06.02.2015, 13:33 Uhr | 0 |

Schuldenschnitt Griechenland Ifo-Präsident: Deutsche Anleger verlieren Milliarden-Summen

Die Forderung Griechenlands nach einem Schuldenschnitt hat die Eurozone nach Aussage von Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn schon längst erfüllt. Durch die Zinssubventionen und die Verschiebung der Rückzahlungen habe Griechenland schon Milliarden-Nachlässe bekommen. Diese Summen habe auch Deutschland aufgebracht.

Parthenon (Jungfrauengemach): Tempel für die Stadtgöttin Pallas Athena Parthenos auf der Athener Akropolis
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Griechenland ist laut Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn durch Zinssubventionen und die Verschiebung der Rückzahlungen bereits indirekt mit einem Schuldenschnitt bedacht worden.

Foto: Orestis Panagiotou/dpa

 „Wären die Zinsen noch auf dem Stand vom vierten Quartal 2007 – also vor der Krise – dann wären die deutschen Anleger Ende 2014 um 300 Milliarden Euro reicher gewesen. Die niedrigen Zinsen kosten uns jährlich über 60  Milliarden Euro“, sagte Sinn den VDI nachrichten. Diese Verluste seien größtenteils der Niedrigstzinspolitik der EZB geschuldet. „Hier zeigt sich, dass ein Schuldenschnitt bereits verdeckt stattgefunden hat.“

Ifo-Präsident: Viel zu niedrige Kreditzinsen

Dennoch kann Sinn dem Vorschlag des neuen griechischen Regierungschefs Alexis Tsipras nach einem weiteren Schuldenschnitt Positives abgewinnen. „Dann könnte man nämlich zu marktgerechten Zinssätzen zurückkehren“, erklärt Sinn. „Vor allem würde das auch die Schuldnerländer – und ich spreche nicht nur von Griechenland – veranlassen, nicht mehr so viele neue Schulden aufzunehmen. Denn das verschärft das Problem eher noch.“

Ein Demonstrant mit dem Schild "Hey Greeks, sorry for our Government" steht am 05.02.2015 in Berlin vor dem Bundesfinanzministerium wo der griechische Finanzminister erwartet wird. Varoufakis trifft mit Schäuble im Ministerium zu bilateralen Gesprächen zusammen. Foto: Michael Kappeler/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Demonstranten am 5. Februar in Berlin vor dem Bundesfinanzministerium: Gestern traf sich Griechenlands Finanzminister Yangs Varoufakis mit seinem deutschen Kollegen Wolfgang Schäuble zu bilateralen Gesprächen. Die Griechen fordern einen Schuldenschnitt.

Foto: Michael Kappeler/dpa

Die derzeit viel zu niedrigen Kreditzinsen verführten gerade die Krisenstaaten dazu, sich weiter und noch stärker zu verschulden. „Es geht nicht nur darum, Altschulden abzubauen, auch dürfen keine neuen Schulden aufgebaut werden. Doch dazu verleiten die von der EZB künstlich niedrig gehaltenen Zinsen nur zu sehr.“  

Sinn: Eurozone muss neu aufgestellt werden

„Aber die Stunde der Wahrheit nähert sich“, so Sinn. Er rechnet damit, dass einige Krisenländer aus dem Euro austreten werden, um mit einer nationalen Währung ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. „Die Wettbewerbsfähigkeit lässt sich – in dem Maße, wie sie notwendig ist – nur mit Hilfe einer nationalen Währung wieder herstellen. Und zwar durch Abwertung, die einem einzelnen Land im Eurowährungsverbund ja nicht möglich ist“, so Sinn. „Ich bin daher überzeugt, dass die Eurozone neu aufgestellt werden muss.“ 

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Von Axel Mörer-Funk
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