24.11.2014, 10:16 Uhr | 0 |

Entrauchung bremst Eröffnet der Berliner Flughafen erst 2018?

Im Jahr 2016 soll der BER nach offiziellen Angaben endlich startklar sein. Doch offenbar zeichnet sich schon eine weitere Verzögerung ab, weil Neuplanung und Bau der Entrauchungsanlage noch viel Zeit brauchen.

Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg
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Unkraut sprießt aus den Betonfugen auf dem Willy-Brandt-Platz vor dem Terminal des BER: Der neue Hauptstadtflughafen BER wird nach einem Bericht von Bild am Sonntag frühestens Mitte 2017 eröffnen können, möglicherweise gar erst im Jahr 2018. Das berichtete das Blatt unter Berufung auf interne Planungsunterlagen.

Foto: Patrick Pleul/dpa

Vor mehr als zwei Jahren sollte eigentlich der erste Flieger vom neuen Berliner Großflughafen abheben. Es könnte bis dahin aber nun noch weitere vier Jahre dauern. Aus internen Planungsunterlagen geht nach einem Bericht der „Bild am Sonntag“ hervor, dass die Brandschutzanlage frühestens 2017, wahrscheinlich sogar erst 2018 fertig sein wird.

Die völlig falsch geplante Entrauchung ist der Hauptgrund für die Verzögerungen bei dem Milliardenprojekt. Der Flughafenbetreiber hat angekündigt, dass im nächsten Mai der neue Plan dafür stehen soll. Der weitere Ablauf, wie ihn der Berliner „Tagesspiegel“ vorrechnet, klingt logisch: Mehrere Monate werde es dann dauern, bis die Baugenehmigung vorliege, dann folge die europaweite Ausschreibung mit einer ebenfalls mehrmonatigen Frist. Der Zuschlag für das ausführende Bauunternehmen kann demnach also erst 2016 erfolgen, und die Bauzeit wird auf etwa ein Jahr geschätzt. Dann haben wir definitiv 2017, und dann folgt ein wiederum mehrmonatiger Testbetrieb.

Kabel müssen neu verlegt werden

Weil inzwischen aber niemand mehr seriös davon ausgehen kann, dass irgendeine Baumaßnahme am BER ohne Verzögerungen abläuft, werde in den internen Planungen schon das Jahr 2018 genannt, heißt es.

Parallel zu den Brandschutzmaßnahmen laufen noch viele weitere Bauarbeiten, die zum großen Teil Planungs- und Ausführungsmängel beseitigen sollen: Kabel, die falsch verlegt wurden, oder ein Raumnummernsystem, das vollkommen unlogisch ist. Das sind nur zwei von vielen Beispielen.

Baugenehmigung für Hauptterminal erlischt Ende 2016

Nach einem Bericht der WirtschaftsWoche steht Flughafenchef Hartmut Mehdorn ohnehin unter Zeitdruck. Wenn der Airport nicht bis zum 23. November 2016 fertiggestellt ist, erlischt die Baugenehmigung für das Hauptterminal. Eine neue müsste beantragt werden. Wie die WirtschaftsWoche berichtet, würde dies weitreichende und teure Nachrüstungen zur Folge haben. So erklärte der Berliner Baurechtsanwalt Ralf Leinemann, der viele Baufirmen am Airport vertritt, bei einem neuen Antrag müsste das Terminal „alle Vorschriften und Standards erfüllen, die seit Inkrafttreten der vorherigen Genehmigung gültig geworden sind“. Sie stammt noch aus dem Jahr 2009. „Dies betrifft vor allem schärfere Energie-Einsparvorschriften oder DIN-Normen für Lüftung, Sicherheit und Elektrik. Das würde einen komplexen und teuren Umbau des Terminals erfordern“, sagte Leinemann demMagazin.

Gewaltige Forderung nach Schadenersatz

Völlig ungeklärt bleibt derweil die Frage, wer eigentlich für welche Fehler verantwortlich ist und haften muss. Ein Verfahren des Betreibers gegen die ursprüngliche Arbeitsgemeinschaft der Planer, in dem es um 80 Millionen Euro Schadenersatz geht, ist derzeit ausgesetzt. Die „Bild am Sonntag“ druckt indes eine Rechnung ab, die die Entschädigungsforderungen auf knapp 225 Millionen Euro summiert. Darunter sind alleine 31 Millionen, die durch die verzögerte Inbetriebnahme entstanden sind. Wenn der BER tatsächlich erst 2018 eröffnet werden sollte, dürfte diese Summe noch deutlich steigen.

Zugleich wachsen die Baukosten immer weiter. Mehr als acht Milliarden Euro könnten es am Ende sein. 

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Von Werner Grosch
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