15.08.2013, 13:51 Uhr | 0 |

Geldanlage Pro und Contra: Ende des Goldrauschs?

Jahrelang kannte der Goldpreis nur eine Richtung: nach oben. Inzwischen hat das Edelmetall an Glanz verloren. Seit dem Sommer 2011 büßte es ein Drittel seines Wertes ein. In diesem Jahr beschleunigte sich die Talfahrt. Wie geht es weiter mit dem seltenen Rohstoff? Was spricht für, was gegen eine Gold-Hausse?

Goldbarren
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Der Goldpreis befindet sich seit zwei Jahren auf Talfahrt. 

Foto: dpa/Uli Deck

Sicherer Hafen Gold? Von wegen. Wer vor knapp einem Jahr aus Angst vor dem Zusammenbruch der europäischen Währungsunion das gelbe Edelmetall kaufte, erlitt Schiffbruch. Von fast 1800 $ im Oktober 2012 stürzte der Goldpreis auf bis unter 1200 $ Ende Juni dieses Jahres.

Selbst Profis, die an Gold glaubten, wurden kalt erwischt. Der amerikanische Hedgefonds-Manager John Paulson musste mit seinen Goldinvestments einen Buchwert-Verlust von rund 1,5 Mrd. $ hinnehmen. Allein der Goldcrash Mitte April machte ihn auf einen Schlag um 300 Mio. $ ärmer.

Manipulieren Profi-Investoren?

Gold-Fans lassen sich von solchen Negativ-Prognosen nicht aus der Ruhe bringen. "Das Schlechtreden von Gold hat derzeit Hochkonjunktur", meint Silberexperte Thorsten Schulte. Er vermutet in den jüngsten Gold-Crashs die Manipulation einiger Profi-Investoren.

"Verschwörungstheoretiker halten es für nicht unwahrscheinlich, dass das Big Money bewusst auf einen Bruch wichtiger Unterstützungszonen von Gold hingearbeitet hat, um an der nachfolgenden Abwärtsbewegung zu partizipieren", heißt es in einer Studie des renommierten Bankhauses Metzler.

Wie geht es weiter mit dem Edelmetall? Hier die wichtigsten Argumente Pro und Contra:

Pro: Physische Nachfrage steigt

Fast alle Händler verzeichnen momentan einen regelrechten Run der Privatanleger auf Goldbarren und -münzen. "Großinvestoren gehen raus, Kleininvestoren gehen rein", hat Önder Ciftci, Geschäftsführer vom Goldhändler Ophirum festgestellt. "Das ist eine paradoxe Situation." Laut Ophirum kommen derzeit auf 90 Käufer zehn Verkäufer.

Bei der südafrikanischen Krügerrand-Münze ist die Nachfrage gar so groß, dass keine Bestellungen mehr angenommen werden.

Auch in Schwellenländern wie Indien bleibt das Interesse an physischem Gold hoch. Für die Hochzeitssaison decken sich viele Inder mit Goldschmuck ein. Allerdings hat die Erhöhung der Importzölle um ein Drittel auf 8 % die Nachfrage etwas gebremst.

Pro: Notenbanken kaufen Gold

Treibende Kraft für den Goldpreis bleiben auf der Nachfrageseite die Notenbanken. Sie werden auch in diesem Jahr ihre Goldbestände weiter aufstocken. Die Käufe werden allerdings nicht so hoch sein wie 2012.

Auch von einer drohenden Verkaufswelle in Südeuropa kann keine Rede sein. Im Frühjahr hatte Zypern erwogen, einen Teil seiner Goldreserven abzustoßen, um Schulden abzubauen. Das hatte Spekulationen ausgelöst, dass auch andere Krisenländer ihre Goldreserven abbauen. Bisher haben sich diese Ängste nicht bewahrheitet.

Pro: Lockere Geldpolitik

Die Geldpolitik führender Notenbanken bleibt weiterhin expansiv. Die japanische Notenbank wird weiter den Geldhahn aufdrehen, um den Yen zu schwächen. Und die EZB wird so lange die lockere Geldpolitik beibehalten, bis Europas Konjunktur wieder in Tritt kommt.

Vermögensverwalter Bert Flossbach rechnet deshalb mit einer langfristig steigenden Inflationsgefahr wegen des billigen Gelds der Notenbanken. "Vieles spricht dafür, dass der Goldpreis langfristig weiter zulegen wird", glaubt Flossbach.

Auch Goldhändler wie Ciftci von Ophirum erwarten eine zunehmende Inflationierung und eine steigende Attraktivität von Gold. Außer dem Preisrutsch habe sich am fundamentalen Umfeld für Gold nichts geändert, meint er. Im zweiten Halbjahr werden Anleger wieder zurückkehren, glaubt er. Der Goldpreis werde dann wieder deutlich steigen.

Contra: US-Notenbank zieht Zügel an

Mit seiner Ankündigung, womöglich bald die milliardenschweren Anleihenkäufe einzustellen, hat US-Notenbankchef Ben Bernanke die Spekulationen auf eine Zinswende angeheizt. In den USA deutet sich ein Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik an. Sollte die Geldflut tatsächlich abebben, dürfte das den Goldpreis weiter drücken.

Denn in den vergangenen Jahren hatten Anleihenkäufe der US-Notenbank zur Ankurbelung der lahmenden Konjunktur weltweit Inflationsängste geschürt. Diese sind nun merklich zurückgegangen.

Die Teuerung in Deutschland beträgt derzeit nur 1,8 %. In den südeuropäischen Krisenländern herrscht teilweise gar Deflationsgefahr. "Der Goldpreis gibt einen Vorgeschmack darauf, was wir an deflationären Problemen haben werden", prognostiziert Heinz-Werner Rapp, Investmentstratege von Feri. Gold laufe realen Daten mindestens zwei Jahre voraus.

Contra: Dollar-Stärke

Ein weiteres Argument, das gegen Gold spricht, ist der starke Dollar. Im Zuge der anziehenden US-Konjunktur hat der Greenback zuletzt deutlich gewonnen gegenüber Euro und anderen Währungen.

Steigen die Zinsen in den USA wieder, wird der Dollar weiter zulegen. Darunter dürfte der Goldpreis leiden. In jüngster Zeit hat er negativ korreliert mit Dollar-Wechselkurs zum Euro.

Contra: Abflüsse aus Gold-Indexfonds

Für Verkaufsdruck sorgten zuletzt auch die hohen Abflüsse der Gold-Indexfonds. Seit Jahresbeginn zogen Anleger gut 28 Mrd. $ ab – und trennten sich von über 500 t Gold – dreimal so viel wie jährlich nachgefragt wird.

Allein der größte Goldfonds SPDR hat in diesem Jahr gut 100 t verkauft. Auch im Juni zogen sich Anleger massenhaft aus Indexfonds zurück. "Solange die Abflüsse anhalten, ist eine nachhaltige Preiserholung bei Gold unwahrscheinlich", glaubt Rohstoff-Analyst Eugen Weinberg von der Commerzbank.    

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Von Notker Blechner | Präsentiert von VDI Logo
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