26.06.2013, 11:15 Uhr | 0 |

Stiftung Warentest urteilt Kein Verlass auf das Gros der Baufinanzierer

Die Stiftung Warentest hat Baufinanzierungsangebote von 21 Banken und Kreditvermittlern getestet. Nur zwei Probanden konnten überzeugen.

Wenn Kunden der Frankfurter Volksbank und der Sparda-Bank Baden-Württemberg eine Immobilie finanzieren wollen, können sie unbesorgt die nächstbeste Filiale aufsuchen. Beide Institute schneiden im aktuellen Baufinanzierer-Test der Stiftung Warentest mit "gut" ab. Unabhängig von Filiale und Berater fühlten sich die Tester hier kompetent und mit der gebotenen Transparenz beraten.

Bei den "mangelhaft" bewerteten Postbank, HypoVereinsbank und Ostsächsischer Sparkasse Dresden sollten Kunden dagegen prüfen, was ihre Berater anbieten. Sofern sie diese antreffen. Bei der Postbank ließen Berater in fünf von sieben Fällen fest vereinbarte Termine platzen. "Einmal sollte ein Lehrling mit dem Kunden das größte Finanzgeschäft in dessen Leben abwickeln", so Finanztest-Chef Hermann Josef Tenhagen.

146 Filialen von 19 Banken getestet

Die Tester haben sich in 146 Filialen von insgesamt 19 Banken sowie den beiden bundesweit agierenden Kreditvermittlern Interhyp und Dr. Klein Kreditangebote für eine Eigentumswohnung eingeholt. Sie gaben sich als kinderloses Paar mit teilweise festgelegten Ersparnissen und mittlerem Verdienst aus. Obwohl alle 146 Filialen den gleichen Fall bearbeiten, lagen zwischen dem teuersten Angebot der Hamburger Sparkasse und dem günstigsten der Sparda-Bank Baden-Württemberg bei einer Zinsbindung von 15 Jahren satte 30 000 € Kostendifferenz.

"Eine Negativ-Überraschung bei den Kosten waren die Kreditvermittler, die trotz ihrer 100 bzw. 300 Bankpartner allenfalls durchschnittliche Angebote machten", so Stephan Kühnlenz, wissenschaftlicher Leiter der Studie.

Im Fokus der Tester standen aber nicht nur die Zinssätze. Diese gingen zwar in die mit 75 % gewichtete Angebotsqualität ein. Doch auch bedarfsgerechte Kreditangebote mit möglichst langer Zinsbindung und die Option zu Sondertilgungen zählten hier. Weitere 20 % trug die Qualität der Kundeninformation zu den Testresultaten bei. Etwa, ob Kunden vollständige Tilgungspläne und klar strukturierte Übersichten der Gesamtfinanzierung und -belastung erhielten oder ob ihnen die wichtigsten Informationen zu den einzelnen Kreditbausteinen vermittelt wurden. Die restlichen 5 % des Urteils machten die Begleitumstände der Beratungstermine aus, also Termintreue, verständliche Erläuterung der Finanzierung oder Vorabinformation, welche Unterlagen die Kunden zu den Beratungen mitbringen sollten.

Jedes fünfte Angebot überstieg die Maximal-Belastung

Gerade mit der Ausrichtung am Kundenbedarf taten sich viele Berater schwer. Jeder Fünfte unterbreitete Angebote, die die monatliche Maximal-Belastung des Paares um über 150 € überstieg. HypoVereinsbank sowie Ostsächsische und Berliner Sparkasse lagen teils gar um mehr als 400 € darüber. In 18 Filialen verrechneten sich die Berater zudem so grob, dass zwischen ihrem Angebot und dem Finanzierungsbedarf des Paares eine Lücke von über 10 000 € klaffte.

Einige Institute rieten dem Paar, die Wohnung trotz Eigenkapitals komplett auf Kredit zu kaufen. Ein Postbanker wollte gar einen Kredit über 388 000 € zu einem Effektivzinssatz von 3,4 % und 15 Jahren Laufzeit losschlagen, von dem das Paar dann die Hälfte in einen Bausparvertrag einzahlen sollte.

Ohnehin taten sich die Berater schwer, das Ersparte des Paares sinnvoll einzubeziehen. Einige bauten das festgelegte Geld in die Finanzierung ein. Andere rieten den Testern, ihre Bundesanleihen wegen des Zinssatzes von 4,25 % zu halten, statt diese mit einem Kursgewinn von 3000 € gegenüber dem Nennwert zu verkaufen und Zins mindernd in die Finanzierung einzubringen. Wohn-Riester und KfW-Kredite ließen viele Berater ganz weg. "Nur 17 der 146 Testkunden erhielten von ihrem Berater den Tipp, die Riester Zulagen von jährlich 308 € und die noch größeren Steuervorteile mitzunehmen", sagte Tenhagen.

Auch Transparenz ließ zu wünschen übrig

Berater der Berliner und Stuttgarter Volksbanken sowie der Deutschen Bank verschwiegen zudem die Option auf KfW-Kredite aus dem Wohneigentumsprogramm, obwohl diese teils deutlich günstiger waren, als die bankeigenen Kredite. Andere negierten diese Fördermöglichkeit sogar auf Nachfrage. So erklärte ein Mitarbeiter der Sparda-Bank West den Testern, KfW-Kredite gebe es nur für Häuser – nicht für Wohnungen. Und ein Berater der Sparkasse München verfügte über das exklusive Wissen, dass die Kreditanstalt nur Energiesparmaßnahmen fördere.

Auch in Sachen Transparenz erlebten die Tester oft ihr blaues Wunder. So druckte Ihnen keine der sieben getesteten Filialen der Ostsächsischen Sparkasse einen Tilgungsplan aus. Und bei der Münchener Sparda erhielten sie keinerlei Info zur Restschuld am Ende der Zinsbindung. Ohnehin ein heikler Punkt. Laut Testbericht führte nur eine Handvoll Berater den Kunden vor, wie sich die monatliche Belastung nach Ende der Zinsbindung entwickeln könnte. Und obwohl in den Angeboten bis zu fünf Kredite und Bausparverträge kombiniert waren, bekamen die Tester oft keine Übersicht über den Aufbau der Finanzierung.

Angesichts solcher Mängel hält Kühnlenz eine gute Finanzierung für "Glücksache". Von guter Beratung könne bei vielen getesteten Banken keine Rede sein. "Kunden können sich häufig nicht einmal auf einen halbwegs einheitlichen Beratungsstandard verlassen", kritisierte er. Letztlich helfe nur, Gespräche gut vorzubereiten, Angebote verschiedener Institute einzuholen und diese im Zweifel von Verbraucherzentralen prüfen zu lassen.  

Anzeige
Von P. Trechow | Präsentiert von VDI Logo
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden