21.04.2013, 07:59 Uhr | 0 |

Wirtschaft Euro-Zwist dämpft Exportdrang deutscher Mittelständler

Die deutschen Mittelständler sind selbstbewusster denn je, doch sie bangen um die EU und die Gemeinschaftswährung. So lässt sich eine neue Studie der Commerzbank zusammenfassen.

"Der industrielle Mittelstand profitiert massiv von der Gemeinschaftswährung in Europa. Es erleichtert die Geschäfte, wenn es keine Währungsrisiken mehr gibt", sagt Commerzbank-Vorstand Markus Beumer im Interview mit den VDI nachrichten. Doch immer mehr Mittelständler zweifeln inzwischen am Euro, so eine Studie, die der Banker gestern in Frankfurt vorgestellt hat.

Jeder Zweite der 4000 befragten deutschen Manager rechnet mittelfristig damit, dass Eurostaaten pleite gehen und die Europäische Union handlungsunfähig wird. Fast jeder Fünfte erwartet sogar, dass die Eurozone auseinanderbricht.

Beumer selbst ist weniger pessimistisch. Die Währungsunion werde nicht platzen. "Die Europäische Zentralbank hat klar gemacht, dass sie dies verhindern wird." Bei einer Rückkehr zu D-Mark, Franc und Lira müssten sofort Kapitalverkehrskontrollen eingeführt werden, um den Abfluss von Kapital zu stoppen. Dann würden Rechnungen nicht mehr bezahlt, exportierende Firmen gerieten in Schieflage.

Unternehmen scheuen den Schritt ins Ausland

Der Streit um die Zukunft des Euro, um Gemeinschaftsanleihen und Rettungsschirme hinterlässt offenbar Spuren: Laut Commerzbank-Studie haben in den vergangenen Jahren kaum noch weitere Unternehmen den Schritt auf ausländische Absatzmärkte gewagt. Setzten 2007 rund 54 % der Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen auch im Ausland ab, liegt der Anteil aktuell bei 55 %.

An der Zurückhaltung dürfte sich so bald nichts ändern: Nur wenige Unternehmen, die rein national operieren, denken derzeit über Chancen auf Exportmärkten nach. Lediglich 9 % geben an, dass sie Ausfuhren für eine Option halten oder planen. Vor sechs Jahren lag dieser Anteil noch bei 23 %.

"Die Rezession in Südeuropa und die Angst um den Euro lähmen offenbar. Denn erste Exporterfahrungen wollen Mittelständler vor ihrer Haustür sammeln, also im Euroraum – und nicht in China oder Indien", kommentiert Beumer. Auch deshalb sei es wichtig, dass Europa wirtschaftlich wieder auf die Beine komme. Das werde wieder mehr Unternehmer ermutigen, ins Auslandsgeschäft einzusteigen.

Ein Drittel der Auslandsgeschäfte entfällt auf außereuropäische Länder

Dass er dort erfolgreich sein kann, hat der deutsche Mittelstand längst bewiesen. Vor allem in den Wachstumsmärkten Lateinamerikas und Asiens ist er präsent. Zwei Drittel der international tätigen Firmen setzen ihre Produkte auch in Schwellenländern ab, vor allem in den sogenannten Bric-Staaten. Die Unternehmen haben sich vor Ort auch stärker vernetzt. Im Vergleich zu 2007 gibt es deutlich mehr langfristige Kooperationen, Niederlassungen und Tochtergesellschaften im Ausland, wie die Studie ermittelt hat.

Das schlägt sich in der Exportstatistik nieder: Rund ein Drittel des hiesigen Auslandsgeschäftes entfällt bereits auf außereuropäische Länder. Die Eurozone verliert an Gewicht. In weniger als 20 Jahren wird nach einer aktuellen Prognose des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) mehr nach Asien geliefert werden als in die Währungsunion.

Bankvorstand Beumer sieht darin ein Plus für Deutschland: "Das stabilisiert die Ausfuhren. Denn je breiter wir weltweit aufgestellt sind, desto weniger können uns Krisen erschüttern."

Kein Wunder, dass die exportierenden Unternehmen vor Selbstbewusstsein strotzen. International führend – so bewerten drei Viertel aller Firmen mit Auslandserfahrung ihre Position bei Innovation und Technologie. Erfreulich: Auch in puncto Service und Beratung sehen sich über 70 % der Befragten gut positioniert.

Die Produktion in Deutschland ist dabei nach Einschätzung der Mittelständler nach wie vor wichtig. Entscheidend sei für ausländische Kunden aber vor allem, dass ein deutsches Unternehmen die Qualität garantiere und den Produktionsprozess steuere. "Made in Germany" wird durch "Managed in Germany" erweitert, bringen es die Autoren der Commerzbank-Studie auf den Punkt.

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Von Peter Schwarz | Präsentiert von VDI Logo
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