04.04.2016, 12:05 Uhr | 0 |

Panama Papers Datenleck offenbart, wie Politiker und Sportler Milliarden versteckt haben

Über mehr als 200.000 Briefkastenfirmen in Steueroasen haben Staatsoberhäupter, Politiker, Sportler, Prominente und Reiche Milliardenbeträge verschoben. Darunter sind Freunde des russischen Präsidenten Wladimir Putin, der isländische Premier Sigmundur David Gunnlaugsson, Argentiniens Regierungschef Mauricio Macri und Fußballstar Lionel Messi.

Die Seite Panama Papers der Süddeutschen Zeitung
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Die Süddeutsche Zeitung hat seit einem Jahr 11,5 Millionen Dokumente ausgewertet, aus denen hervorgeht, wie Spitzenpolitiker aus der ganzen Welt Milliarden-Beträge durch Offshorefirmen verschoben und versteckt haben.

Foto: Süddeutsche Zeitung

Seit einem Jahr haben 400 Journalisten in 80 Ländern, die sich im internationalen Konsortium des investigativen Journalismus (ICIJ) zusammen geschlossen haben, Daten der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca in Panama ausgewertet, die der Süddeutschen Zeitung zugespielt worden waren. 

Bei den Panama Papieren handelt sich um ein Datenpaket von 2,6 Terabyte, bestehend aus 11,5 Millionen Dokumenten. Diese Datenmenge ist bedeutet umfangreicher als das Material, das Whistleblower Edward Snowden veröffentlicht hat. Hauptsächlich handelt es sich bei den Panama Papieren um E-Mails, PDFs und Fotodateien sowie Auszüge aus einer internen Datenbank von Mossack Fonseca. Die Daten reichen von den 1970er-Jahren bis ins Frühjahr 2016.

Kanzlei in Panama hat sich auf Gründung von Briefkastenfirmen spezialisiert

Die Kanzlei hat sich auf die Gründung von Briefkastenfirmen spezialisiert und ist dabei weltweit führend. Einer der Inhaber ist der in Fürth geborene Deutsche Jürgen Mossack. Aus den sogenannten Panama Papieren, die die Süddeutsche in einem eigenen Internet-Angebot ausführlich beschreibt, geht hervor, dass Prominente und Reiche in der ganzen Welt die Kanzlei genutzt haben, um Milliardenbeträge vor der Steuer zu verstecken.

Zwölf Staatsoberhäupter betroffen – und Fußballstar Lionel Messi

Darunter sind zwölf Staatsoberhäupter und 128 weitere Politiker. Die Süddeutsche nennt den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, den argentinischen Regierungschef Mauricio Macri, König Salman aus Saudi-Arabien und das Umfeld des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Allein Putins Freunde sollen mehr als zwei Milliarden $ aus Russland in Offshorefirmen umgeleitet haben. Auch das Umfeld des chinesischen Präsidenten Xi Jinping und des britischen Premierministers David Cameron tauchen in den Akten auf.

epa05243144 (FILE) A file picture dated 29 January 2014 shows ships in the bay of Panama City, Panama. Millions of leaked documents published on 03 April 2016 suggest that 140 politicians and officials from around the globe, including 72 former and current world leaders, have connections with secret 'offshore' companies to escape tax scrutiny in their countries. The leak involves 11.5 million documents from one of the world's largest offshore law firms, Mossack Fonseca, based in Panama. The investigation dubbed 'The Panama Papers' was undertaken and headed by German newspaper Sueddeutsche Zeitung and Washington-based International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ), with the collaboration of reporters from more than 100 media outlets in 78 countries around the world. EPA/ALEJANDRO BOLIVAR +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Die Skyline von Panama City: Die dort ansässige Kanzlei Mossack Fonseca hat Politikern und Prominenten aus der ganzen Welt geholfen, ihr Geld in Briefkastenfirmen zu verstecken. Darunter waren auch Argentiniens Präsident Mauricio Macri, UEFA-Präsident Michel Platini und Fußballstar Lionel Messi.

Foto: Alejandro Bolivar/dpa

Und auch der Fußball ist in den Skandal verwickelt:.Genannt werden Namen wie der Präsident des europäischen Fußballverbandes UEFA, Michel Platini, und das Mitglied der Ethikkommission des Weltfußballverbandes Fifa, Juan Pedro Damiani. Auch der Weltstar Lionel Messi, Spieler des FC Barcelona, soll sein Geld in Offshorefirmen versteckt haben. Gegen Messi wird auch in Spanien wegen Steuerhinterziehung ermittelt.

Auch Terror- und Mafia-Organisationen haben Geld versteckt

Zwar ist es nicht verboten, Geld in einer Offshorefirma zu parken. Allerdings nur, wenn es sich um versteuertes Geld handelt. Den Recherchen zufolge handelt es sich jedoch meist um hinterzogenes Geld oder Schwarzgeld. Es gibt Hinweise, dass nicht nur Mafia-Gruppen die Kanzlei genutzt haben, um ihr Geld in Briefkastenfirmen zu verstecken, sondern auch Terrorgruppen wie der IS.

In Deutschland sollen verschiedene Banken in den Skandal verwickelt sein. Schon im vergangenen Jahr wurde in diesem Zusammenhang gegen die halbstaatliche Commerzbank ermittelt, das Verfahren aber gegen Zahlung von 17 Millionen Euro eingestellt. Jetzt hat der Linken-Politiker Gregor Gysi ein generelles Verbot von Offshoregeschäften gefordert.

Zahlreiche Länder haben angekündigt, Ermittlungen einzuleiten – sogar Panama. Letzteres ist aber nicht ganz ernst zu nehmen, gilt doch Panama als Steuerparadies und die Anwaltskanzlei Mossack Fonseca als Berater der Regierung.

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Von Axel Mörer-Funk
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