05.04.2013, 16:59 Uhr | 0 |

Geldanlage Spareinlagen: So sicher sind die Guthaben

Mit rund 2000 Mrd. € sind die Spareinlagen der Deutschen so hoch wie nie zuvor. Angesichts der Eurokrise fürchten aber immer mehr Bürger um die Sicherheit ihres Geldes. Zu Recht? Ein Überblick über die Einlagensicherungssysteme.

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Trotz aller Skepsis unter Bankkunden: In Deutschland sind Spareinlagen sicher.

Foto: dpa

Nach einer aktuellen Umfrage von Infratest Dimap macht sich jeder zweite Deutsche Sorgen um die Sicherheit seiner Ersparnisse. Das ist nach Ansicht von Experten jedoch unbegründet, da die Sicherungssysteme der Banken als zuverlässig gelten. "Spargelder sind in Deutschland extrem gut abgesichert", sagt Hermann-Josef Tenhagen vom Magazin "Finanztest" der Stiftung Warentest. Seit 2011 sind Einlagen in Deutschland grundsätzlich bis 100 000 € pro Sparer gesetzlich geschützt. Die Absicherung gilt beispielsweise für Tages- und Festgelder, Sparbücher und Sparbriefe. Im Fall einer Bankpleite erfolgt die Rückzahlung der Einlagen innerhalb von maximal 30 Arbeitstagen nach einer schriftlichen Meldung des Kunden.

Voraussetzung ist, dass das Geld in Euro oder der Währung eines anderen EU-Landes angelegt ist. Für Einlagen in anderen Fremdwährungen gilt die Absicherung nicht. Ausgenommen von den Sicherungssystemen sind auch Wertpapiere wie Aktien oder Investmentfonds. Das ist auch nicht erforderlich, weil die Wertpapiere von den Banken lediglich in den Depots verwahrt werden und Eigentum des Kunden bleiben. Sollte eine Bank tatsächlich insolvent werden, können Kunden jederzeit die Herausgabe ihrer Wertpapiere verlangen.

Sparkassen sowie Raiffeisen- und Volksbanken sind von der gesetzlichen Einlagensicherung ausgenommen, da sie eigene Sicherungssysteme bieten, die vom Gesetzgeber als gleichwertig angesehen werden. Die Institutssicherung soll verhindern, dass ein Mitgliedsinstitut überhaupt zahlungsunfähig wird. Dadurch sind die Kundengelder praktisch in unbegrenzter Höhe geschützt. Bislang gab es bei Sparkassen und Volksbanken auch keine Pleiten.

Als Sicherungseinrichtung für Privatbanken fungiert der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands Deutscher Banken (BdB). Bei den angeschlossenen Instituten sind Kundengelder in Millionenhöhe geschützt.

Nach einer Marktübersicht des Finanzportals Biallo sind beispielsweise bei der Comdirect 117 Mio. € pro Kunde abgesichert, bei Cortal Consors sind es 45 Mio. €, bei der ING-Diba 1,49 Mrd. € und bei der Santander Bank 774 Mio. €. Bei der Bank of Scotland, die erst kürzlich dem BdB beigetreten ist, sind es 250 000 € je Anleger.

Der Einlagensicherung des BdB gehören nicht nur viele deutsche Institute an, sondern auch zahlreiche Direktbanken und Zweigniederlassungen ausländischer Banken. Seit der Gründung 1976 sprang der Sicherungsfonds des BdB in mehr als 30 Fällen ein, beispielsweise 2008 bei der Pleite der Weserbank.

Skeptische Kunden können ihr Geld auch auf mehrere Institute verteilen. Das biete sich vor allem an, wenn man mehr als den geschützten Betrag mit Konto- und Sparguthaben zusammenbekomme, sagt Frank-Christian Pauli, Finanzexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. "Es kommen natürlich auch andere Anlageformen infrage, wobei man sich jedoch nicht von der aktuellen Verunsicherung leiten lassen darf, denn Angst ist der schlechteste Ratgeber", sagt Pauli.

Bleibt die Frage, wie viel die unbeschränkte Einlagengarantie der Bundesregierung wert ist. Zur Erinnerung: Bundeskanzlerin Angela Merkel und der damalige Finanzminister Peer Steinbrück hatten 2008 zum Höhepunkt der Finanzkrise eine Garantie für alle Spareinlagen in Deutschland abgegeben – auch solchen über 100 000 €. Nach Ansicht von "Finanztest"-Experte Tenhagen hat diese Erklärung durchaus Gewicht, auch wenn sie im Ernstfall nicht einklagbar sei. Letztendlich könnten die Sparer nur darauf hoffen, dass die jeweilige Regierung ihr Wort hält. "Der Staat würde jedoch sicher alles tun, um Massenabhebungen und damit einen Zusammenbruch des Bankensystems zu verhindern", sagt Tenhagen.

Eine Situation wie in Zypern, wo Bankkunden mit einem Teil des eigenen Vermögens für zahlungsunfähige Banken haften, hält Max Herbst von der unabhängigen Finanzberatung FMH für unwahrscheinlich: "Die Gegebenheiten in Zypern unterscheiden sich deutlich von denen in Deutschland." Ohnehin hafteten die Steuerzahler hierzulande selbst für ihre Banken, wie etwa die Fälle der Hypo Real Estate und der Commerzbank zeigten und sicherten ihre Einlagen somit indirekt selbst ab. dpa/ps

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Von Dpa/Peter Schwarz | Präsentiert von VDI Logo
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