01.07.2014, 14:55 Uhr | 0 |

Aufsichtsrat billigt Finanzkonzept BER wird eine weitere Milliarde Euro teurer

Nach einer neunstündigen Aufsichtsratssitzung am Montag war es beschlossen: Flughafenchef Hartmut Mehdorn erhält weitere 1,1 Milliarden Euro, um die Fehler am BER glattzubügeln. Und er will den Flughafen am liebsten mit weiteren 800 Millionen Euro noch größer machen. 

BER-Aufsichtsratschef Klaus Wowereit und Flughafenchef Hartmut Mehdorn
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BER-Aufsichtsratschef Klaus Wowereit und Flughafenchef Hartmut Mehdorn (re.): Weitere 1,1 Milliarden Euro hat der Aufsichtsrat gestern durchgewunken, es fehlt nur noch die Freigabe von Bund und Ländern. 

Foto: dpa-Zentralbild

„Wir sind der Vorlage der Geschäftsführung gefolgt, 1,1 Milliarden Euro als investive Maßnahme mit zu unterstützen,“ zitiert die Berliner Morgenpost BER-Aufsichtsrats-Chef Klaus Wowereit (SPD). „Das ist nötig, damit der Flughafen eröffnet werden kann.“ Das bestätigt auch Flughafenchef Hartmut Mehdorn: „Wir sind sicher, das ist die Zahl, um den Flughafen, so wie er jetzt ist, fertigzustellen.“ Dies soll dann bis spätestens Anfang 2016 geschehen. Den genauen Eröffnungstermin werde man aber erst nennen, sobald man völlig sicher sei.

Fehlkonstruierte Brandschutzanlage verschlingt Millionen Euro

Und das macht Mehdorn mit den 1,1 Milliarden Euro: Allein 300 Millionen scheinen nötig, um ausstehende Bauarbeiten zu beenden – beispielsweise an der pannengeplagten Brandschutzanlage, die unter der Verantwortung eines technischen Zeichners, der sich als Ingenieur ausgegeben hat, die Eröffnung seit 2011 immer weiter verzögert. 300 Millionen Euro will Mehdorn nutzen, um für die Anwohner Schallschutzmaßnahmen umzusetzen, weitere 300 Millionen sollen als Reserve dienen. Mit dem restlichen Geld der Finanzspritze lässt der BER-Chef unter anderem für 45 Millionen Euro die Nordbahn sanieren und für 14 Millionen Euro eine fehlende Rollbahn für Flugzeuge bauen.

Der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg müssen das Geld allerdings noch freigeben. Dabei könnte es noch zu Reibereien kommen: Die Vorsitzende des Bundestagshaushaltsausschusses, Gesine Lötzsch (Linke), etwa verlangte im RBB-Inforadio einen detaillierten Zeit- und Kostenplan für die Fertigstellung des BER. Diesen kann Mehdorn im Moment allerdings nicht liefern. Lötzsch sagte weiter, sie könne sich überhaupt nicht vorstellen, den Milliardenforderungen Mehdorns zuzustimmen. Der Vorsitzende des Flughafen-Untersuchungsausschusses, Martin Delius (Piraten), geht einen Schritt weiter: Mehdorn sei nicht der richtige Mann, um den Flughafen fertig zu bauen – zumindest nicht ohne einen gleichberechtigten Technik-Geschäftsführer an seiner Seite, sagte Delius gegenüber der Berliner Morgenpost

Mehdorn will Flughafen mit 800 Millionen Euro vergrößern

Noch komplizierter dürfte es werden, wenn die Entscheidung über Mehdorns Pläne ansteht, den Flughafen noch weiter zu vergrößern. Der Flughafenchef hat nämlich die Idee, den Airport nicht nur fertigzustellen, sondern die Kapazität kurzerhand durch zwei Satellitenbauten zu erhöhen, von derzeit 27 Millionen Passagieren pro Jahr auf 45 Millionen. Nur so kann man in seinen Augen dem rasanten Wachstum des Luftverkehrs gerecht werden und verhindern, dieselben Probleme zu erleben wie Tegel. Das große Aber seiner Idee ist der Preis: Die Erweiterung würde zusätzliche 800 Millionen Euro kosten, so dass am Ende über sechs Milliarden Euro unterm Strich des BER-Projekts stünden. Bei diesem Investment zögert der Aufsichtsrat noch. 

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Von Patrick Schroeder
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