21.06.2013, 07:00 Uhr | 0 |

Finanzierung Zinsen für Mittelstandsanleihen dürften eher steigen

Schwere Zeiten für Besitzer von Mittelstandsanleihen: Solarwatt, BKN Biostrom und Siag gehören zu der wachsenden Zahl von Unternehmen, die ihre Gläubiger nicht mehr bedienen können. Doch die wenigsten Investoren schreckt das ab. In den ersten Monaten des Jahres wurden bereits zahlreiche Anleihen platziert. Und weitere werden folgen, so das aktuelle Kapitalmarktpanel der VDI nachrichten und der Beratungsfirma Cometis.

Solarwatt-Produktion
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2010 war der Dresdner Modulhersteller Solarwatt noch optimistisch, als Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (2.v.l.) das Werk besichtigte. Inzwischen kann Solarwatt seine Anleihen nicht mehr bedienen.

Foto: Solarwatt

"Mittelstandsanleihen stecken in der Imagefalle" titelte die "Die Welt" vor Kurzem und sagte den Mini-Bonds das Schicksal des Neuen Marktes voraus. Doch noch ist es zu früh für die Totenglocke. Obwohl mehrere Emittenten von Mittelstandsanleihen inzwischen pleite sind, fehlt es nicht an Newcomern. Seit Jahresbeginn wurden bereits 14 Anleihen platziert. Weitere Bonds, etwa vom Getränkehersteller Rhino's Energy, können derzeit gezeichnet werden.

2012 gingen 31 Mittelstandsanleihen an den Markt – 2013 dürfte das Ergebnis kaum schlechter ausfallen. Für das zweite Halbjahr erwarten die meisten Teilnehmer des Kapitalmarktpanels sechs bis zehn Emissionen. "Eine eher konservative Schätzung, wenn man die bereits bekannt gewordenen Emissionspläne weiterer Unternehmen berücksichtigt", kommentiert Ulrich Wiehle, Leiter des Kapitalmarktpanels und Vorstand von Cometis das Ergebnis.

Für die befragten Banker hängt die weitere Entwicklung stark davon ab, ob die negative Berichterstattung anhält. Für noch wichtiger halten sie jedoch, welche Richtung die Finanzkennzahlen potenzieller Emissionskandidaten in den nächsten Monaten nehmen werden.

Banken rechnen mit Ausfällen bei Mittelstandsanleihen

Nicht ausgeschlossen, dass bei schwächelnder Wirtschaftsentwicklung auch hierzulande viele Mittelständler ins Schlingern geraten. Die befragten Banker jedenfalls rechnen damit, dass es bei Mittelstandsanleihen weitere Ausfälle gibt. 43 % der Panelteilnehmer sind der Meinung, dass bis zu 20 % der Emittenten in den nächsten vier Jahren ihre Anleihe nicht vollständig zurückzahlen können. Fast ein Drittel fürchtet sogar eine Ausfallquote von bis zu 40 %. "Privatanleger sollten sich bewusst sein, dass sie in Hochzinsanleihen investieren. Höheren Kupons stehen auch entsprechende Risiken gegenüber", warnt Wiehle.

Hintergrund: Unternehmensanleihen, auch Corporate Bonds genannt, sind festverzinsliche Wertpapiere. Die Emittenten, also Herausgeber, sind Firmen. Sie leihen sich auf diese Weise Geld von Anlegern und versprechen, es nach einer bestimmten Zeit – meist nach fünf, sechs oder zehn Jahren – wieder zurückzuzahlen. In der Zwischenzeit überweisen sie Zinsen an ihre Gläubiger. Die können, je nach Rating des Emittenten, sehr hoch ausfallen. Die Anleger gehen zudem ein Emittentenrisiko ein, sprich: Sollte das Unternehmen, dem sie Kredit gegeben haben, zahlungsunfähig werden, ist ihr Kapital ganz oder wenigstens teilweise verloren. Mittelstandsanleihen sind also Vertrauenspapiere.

Mittelständler mit gutem Markennamen bevorzugt

Damit der Emissionsstrom nicht versiegt, fordern fast drei Viertel der Panelteilnehmer von kapitalhungrigen Mittelständlern einen starken Markennamen. Kein Wunder, schließlich haben sich Markenartikler wie Eterna, MS Deutschland oder Wöhrl mit ihren Bonds als besonders erfolgreich erwiesen. Die Emissionen waren mehrfach überzeichnet.

An zweiter Stelle steht die Forderung nach hoher Profitabilität, soliden Finanzen schon vor der Emission sowie starken Schutzklauseln, auch Covenants genannt. Sie begünstigen die Anleger etwa durch Ausstiegsklauseln bei einem Führungswechsel während der Laufzeit ("change-of-control"-Klausel) oder Kuponerhöhungen beim Über- oder Unterschreiten bestimmter Finanzkennzahlen ("interest-step-up").

Dennoch werden Mittelständler auch weiterhin tief in die Tasche greifen müssen, um an das Geld der Investoren zu kommen. Derzeit liegen die Kupons bei 7 % bis 8 %. Die Panelteilnehmer erwarten mehrheitlich, dass sich daran im Jahresverlauf nichts ändern wird – trotz der jüngsten Zinssenkung der EZB. Ein Fünftel rechnet sogar mit steigenden Zinsen bei Mittelstandsanleihen.

"Das Segment der Mittelstandsanleihen bietet Investoren Chancen auf attraktive Renditen. Entscheidend ist jedoch, die Qualität der Emittenten genau zu prüfen. Anleger sollten verstärkt auf die Analysen bewährter Ratingagenturen achten", rät Finanzexperte Wiehle. Nach Einschätzung der Banker erfahren vor allem Euler Hermes und Creditreform breite Zustimmung am Markt.

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Von Peter Schwarz/dapd | Präsentiert von VDI Logo
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