27.03.2013, 09:40 Uhr | 0 |

Geldanlage Von Warren Buffet abgeschaut: Globale Marken gehören ins Depot

Der Ketchup-Deal von Investmentlegende Warren Buffett lenkt den Blick auf eine ebenso einfache wie erfolgreiche Anlagestrategie: den Kauf von globalen Marken. Auch viele deutsche Unternehmen bieten sich dafür an.

Heinz Ketchup
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Starinvestor Warren Buffet hat mit einem Finanzinvestor den Soßen- und Ketchup-Hersteller Heinz übernommen. Anleger setzen zunehmend auf starke Marken.

Foto: dpa/Angelika Warmuth

Noch ist nicht bekannt, ob der reichste Investor der Welt sein Essen jetzt regelmäßig mit Ketchup zu sich nimmt. Die Marke Heinz aber scheint ihm ausgesprochen gut zu schmecken. Im Februar hatte Warren Buffett zusammen mit dem Finanzinvestor 3 G Capital die Übernahme des US-Ketchup-Riesen H.J. Heinz verkündet. Stolze 28  Mrd. $ will das Konsortium für den Würzsoßenhersteller hinblättern, zu dem auch Weight Watchers, gehört. "Heinz hat ein starkes, nachhaltiges Wachstumspotenzial. Es basiert auf hohen Qualitätsstandards, ständiger Innovation, einem ausgezeichneten Management und großartigen Produkten", begründete Buffett seine Entscheidung.

Schon viele bekannte Marken in Buffets Depot

Geht der Deal über die Bühne, landet mit Heinz eine weitere starke Marke im Portfolio von Buffetts Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway. Dort befinden sich seit Jahren so bekannte Namen wie Coca Cola, IBM, Gillette (2005 mit Procter & Gamble verschmolzen), American Express und Kraft Foods. Früh hatte Buffett erkannt: Marken binden Kunden, erleichtern die Expansion in neue Märkte und bringen höhere Margen.

Dass Buffett mit dieser Strategie Erfolg hat, belegt die Kursentwicklung der Berkshire Hathaway-Aktie: Seit 1965 sitzt er bei Berkshire Hathaway am Ruder. Bei seinem Einstieg lag der Aktienkurs unter 100 $. Aktuell notiert er bei rund 155 000 $. Die Aktie wurde nie gesplittet und ist heute die teuerste der Welt. Für die meisten Privatanleger ist das Buffett-Papier damit unerschwinglich es gibt aber eine Tranche von B-Aktien zu aktuell rund 80 € deren Stimmrecht beschnitten ist.

Privatanleger können auch ihre eigene Markenstrategie umsetzen, indem sie gezielt in Aktien von Markengiganten investieren. Den größten Erfolg versprechen global bekannte Marken, die von der Wachstumsdynamik der Schwellenländer profitieren.

Interbrand: Coca Cola ist wertvollste Marke der Welt

Für die Marktforscher von Interbrand ist Coca Cola die wertvollste Marke der Welt. Interbrand ermittelt jedes Jahr die 100 besten "Global Brands". Auf den Plätzen hinter Coca Cola folgen Apple, IBM, Google und Microsoft. US-Marken dominieren die Bestenliste.

Doch auch deutschen Marken schlagen sich beachtlich. Mercedes ist aktuell zwar nicht mehr in den Top 10 und Nivea (Beiersdorf AG) nicht mehr in den Top 100, dafür aber haben sich BMW, SAP und Adidas deutlich verbessert. Siemens, Audi, Allianz und Porsche waren 2002 nicht in den Top 100, bewegen sich aktuell aber bereits im Mittelfeld.

Vor allem im vergangenen Jahr haben deutsche Marken Boden gut gemacht. Nach Angaben von Cassidy Morgan, Zentral- und Osteuropa-Chef bei Interbrand, betrug das durchschnittliche Wachstum der deutschen Marken im Global Brand Ranking rund 20 % – doppelt so hoch wie das Wachstum aller Top 100 Marken. "Die erfolgreichsten deutschen Unternehmen haben die Bedeutung der Marke für ihren Erfolg erkannt", so Morgan. Sofern die Verantwortung für die Marke bei der Geschäftsführung verankert wird, "ist der Aufstieg deutscher Marken noch nicht beendet."

