19.04.2013, 16:59 Uhr | 0 |

Nach Absturz des Goldpreises Landesbank erwartet höheren Goldkurs zum Jahresende

Der angekündigte Verkauf von 14 Tonnen Gold aus Zypern hat bei dem Absturz des Goldpreises zum Wochenbeginn keine Rolle gespielt. Goldexperte Michael Krauß, Direktor der LBBW Asset Management in Stuttgart, rechnet bis zum Jahresende mit einer Erholung.

Bundessiegel auf einem Goldbarren
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Nach dem Absturz des Goldpreises rechnet der Goldexperte Michael Krauß, Direktor der LBBW Asset Management in Stuttgart, wieder mit einer Erholung bis Jahresende.

Foto: dpa/Sven Hoppe

„Die Begründung, dass Zypern seine circa 14 Tonnen Gold verkaufen muss, ist geradezu lächerlich. Diese 14 Tonnen entsprechen gerade einmal der Produktion von zwei Tagen“, sagte der Goldexperte Michael Krauß den VDI nachrichten. „Der Hinweis darauf, dass auch Italien zum Verkauf animiert werden könnte, wiegt da schon schwerer.“

Krauß sieht den Goldkurs weiterhin unter Druck. Die Angst um den Euro sei gesunken, die Aktienkurse stiegen. „Darunter leiden die Kurse von Alternativwährungen wie Gold. Sie werden unter Umständen auch einmal neu bewertet.“ Als Untergrenze eines weiteren Preisrutsches nennt Krauß die Marke von 1200 US-Dollar. „Nach unten sollten Marken um 1200 Dollar sehr gute Unterstützungen bieten.“

Zum Jahresende sieht der Goldmarkt-Experte den Goldkurs wieder über dem aktuellen Niveau. „Momentan würde ich per Jahresende höhere Kurse erwarten als das aktuelle Niveau.“

Lesen Sie hier das Interview im Wortlaut.

VDI nachrichten: Herr Krauß, Gold und Silber haben einen Crash erlebt. Warum?

Krauss: Einen Crash mitten im Crash zu beantworten ist wie der Versuch in einer brennenden Disco zu erklären, warum alle gerade panisch zum Ausgang rennen und nicht in Ruhe über Fluchtmöglichkeiten nachdenken.

Ich vermute, dass in den nächsten Tagen eine Vielzahl von Erklärungsversuchen in den Zeitungen zu lesen sein wird. Die Begründung, das Zypern seine ca. 14 t Gold verkaufen muss, ist dabei geradezu lächerlich. Diese 14 t entsprechen gerade einmal der Produktion von zwei Tagen. Der Hinweis darauf, dass auch Italien zum Verkauf animiert werden könnte, wiegt da schon schwerer.

Was hat den Crash ausgelöst?

Auslöser für den Crash war letzten Endes das Unterschreiten der wichtigen Marke bei ca. 1520 $. Wobei mich die Art überrascht hat. Ich hätte mit einem schnellen Auslösen von Stopp-Loss-Marken und einem Abrutschen um über 100 $ in wenigen Minuten und einer teilweisen Erholung danach gerechnet. Irritierend war, dass der Goldpreis zuerst einmal eine Stunde bei ca. 1500 $ haltmachte und dann in zwei Tagen in sechs bis sieben Schüben abrutschte.

Aber wie kam es dazu? Warum wird Gold abgestraft?

Allgemein scheinen die Sorgen wegen der Finanzkrise in eine Sorglosigkeit ob der andauernden Finanzkrise überzugehen. Angst ums Geld ist aktuell kein Thema. Noch vertraut man dem Papiergeld. Die Aktienkurse laufen gut. Darunter leiden die Kurse von Alternativwährungen wie Gold. Sie werden unter Umständen auch einmal neu bewertet.

Wo steht Gold am Jahresende?

Diese Frage kann man in diesem hoch volatilen Umfeld, das aktuell zu einer Neubewertung und auch großen Umschichtungen zwischen verschiedenen Anlegergruppen führt, nur schwer beantworten. Nach unten sollten Marken um 1200 $ sehr gute Unterstützungen bieten.

Neue Höchststände sind nicht in Sicht?

Wir haben schon früher gesagt, dass wir neue Höchststände über 1910 $ dieses Jahr für nicht realistisch halten. Meine bisherige Prognose von 1700 $ sieht aktuell aber etwas zu ambitioniert aus. Momentan würde ich per Jahresende trotzdem höhere Kurse erwarten als das aktuelle Niveau. Aber wie gesagt, erst einmal muss die Volatilität aus dem Markt. Müsste die Inflation kräftig anziehen, um die Preise für Gold und Silber zu pushen?

