05.06.2013, 14:59 Uhr | 0 |

Finanzierung In Familienfirmen gewinnt der Finanzchef an Einfluss

In Familienunternehmen hat der Finanzchef traditionell einen schweren Stand. Doch je älter ein Unternehmen ist, desto größer der Einfluss des Chief Financial Officers (CFO) auf die Geschäftsführung. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Universität Linz.

Familienunternehmen Stiegl und
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Die österreichischen Familienunternehmen Arcotel (Hotel) und Stiegl (Brauerei) arbeiten künftig enger zusammen. Nach einer Studie der Universität Linz nimmt die Rolle der Finanzchefs in österreichischen Familienunternehmen zu.

Foto: Arcotel

"Auch für Familienunternehmen wird der Kapitalmarkt immer wichtiger", sagt Martin Hiebl, Assistenzprofessor an der Uni Linz. Die Firmen gingen an den Bondmarkt oder ließen sich sogar an der Börse listen. "Dadurch gewinnt auch die Funktion des CFO an Bedeutung. Er nimmt vermehrt zusätzliche Aufgaben wahr, z. B. im Bereich Investor Relations."

15 österreichische Industrieunternehmen untersucht

Hiebl hat in einer empirischen Studie 15 größere österreichische Industrieunternehmen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: "Die Stellung des CFO in Familienunternehmen ist tendenziell umso stärker, je älter das Unternehmen ist", so der Wissenschaftler.

Erst wenn die Gründergeneration abgetreten ist, räumen Unternehmerfamilien ihren Finanzchefs offenbar größeren Einfluss ein. In diesen Unternehmen wächst laut Hiebl der Wunsch, das Finanzmanagement zu professionalisieren.

Bisherige wissenschaftliche Studien betrachteten den Einfluss der Finanzexperten in Familienunternehmen vor allem aus der subjektiven Sicht des CFO. Hiebl ging bei seiner Untersuchung einen Schritt weiter. Er interviewte auch Unternehmenseigentümer und CEOs.

Dabei stellte er fest, dass die Erwartungen an die fachliche Kompetenz des Finanzchefs auch vom Alter des Unternehmens abhängen. Wenn eine Firma bereits mehrere Generationen existiert, steigen die Ansprüche. "Die Nachkommen der Gründer verspüren häufig das Bedürfnis nach einer stärkeren Professionalisierung", erläutert Hiebl das Ergebnis. Dadurch haben sich auch die Kriterien verändert, die Familienunternehmer bei der Auswahl ihrer CFOs anlegen: "Know-how und Erfahrung spielen eine immer größere Rolle", erläutert Hiebl.

CFO kommt oft aus dem eigenen Haus

Firmengründer achteten bei der Besetzung der CFO-Position häufig vor allem auf Vertrauenswürdigkeit und Loyalität. Oft griffen sie auf bewährte Mitarbeiter aus dem Controlling des eigenen Unternehmens zurück, wenn sie das Finanzmanagement aus der Hand gäben. Geschäftsführer etablierter Firmen schauten sich hingegen häufiger auf dem externen Arbeitsmarkt um.

Ein solcher Rekrutierungsprozess dauere aber oft sehr lange, warnt Hiebl. Denn bei der Besetzung der CFO-Position komme es nicht nur auf die Professionalität der Person an, sondern auch darauf, dass sie zum Unternehmen passe – und dass sie vertrauenswürdig sei. Dadurch werde der Auswahlprozess deutlich schwieriger.

Wenn die Firmen dann einen geeigneten Kandidaten gefunden haben, müssten sie ihm für seine Arbeit auch genügend Freiraum gewähren. "Hier sind die Firmen aber nicht immer konsequent", sagt Hiebl. Wie erfolgreich und eigenständig ein CFO arbeiten kann, hänge sehr davon ab, wie die Familie seine Rolle abstecke.

Es sind oft heikle Themen, die ein Finanzchef im Familienunternehmen anpacken muss. Er hat die finanziellen Belange des Unternehmens zu planen und voranzutreiben – aber manchmal auch zu bremsen und zu überwachen. Dabei muss der CFO mitunter die Unternehmensinteressen gegenüber denen der Familie verteidigen – beispielsweise bei steuerlichen Fragen.

Finanzchef muss Unternehmens- und Familieninteressen austarieren

Das sei eine Gratwanderung, sagt Hiebl. In den vertraulichen Interviews berichteten CFOs, dass sie sich nicht immer sicher waren, wie weit sie dabei gehen dürfen. "Manche fürchteten um ihren Job, nachdem sie die Rolle der Familie stark kritisiert hatten. Sie wunderten sich, dass die Familie die Kritik geschluckt hat", berichtet der Forscher.

Eine weitere Schwierigkeit kommt hinzu, wenn der Finanzchef auch für das Asset-Management der Unternehmerfamilie zuständig ist. "Viele CFOs würden sich lieber ausschließlich auf das Unternehmen konzentrieren können", weiß Hiebl aus den Gesprächen.

Um solche Konflikte zu vermeiden und den CFO zu entlasten, rät der Wissenschaftler Familienunternehmen, die Vermögensverwaltung an externe Berater zu vergeben.

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Von Hans Schürmann | Präsentiert von VDI Logo
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