15.07.2013, 09:54 Uhr | 0 |

Automatisierter Börsenhandel Algorithmen kämpfen gegen Insider

Die britische Finanzmarktaufsicht Financial Conduct Authority (FCA) berichtet von beträchtlichen Erfolgen im Kampf gegen das so genannte Insider-Trading. Software-Ingenieure haben Algorithmische Computer-Programme geschrieben, mit deren Hilfe Insider-Geschäfte frühzeitig erkannt werden. Beim automatisierten Börsenhandel zählen Bruchteile von Sekunden. 

London Stock Exchange
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Die London Stock Exchange (LSE) mit Sitz in der britischen Hauptstadt London ist eine der größten und ältesten Börsen in Europa. Die britische Finanzmarktaufsicht Financial Conduct Authority (FCA) setzt beim Kampf gegen Insider-Geschäfte Algorithmen ein – nach eigenen Angaben sehr erfolgreich. An den verschiedenen Londoner Aktienmärkten gibt es börsentäglich etwa 13 Millionen Transaktionen.

Foto: dpa/Andy Rain

Beim Insider-Trading  handelt es sich um unzulässige Wertpapiergeschäfte. Unzulässig sind diese Geschäfte, weil die Auftraggeber dabei privat Informationen nutzen, die ihnen ausschließlich in ihrer beruflichen Tätigkeit bekannt geworden sind. So können beispielsweise bevorstehende Fusionen oder Übernahmeangebote zu erheblichen Kurssteigerungen an den Börsen führen, die die Insider durch frühe Käufe für sich zu nutzen beabsichtigen.

Um den Insidern auf die Spur zu kommen, ist eine eingehende Beobachtung des Aktienmarktes auf auffällige Transaktionen unumgänglich. Wenn etwa bei einem Papier der börsentägliche Kauf auf das Zehnfache des Normalen steigt, dann liegt der Verdacht nahe, dass hier versucht wird, irgendwelche interne Informationen zu nutzen. Zu den besonderen Schwierigkeiten dieser unumgänglichen Marktbeobachtung zählt, dass beispielsweise an den verschiedenen Londoner Aktienmärkten börsentäglich etwa 13 Millionen Transaktionen – Käufe oder Verkäufe – zustandekommen. Dieses Volumen auch nur in Teilen manuell untersuchen zu lassen, scheitert am Zeitaufwand und den unumgänglichen Kosten.

Verantwortlich für die Marktbeobachtung: Lord Patrick Spens

Die Financial Conduct Authority als Aufsichtsbehörde ist angesichts des riesigen Marktvolumens und zugleich einer relativ großen Zahl von Insider-Transaktionen vor Kurzem zu einer weitestgehenden Automatisierung der Marktbeobachtung übergegangen. Dies geschieht durch eine so genannte Algorithmische Computer-Software. Verantwortlich für das heute praktizierte Market Monitoring, also die Marktbeobachtung, ist Lord Patrick Spens, der zuvor lange bei der amerikanischen Großbank Citigroup und später bei mehreren Hedgefonds in leitender Stellung tätig war und dort den Algorithmischen Börsenhandel betrieb.

Das Charakteristikum dieses Börsenhandels ist, dass die Bank-Computer eigenständig Kauf- und Verkaufs-Entscheidungen für einzelne Wertpapiere fällen und sofort auch ausführen. Dabei berücksichtigen die Computer jene Vorgaben, die ihnen die Software-Ingenieure, die diese Programme geschrieben haben, machten. Zugleich aber werden von den Computern auch von Nachrichtenagenturen eingehende Meldungen über Streiks, Katastrophen, Rohstofffunde und vieles andere mehr ohne menschliches Zutun eingelesen und bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt. All das geschieht in geradezu rasender Geschwindigkeit, weil der Zeitvorsprung bei vielen Geschäften für die Höhe des erwarteten Gewinns eine große Rolle spielt.

So spielt beispielsweise zugunsten des Börsenplatzes London eine Rolle, das aus New York über Seekabel eingehende Nachrichten in London Sekundenbruchteile früher als in Frankfurt eintreffen und damit wiederum die Kauf- oder Verkaufsentscheidung dort von den Rechnern Sekundenbruchteile früher getroffen werden kann.

Lord Spens ist bei der Aufsichtsbehörde den Weg gegangen, die ihm vertraute Algorithmische Software so umbauen zu lassen, dass damit das Marktgeschehen in extrem kurzer Zeit vollautomatisiert überprüft werden kann. Dabei achtet die Algorithmische Software bei der Beobachtung und Analyse auf Ungereimtheiten und schwer erkennbare und logisch kaum zu erklärende Verhaltensmuster der Anleger.

Extrem schnelle Übermittlung aller Transaktionen ist unumgänglich

Die britischen Börsenvorschriften schreiben die Übermittlung sämtlicher Transaktionen durch die Banken und Wertpapierhäuser an die Behörde vor. Jahrelang war das Einhalten dieser Vorschrift nur unregelmäßig überwacht worden. Das hat sich inzwischen radikal geändert. Im Einzelnen erhält die Finanzmarktaufsicht nun börsentäglich Daten zu rund 13 Millionen Transaktionen. In jedem Falle wird gemeldet, wer gekauft hat, wer verkauft hat und zu welchem Kurs das Geschäft über die Bühne ging. Die bei der Algorithmischen Analyse auffälligen Transaktionen werden anschließend von Menschen untersucht. In etwa der Hälfte der Fälle erhärtet sich dabei der Verdacht auf Insider-Trading, was dann zu hohen Geld- und gelegentlich Gefängnisstrafen führt.

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Von Peter Odrich
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