Gold und Silber brauchen keine Inflation als Treibstoff. Aufkommende Inflation, die aktuell nicht ersichtlich ist, würde aber das Umfeld verändern. Ob dies gut oder schlecht für Edelmetalle wäre, hängt von Art, Dauer und Ausprägung der Inflation ab sowie der Reaktion der Notenbanken darauf.

Gegen Inflation sprechen derzeit die hohe Arbeitslosigkeit und die zu geringe Kapazitätsauslastung in der Industrie. Die Hauptgefahr sehen wir eher in einer generellen Vertrauenskrise in Geld.

Gehören Edelmetalle überhaupt in private Depots?

Ich denke 5 % Edelmetalle im Depot schaden nicht. Aber wie bei allen Assetklassen gilt auch bei Edelmetallen: Wenn die Preise übertrieben erscheinen, ob nach oben oder unten, darf man ruhig auch mal flexibel traden.

Was spricht für Gold, was für Silber?

Silber ist günstiger, hat aber eine unangenehme Mehrwertsteuerbelastung, wenn man es physisch erwirbt. Dafür kann man sich auch mit kleinen Beträgen schon ein paar Münzen kaufen. Gold ist mehrwertsteuerfrei. Dafür kostet eine Unze aber mehr als 1000 €. Dennoch ist Gold aus meiner Sicht die bessere Anlage. Silber ist volatil und unberechenbar.

Sollten Edelmetall-Anleger in Barren oder Münzen investieren oder in einschlägige Wertpapiere?

Barren und Münzen sind eine gute Idee, wenn man nicht vorhat, schnell wieder zu verkaufen. Allerdings gilt es, die An- und Verkaufsspanne zu beachten. Von Zertifikaten halte ich wenig. Wer nur kurzfristig handelt, oder Gold in seinem Wertpapierdepot abbilden möchte, für den bieten sich Goldfonds an. Nichts ist so reguliert wie ein Fonds.

Enttäuscht haben Goldminenaktien. Obwohl der Kurs des gelben Metalls bis Herbst 2011 fast zwölf Jahre angestiegen ist von rund 800 $ auf 1900 $ lahmen die Minenwerte. Warum?

Die unendliche Geschichte mit den Minen kann man fast schon als tragisch bezeichnen. Sie haben es nicht geschafft, signifikante Gewinne zu erzielen – obwohl das Kernprodukt Gold sehr stark an Wert zulegte. Die Ursachen sind vielfältig. Ein wichtiger Grund sind die überproportional gestiegenen Kosten auf der Produktionsseite – vor allem bei Energie und Löhnen. Aber die Minen haben es oft auch nicht verstanden, ihre Bilanzen sauber zu strukturieren. Dass das Wachstum der ausgewiesenen Reserven um jeden Preis nicht alles ist, blieb zu oft unbeachtet. Schließlich möchte der Investor auch eine anständige Dividende haben. Es scheint jedoch, dass bei einigen Minen langsam ein Umdenken einsetzt und weniger profitable Schächte auch mal geschlossen werden.

Welche Rolle spielen die Notenbanken auf dem Markt für Edelmetalle?

Ihr Einfluss ist erheblich. Der Trend zu billigem und vor allem zu viel und leicht verfügbarem Geld hat natürlich in den letzten zehn Jahren auch dem Goldpreis geholfen. Interessant ist auch, dass – nachdem im letzten Jahrzehnt die Notenbanken der alten Welt einen guten Teil ihrer Goldreserven verkauft haben – in diesem Jahrzehnt die Notenbanken aufstrebender Volkswirtschaften auf der Käuferseite zu finden sind.

Die Ersparnisse schrumpfen. Die Zinsen sind niedriger als die Inflation. Sachwerte sind deshalb gefragt, neben Immobilien und Aktien auch Edelmetalle. Sind solche Investments zum Erhalt des Vermögens geeignet?

Je nach Epoche und Szenario fällt die Antwort sehr unterschiedlich aus. Wenn Sie während des Zweiten Weltkrieges Immobilien in Böhmen hatten, war das nicht so gut. Immobilien können aber auch mit Zwangshypotheken belastet werden. Der Besitz von Gold war verboten. Diese Anlageformen sind grundsätzlich durchaus zur Diversifikation des Vermögens geeignet. Die Streuung ist dabei eine gute Basis für einen Vermögenserhalt.

Derzeit schlägt der Sachwert Aktie Gold und Silber. Ist die Aktie der bessere Sachwert?

Wie Gold und Silber können auch Aktien billig oder teuer sein. Ebenso gibt es günstigere und ungünstigere Bewertungen. Generell sind Aktien sehr gute Sachwerte und sollten in keiner Vermögensanlage fehlen. Sie sind jedoch auch extrem volatil, wie mehrere Crashs belegen. Die letzten zehn bis 15 Jahre waren nicht für alle Aktienanleger befriedigend. Wichtig sind auch hier Selektion und Timing.

