrösus Autoabsatz in Europa sinkt immer weiter

Europas Autobauer in der Krise: Praktisch alle Konzerne haben im ersten Halbjahr des Jahres weniger Autos verkauft als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Volkswagen behauptet seine Stellung als Platzhirsch in Europa und greift die Konkurrenten General Motors und Toyota an.

Golf-Produktion in Wolfsburg
Á

Sinkende Absätze in Europa, Zuwächse weltweit: Volkswagen will in fünf Jahren der größte Autobauer der Welt sein. Im Bild: Die Golf-Produktion in Wolfsburg.

Foto: Volkswagen

Das sind nüchtern betrachtet drastische Zahlen, die Volkswagen da jetzt veröffentlicht hat: Im ersten Halbjahr 2013 ist der Gewinn bei Europas größtem Autokonzern um fast 46 Prozent eingebrochen. Allerdings bedeutet dies: VW hat immerhin 4,8 Milliarden Euro verdient. Und: VW ist weiter auf Kurs, um seine beiden größten Konkurrenten General Motors aus den USA und Toyota aus Japan spätestens in fünf Jahren zu überholen.

Drastischer Einbruch um fast die Hälfte

Mit Blick auf das vergangene Jahr relativiert sich der drastische Gewinneinbruch um fast 46 Prozent. 2012 profitierte Volkswagen von kräftigen Bewertungsgewinnen durch die Übernahme des Stuttgarter Sportwagenherstellers Porsche. Diese Bewertungseffekte herausgerechnet liest sich der Rückgang des Ertrages schon deutlich moderater: VW selbst beziffert das operative Ergebnis für den Zeitraum Januar bis Juni 2013 mit 5,8 Milliarden Euro. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang um fast 12 Prozent. 12 Prozent, nicht 46 Prozent. Dazu kommt: Der Umsatz kletterte in diesem Zeitraum um 3,5 Prozent auf nun 98,7 Milliarden Euro. Vor allem dank der sehr kräftigen Nachfrage aus China kletterten die Auslieferungen um 5,4 Prozent auf 4,8 Millionen Fahrzeuge.

Das kann durchaus als Trendwende verstanden werden. Denn im ersten Quartal des Jahres 2013 sah es ziemlich düster aus für die Autohersteller in Deutschland. In den ersten drei Monaten lag der Absatz bei knapp 674.000 Autos. Das sind 12,9 Prozent weniger als im Vergleichsquartal des Vorjahres. „Obwohl die Wirtschaftsinstitute die gute Stimmung bei den Verbrauchern hervorheben, ist die Pkw-Nachfrage in Deutschland angesichts der anhaltenden Schuldenkrise in Europa immer noch nicht angesprungen, und gewerbliche Investitionen werden weiterhin zurückgestellt“, sagt der Präsident des Importeursverbands VDIK, Volker Lange. Immerhin sind knapp zwei Drittel der Neuwagen in Deutschland Dienstwagen, werden also von Unternehmen gekauft.

Besonders finster war in diesem ersten Quartal 2013 der Monat März, der sich ja auch beim Wetter wenig freundlich zeigte. Da sackten die Neuzulassungen bezogen auf den März 2012 um 17,1 Prozent auf nur 281.200 Fahrzeuge ab. Das hatte allerdings einen wenig weltlichen Hintergrund: Denn Ostern lag in diesem Jahr im März und sorgte für weniger Verkaufstage. „Deswegen fällt der Rückgang im Vergleich zum recht ordentlichen März 2012 besonders deutlich aus“, sagt der Präsident des Branchenverbandes VDA, Matthias Wissmann.

VW bleibt völlig unangefochten der Platzhirsch in Europa

Trotz aller Absatzschwierigkeiten ist der Wolfsburger VW-Konzern mit seinen Tochtermarken gut aufgestellt. Im ersten Halbjahr verkaufte der Platzhirsch Europas in den Ländern der Europäischen Union 1,54 Millionen Fahrzeuge seiner Marken VW, Audi, Seat und Skoda. Das ist ein kleines Minus von 3,4 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum im vergangenen Jahr. Weit abgeschlagen liegt die PSA-Gruppe mit den Marken Peugeot und Citroën mit 0,7 Millionen Autos auf Platz zwei, ein Minus von 13,3 Prozent. So geht es munter weiter: Platz drei für Renault und Dacia mit 0,55 Millionen Fahrzeugen und einem Minus von 4,5 Prozent.

Dicht dran von den Verkaufszahlen in der EU folgt General Motors mit seinen in Europa vertretenen Marken Opel, Vauxhall und Chevrolet: 0,5 Millionen verkaufte Autos, aber ein Minus von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auf Platz fünf folgen Ford (0,4 Mio., minus 9,6 %) und Fiat mit seinen Töchtern Lancia/Chrysler, Alfa Romeo und Jeep (0,4 Mio., minus 10 %). Dahinter folgen BMW mit Mini (0,39 Mio., minus 3,6 %) und Mercedes Benz mit Smart (0,34 Mio., minus 2,1 %).

VW verhält sich antizyklisch und investiert Milliarden

Volkswagen stemmt sich mit einem probaten Mittel gegen diesen Abwärtstrend: mit Investitionen. Der Wolfsburger Konzern steckt derzeit trotz der allgemeinen Krise Milliarden in das neue System gleicher Baugruppen und Module, mit dem Ziel, die Kosten drastisch senken zu können. Das soll VW einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz verschaffen. Doch die schläft nicht: Fast alle Konkurrenten von Toyota über Hyundai bis Daimler und BMW feilen an ähnlichen Konzepten.

Belastend für die Bilanzen ist allerdings vor allem die gnadenlose Rabattschlacht, die sich die Hersteller beim Kampf um den Kunden liefern. „Dem intensiven Wettbewerb und den daraus resultierenden Belastungen können wir uns nicht vollständig entziehen“, erklärt der VW-Konzern. Das Ergebnis ist eine Dauerkrise für die europäischen Autohersteller. Die Neuzulassungen in Europa sinken seit zwei Jahren. Trotzdem steht Deutschlands größter Industriekonzern VW noch gut da: Er beschäftigt allein hierzulande ein Viertelmillion Menschen, weltweit sind es 550.000 Mitarbeiter.

VW will 2018 die Nummer Eins in der Welt sein

Und Deutschlands Platzhirsch will weiter angreifen: Seit Jahresbeginn feilt der VW-Konzern an insgesamt 15 neuen oder überarbeiteten Modellen. Das Ziel: Bis 2018 will VW die Nummer eins auf dem Weltmarkt sein und zuerst General Motors und danach sogar Toyota auf die Plätze verwiesen haben.

Anzeige
Von Detlef Stoller
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden