31.07.2013, 16:59 Uhr | 0 |

Megadeals bleiben aus Private Equity: Wieder mehr Mittel für Investitionen

Eigenkapitalfinanzierer, die sich auf den Mittelstand fokussieren, sind im Aufwind. Für 2013 stehen wieder mehr Investitionsmittel zur Verfügung. Der Wettbewerb um attraktive Unternehmen wird allerdings immer härter, die Preise für Zukäufe steigen.

Wolfgang Kraus
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"Aufgrund fehlender Mega-Deals konzentriert sich die Beteiligungsbranche erfolgreich auf den deutschen Mittelstand."
Wolfgang Kraus, geschäftsführende Partner bei Rödl & Partner.

Foto: Rödl & Partner

Das sind die zentralen Ergebnisse der Studie "Die deutsche Beteiligungsbranche 2013" von Rödl & Partner. Für die Untersuchung wurden im Frühjahr dieses Jahres über 300 Beteiligungsgesellschaften in Deutschland befragt.

"Aufgrund fehlender Mega-Deals konzentriert sich die Beteiligungsbranche erfolgreich auf den deutschen Mittelstand. Die Kassen der Private Equity-Häuser sind gut gefüllt. Angesichts des positiven Konjunkturumfelds ist auch wieder mit einer steigenden Zahl von Exits zu rechnen", so der geschäftsführende Partner Wolfgang Kraus.

Investmens laufen meist sechs bis sieben Jahre

Die meisten Investitionen in Unternehmensbeteiligungen liegen laut Studie unter 50 Mio. €, ihr Anteil nimmt signifikant zu. Der Mittelstandsfokus der Beteiligungsgesellschaften spiegelt sich auch in der steigenden Haltedauer wider, Investments laufen durchschnittlich über sechs bis sieben Jahre. Wichtigster Grund für den Einstieg von Private Equity-Investoren ist die Regelung der Unternehmensnachfolge, noch vor der Finanzierung des operativen Wachstums und Spin-offs. Die Kreditklemme und die Unabhängigkeit von Banken bei der Finanzierung spielen dagegen nur noch eine untergeordnete Rolle.

"Der deutsche Mittelstand lockt Investoren aus der ganzen Welt an. Die Private Equity-Häuser buhlen mit Family Offices und strategischen Investoren aus dem In- und Ausland um attraktive Zielunternehmen. Das treibt allerdings die Preise nach oben. Die Chancen auf erfolgreiche Beteiligungen sind rar gesät", erklärt der Leiter Corporate Finance von Rödl & Partner, Björn Stübiger. Der zunehmende Wettbewerb hat schon deutliche Spuren hinterlassen. Zu hohe Kaufpreise beim Einstieg schmälern den Gewinn, Renditen über 20 % sind mittlerweile seltener geworden.

Gleichzeitig nimmt die Zahl von Portfolios zu, die sich schlecht entwickelt haben. Wichtigste Gründe dafür sind Managementfehler, die Marktentwicklung und Vertriebsprobleme. Insbesondere der Nachfrageeinbruch in den europäischen Krisenstaaten macht vielen Unternehmen zu schaffen. Auch die in den letzten Jahren umfassenden Investitionen im Bereich der erneuerbaren Energien haben sich unter anderem durch die Begrenzung der Förderung in den Boomländern Italien und Spanien häufig nicht ausgezahlt.

Medizintechnik hat den Energiesektor als Top-Branche abgelöst

Wegen des rückläufigen Geschäfts im Bereich erneuerbare Energien steht der Gesundheitssektor inklusive der Medizintechnik auf Platz 1 der wichtigsten Branchen für Private Equity-Investoren. Der Maschinen- und Anlagenbau schiebt sich auf Platz 2 vor. Der frühere Spitzenreiter Cleantech fällt auf Platz 3, dicht gefolgt vom Bereich Informations- und Kommunikationstechnik. Betrachtet man allerdings nur den Markt für Wachstumskapital, führen Life Science-, IKT- und die Softwarebranche das Ranking an.

Das nach wie vor attraktivste Bundesland für die Beteiligungsbranche ist der Untersuchung zufolge Bayern (27 %), dicht gefolgt von Nordrhein-Westfalen (23 %). Baden-Württemberg behauptet den 3. Platz (16 %), verliert aber gegenüber der Spitzengruppe weiter an Boden. "Der Freistaat verdankt seinen Spitzenplatz sowohl dem hervorragenden Investitionsumfeld für junge Unternehmen als auch der Stärke im Mittelstand", betont Stübiger. "Hier sind über Jahre hinweg die richtigen Akzente für wachstumsstarke Unternehmen gesetzt worden."

Nur im Bereich von Investitionen über 50 Mio. € liegt Nordrhein-Westfalen knapp vor Bayern und Baden-Württemberg auf Platz 1. Berlin profitiert dagegen von der Entwicklung der Start-up-Kultur vor allem in der IT-, Kommunikations- und Medienbranche.

Erstmals wurden im Rahmen der Studie auch Investoren befragt, die jungen Unternehmen Wachstumskapital zur Verfügung stellen. Im Ergebnis zeigt sich, dass für Start-ups in Deutschland zu geringe Investitionsmittel für einen zu kurzen Zeitraum zur Verfügung stehen. 60 % der Finanzierungsmittel werden nur für maximal 18 Monate bereitgestellt, 80 % der Gelder liegen unter 3 Mio. €, 60 % sogar unter 1,5 Mio. €.

Finanzierungen in der Frühphase bleiben schwierig

"Für Unternehmensgründer bleibt die Finanzierungssituation schwierig. Jenseits der Frühphase werden kaum Investitionsmittel bereitgestellt", erklärt der Leiter der Venture Capital-Praxis von Rödl & Partner, Gerhard Wacker. "Ein großer Finanzierungsanteil wird von Business Angels, Family Offices sowie Freunden und Familie des Gründers getragen. Hinzu kommen die Hightech Gründerfonds, ohne die es in der Gründerszene düster aussähe. Für Private Equity-Häuser öffnet sich hier eine interessante Marktlücke."

Die Studie "Die deutsche Beteiligungsbranche 2013" steht im Netz unter:
www.roedl.de/PE-Studie-2013

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Von Peter Schwarz | Präsentiert von VDI Logo
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