Wie groß sind die Vorkommen an Gold, Silber, Platin, Palladium und Rhodium nach heutigem Wissen. Gibt es große politische Risiken?

Hier muss unterschieden werden. Gold ist nicht knapp – weder das geförderte noch das im Boden befindliche Gold. Es gibt genug Gold zur Diversifikation von Vermögen, sodass jeder investieren kann, aber auch nicht zu viel, als dass es inflationär vorhanden wäre. Die Menge ist relativ konstant, Veränderungen sind einigermaßen verlässlich. Das macht Gold ja auch zum perfekten Geld.

Kupfer, das einen hohen industriellen Umschlag und stark schwankende Lager hat, eignet sich eher nicht als Geldersatz. Ähnlich ist es auch bei dem sehr teuren und eher seltenen Rhodium, das ich bei Privatanlegern für ungeeignet halte.

Silber steht irgendwo zwischen Geld und Rohstoff. Platin und Palladium würde ich den Rohstoffen zuordnen. Besonders bei diesen beiden Industriemetallen gibt es die größten Risiken. Bei Palladium weiß niemand genau, wie viel in Russland noch lagert und wie weit die Bestände abgebaut sind.

Platin wird überwiegend in Südafrika gefördert. Die sich häufenden Arbeitskämpfe dort können die Produktion durchaus negativ beeinflussen.

Wie sehen Sie die Preisentwicklung bei der Platingruppe? Was unterscheidet Platin, Palladium von Gold und Silber?

Die Platin Group Metals sind zuerst einmal Industrierohstoffe. Ihre Preise sind also viel stärker von der Konjunktur abhängig. Bei Platin ist die Angebotsseite immer wieder von Streiks in Südafrika betroffen. Auf der Nachfrageseite ist aktuell Palladium sehr begehrt. Dieses Metall wird hauptsächlich in Benzin-Katalysatoren eingesetzt, die vor allem in Asien zum Einsatz kommen. Aufgrund vieler Faktoren sieht es so aus, dass es bei beiden Metallen in diesem Jahr ein Angebotsdefizit gibt.

Wie entwickelt sich der industrielle Bedarf an Silber und den Metallen der Platin-Gruppe?

Langfristig ist das kaum seriös vorherzusagen. Nehmen Sie nur einmal Silber und die Fotoindustrie: Mit der digitalen Fotografie kam es plötzlich zu einem "Game Changer", einer drastischen Veränderung der Gesamtsituation. Dafür kamen neue Technologien auf wie die Solarbranche, die ebenfalls verschiedene Rohstoffe benötigt – auch Silber.

Bei Platin und Palladium bleiben die Automobilindustrie und Katalysatoren Haupttreiber. Wobei hier aktuell der Trend für Palladium spricht. Palladium kommt eher in Benzinmotoren zum Einsatz, die hauptsächlich in Asien gefragt sind. Dort fristen Dieselmotoren – für die Platin besser geeignet ist – ein Schattendasein.

Wie können Anleger an der Entwicklung dieser Metalle partizipieren?

Für Anleger, die in konjunktursensitive Rohstoffe investieren möchten, würde ich einen breiteren Fonds empfehlen – inklusive Basismetallen und Energie. Bei der Fokussierung auf einen Rohstoff oder eine Rohstoffgruppe kann es auch böse Überraschungen geben.

Was sind für den Insider Warnsignale, die zur Vorsicht mahnen?

Die sind nicht einfach zu erkennen, da sich verschiedene Signale auch widersprechen können. Trotzdem sind Daten über Weltkonjunktur, Zinsniveaus, Währungskurse, Angebots- und Nachfragestrukturen sowie die Terminstrukturkurven und das im Markt investierte Geld wichtig.

Am Ende hilft aber auch der "Bildzeitungsindikator": Wenn alle davon sprechen, dass man etwas Bestimmtes kaufen muss, sollte man nachdenklich werden. So gesehen ist für Gold gerade wieder eine gute Zeit. Wenn sich die Terminmarktkurven, die Terminmarktvolumina und auch die Long- und Shortpositionen drastisch verändern, sollte man noch mal genau analysieren.

Nach der Zypernrettung ist klar, dass die Bankeinlagen der Bürger nicht mehr sicher sind. Bieten Edelmetalle im Safe hundertprozentige Sicherheit vor dem Zugriff des Staates?

Nichts, wirklich gar nichts, bietet hundertprozentige Sicherheit. Daher ist das einzig Sinnvolle, in gute Bildung und in Sprachen zu investieren und das Vermögen zu diversifizieren.

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Von Dieter W. Heumann & Peter Schwarz | Präsentiert von VDI Logo
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