04.07.2013, 09:30 Uhr | 0 |

Schaufenster der deutschen Wirtschaft Tech-Titel haben im Dax Konjunktur

Eines der wichtigsten Börsenbarometer der Welt feierte am 1. Juli 2013 Jubiläum: Der Dax hat sich in den letzten 25 Jahren als Schaufenster der deutschen Wirtschaft etabliert. Mehr denn je geben in ihm Technologiekonzerne den Ton an.

Lange Zeit galt der Dax als ziemlich finanzlastig. So bevölkerten mal mit der Deutschen und der Dresdner Bank, der Commerzbank, der Hypovereinsbank, dem Finanzdienstleister MLP sowie den Versicherern Allianz und Münchner Rück gleich sieben Finanzunternehmen den Index. Auch der Einzelhandel war vor Jahren noch mit Kaufhof und Karstadt im Börsenbarometer prominent vertreten.

Inzwischen bestimmen mehr denn je ingenieurgetriebene Unternehmen den Kursverlauf des Index. Rund drei Viertel der 30 Dax-Mitglieder zählen im weiteren Sinne zu den Technologieunternehmen.

Siemens bewegt

Kein Konzern war dabei im Dax so bestimmend wie die Münchener Siemens AG. Mit einem Anteil von knapp 10 % wirft Siemens das größte Gewicht in die Waagschale. Steigen Siemens-Aktien um 1 %, legt der Dax momentan immerhin rund acht Punkte zu.

Außerdem konnte Siemens in den Jahren zwischen 2000 und 2002 gleich zwei Unternehmenstöchter im Leitindex unterbringen: Epcos und Infineon.

Im Februar 2000 wurde Mannesmann in einem bis dato beispiellosen Übernahmekampf von Vodafone übernommen. Das schuf Platz für Epcos, einen Hersteller passiver elektronischer Bauteile, der aus einem Joint Venture von Siemens und Matsushita hervorgegangen ist. Epcos befindet sich inzwischen im Besitz des japanischen TDK-Konzerns.

Im Juni 2000 verschmolzen die Energiekonzerne Veba und Viag zu Eon, sodass der Chiphersteller Infineon in den Dax aufrücken konnte. Siemens hatte das 1999 gegründete Unternehmen erst ein paar Monate zuvor an die Börse gebracht.

Das Debüt gilt als eines der pompösesten aller Zeiten – was aber weniger an Siemens selbst als am damaligen Infineon-Chef Ulrich Schumacher lag. Der Manager fuhr im Porsche vor und ließ sich im Rennanzug ablichten.

Infineon ist nach einer Rosskur wieder im Dax vertreten. Das Unternehmen gliederte im Jahr 2006 die Speicherchipsparte in das Tochterunternehmen Qimonda aus, das 2009 Zahlungsunfähigkeit melden musste. Später erfolgte noch die Trennung vom Mobilfunkgeschäft. Siemens war aber auch für die erste Änderung im Dax überhaupt zuständig. Die Münchner kauften 1990 den den ebenfalls im Dax gelisteten Computerkonzern Nixdorf.

Viele Unternehmen sind auf Nischen ausgerichtet

Das Unternehmen des Computerpioniers Heinz Nixdorf kehrte im Jahr 2004 in neuem Gewand an die Börse zurück. Als Marktführer bei Geldautomaten wird Wincor Nixdorf im M-Dax der 50 wichtigsten Nebenwerte geführt.

Überhaupt finden sich in den hinteren Reihen noch weit mehr Unternehmen, in denen Ingenieure das Sagen haben, als im Dax. So war der Technologieindex TecDax lange Zeit von Herstellern von Solar- und Windanlagen geprägt. Maschinenbauer finden sich außerdem im SDax.

Viele dieser Unternehmen sind auf Nischen ausgerichtet. Das macht es ihnen unmöglich, zur Größe eines Dax-Unternehmens heranzuwachsen.

Autobauer sind feste Größe

Eine feste Größe im Dax sind dagegen die großen Automobilhersteller Daimler, BMW und Volkswagen – wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. So führte der Traum von der "Welt AG” Daimler mit Chrysler zusammen. Der Traum platzte allerdings ebenso, wie die Fusion von BMW und Rover. Für die Münchner wurde Rover zum englischen Patienten. Vom Engagement auf der Insel blieb der Mini als Verkaufsschlager.

Auch Volkswagen durchlief als Dax-Mitglied so manche Krise. In den vergangenen Jahren standen die Zeichen auf Expansion. Vor allem die Porsche-Übernahme hielt dabei die Börsenwelt in Atem. Als sich 2008 Porsche aufgemacht hatte, VW zu übernehmen, kam es zu einem Sprung der VW-Aktien auf über 1000 €. Zwischenzeitlich waren die Wolfsburger damit mehr wert als der Ölgigant Exxon.

Vor allem Hedgefonds hatten sich aber verspekuliert und verloren dabei viel Geld. Am Ende übernahm VW Porsche und im Dax tauschten die Stammaktien ihren Platz mit den stimmrechtslosen Vorzugsaktien. Der Anteil der handelbaren Papiere mit Stimmrecht war zu klein geworden.

Dieser sogenannte Streubesitz ist eines der Kriterien für eine Mitgliedschaft im Dax. Er darf nicht unter 10 % sinken, sonst droht der Abstieg aus dem Börsenbarometer.

In den 25 Jahren seiner Geschichte gab es allerdings gerade mal 34 Änderungen im Leitindex. Noch beständiger ist das US-amerikanische Pendant des Dax, der Dow Jones. Die letzte Änderung gab es dort vor vier Jahren mit der Aufnahme des Ölkonzerns Chevron und der Travelers Bank. 

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Von Stefan Wolff | Präsentiert von VDI Logo
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