Morgan betont aber auch, "dass eine Marke schnell Schaden nimmt, wenn sich das Unternehmen ökonomisch negativ entwickelt". Zwei Beispiele sind Nokia und Kodak. Sowohl der Handy-Hersteller als auch der Fotoausrüster haben technologische Trends verpasst und wurden von der Konkurrenz überholt.

Nicht in einzelne, sondern viele Marken investieren

Weil Einzelinvestments immer ein größeres Risiko darstellen, sind für Privatanleger Fonds interessant, die überwiegend in Markenunternehmen investieren. Der Morgan Stanley Global Brand Fund (LU0119620416) etwa besitzt bedeutende Anteile am Nahrungsmittelkonzern Nestlé (u. a. Nescafé, Maggi, Alete), am Tabakkonzern British American Tobacco (u. a. Lucky Strike, Lord, Kim), am Körperpflegeprodukt- und Lebensmittelhersteller Unilever (u. a. Langnese, Knorr, Rama) und Reinigungsmittel-Konzern Reckitt Benckiser (u. a. Calgon, Clearasil, Sagrotan).

Die Marken dieser Unternehmen sind vielen Menschen auf der Welt ein Begriff und finden sich vermutlich auch in den meisten deutschen Haushalten. "Sie versprechen dem Kunden die Erfüllung eines ganz bestimmten Erlebnisses", beschreibt Morgan den Wert einer Marke.

Aus Sicht des Unternehmens bestünde der Markenwert "in der Aussicht auf Wachstum und die Sicherung zukünftiger Einnahmen." Offenbar mit Erfolg: Während der MSCI World Index in den vergangenen zehn Jahren um etwa 50 % zulegte, schaffte der Morgan Stanley Global Brand Fund ein Plus von rund 200 %. Der Fonds notiert allerdings in US-Dollar, so dass Währungsrisiken bzw. -chancen beachtet werden müssen.

Ein Fan starker Marken ist auch Hendrik Leber, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Acatis. Vor allem in wachsenden Märkten seien Marken "ideal". Die Lebensmittelmärkte würden parallel zur Weltbevölkerung um etwa 2 % pro Jahr wachsen. "Und Markenlebensmittel als typisches Wohlstandsprodukt wachsen zusätzlich mit dem Wohlstand um 6 % bis 8 % pro Jahr", so Leber.

Im Mischfonds Acatis Gané Value Event UI (DE000A0X7541) seien daher McDonald's, Nestlé und Coca Cola jeweils stark vertreten. Größte Position im Fonds ist übrigens Berkshire Hathaway. Der Fonds wende sich an konservative Anleger und hat seit seiner Auflage Ende 2008 rund 90 % an Wert gewonnen.

Im reinen Aktienfonds von Acatis setzt das Fondsmanagement verstärkt auf Technologiemarken wie Microsoft, Apple oder Oracle. "Ein Leben auf dem Mars ist möglich, ein Leben ohne Microsoft Office kaum vorstellbar", begründet Leber die Auswahl. Und bei Oracle sei die Kundenbindung eine faktische: "Wer einmal mit Oracle-Datenbanken arbeitet, kann sich rein technisch gesehen kaum von ihnen lösen."

Für Anleger, die bewusst in deutsche Markenaktien investieren möchten, käme auch der DWS Deutschland (DE0008490962) infrage. Zu den größten Positionen des Fonds zählen die Global Brands SAP, Allianz, Volkswagen, BMW und Siemens. Die Performance spricht für sich: plus 350 % in zehn Jahren. Gut möglich, dass auch Investmentlegende Buffett sich schon bald stärker für deutsche Marken interessiert.

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Von Stefan Terliesner | Präsentiert von VDI Logo
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