04.04.2014, 15:39 Uhr | 0 |

Steuerbetrug im Einzelhandel Manipulierte Registrierkassen: Finanzämter verlieren jährlich zehn Milliarden Euro

Rund zehn Milliarden Euro Steuereinnahmen entgehen deutschen Finanzämtern jedes Jahr, weil Einzelhändler und Gastronomen ihre Kassen manipulieren. NRW-Finanzminister Walter-Borjans (SPD) plädiert daher für die Einführung sogenannter Smartcards. Sie sollen zukünftig alle Geldströme der Kassen überwachen. 

Händler können mit einfachen Tricks Geld verschwinden lassen
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Längst gibt es auf dem Schwarzmarkt auch Software, die gezielt bei der Manipulation der Kassen unterstützt. Geldströme lassen sich unauffällig und schnell aus dem elektronischen Buchführungssystem entfernen. Smartcards könnten das verhindern. 

Foto: dpa/Peter Kneffel

Durch den massenhaften Betrug an Registrierkassen im Einzelhandel entgingen dem Staat „Jahr für Jahr schätzungsweise bis zu zehn Milliarden Euro", erklärte NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) am Donnerstag in Düsseldorf. Deswegen will die Landesregierung NRW eine Änderung der Abgabenordnung voranbringen. „Wir werden nicht dabei zusehen, wie einige schwarze Schafe nach Feierabend ihre Abrechnungen manipulieren.“

Bereits 2013 hatte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) auf diese Art des Steuerbetrugs und den dadurch verursachten Schaden hingewiesen.

Smartcards sollen Registrierkassen rund um die Uhr überwachen

In Kassen eingebaute Smartcards könnten zukünftig dabei helfen, Steuerbetrug zu unterbinden. Sie sind vergleichbar mit Fahrtenschreibern in Lastkraftwagen und halten sämtliche Einnahmen, Umtausche und Warenrückgaben in der Kasse fest. 

„Steuerbetrug an manipulierten Registrierkassen gebe es im Prinzip in jeder Branche,“ berichtet Steuerfahndungsexperte Arno Becker in einem Bericht des Nachrichtenmagazins Stern. Zu Manipulationstricks griffen meist kleinere inhabergeführte Betriebe, die hauptsächlich Bargeldeinnahmen verzeichnen.

Schwarzmarkt-Software hilft bei Manipulation der Kassen 

Schon mit wenigen Handgriffen verschwinden bei der Eingabe von Warenrückgaben oder Stornierungen sämtliche Aufzeichnungen aus den elektronischen Buchführungssystemen. Damit fallen die Einnahmen aus der Kassenabrechnung raus und werden nicht versteuert. 

Solche Eingriffe lassen sich für die Finanzverwaltung allerdings kaum nachvollziehen. Walter-Borjans fordert deswegen, dass Finanzämter die Möglichkeit erhalten müssen, auch unangemeldet in Betriebe zu kommen und Kassen zu überprüfen.

Dahinter steht das Wissen, dass es für technisch unbegabte Betrüger auf dem Schwarzmarkt auch entsprechende Software gibt. Mit ihrer Hilfe lässt sich genau planen, in welchem Zeitraum Einnahmen manipuliert werden sollen. 

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Von Petra Funk
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