11.04.2015, 06:55 Uhr | 0 |

Hannover Messe 2015 „Make in India“: Partnerland mit Imageproblem

Indiens Premierminister Narendra Modi wird am morgigen Sonntag gemeinsam mit Angela Merkel die Hannover Messe eröffnen. Deutschland ist für Indien wichtigster Handelspartner in Europa. So ganz überzeugt sind die meisten Unternehmer vom wirtschaftspolitischen Kurs Modis und dem Slogan „Make in India“ allerdings noch nicht.

Ein Gabelstapler fährt an einem Banner "Make in India" vorbei
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Gut gebrüllt Löwe: Ein Gabelstapler fährt an einem Banner "Make in India" beim Aufbau für die Hannover Messe in Hannover vorbei. 

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Wenn Indiens neuer Regierungschef Narendra Modi am Sonntag gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel die weltgrößte Industrieschau in Hannover eröffnen wird, soll das auch auf den ambitionierten Wirtschaftskurs des indischen Premiers aufmerksam machen. Im Gepäck hat Modi bei seinem ersten Deutschlandbesuch den Slogan „Make in India“. Der Löwe, dessen Körper mit Zahnrädchen beziehungsweise einem Binärcode gefüllt ist, soll ein positives Wachstumsklima symbolisieren und ausländische Investoren anlocken.

Handelsvolumen zwischen Deutschland und Indien schrumpft seit 2011

Zum zweiten Mal nach 2006 ist Indien das Partnerland der Hannover Messe. Damals kamen rund 350 indische Aussteller und 5700 indische Besucher nach Hannover. Im Vergleich dazu waren es 2013 nur noch 122 Aussteller und 2400 Besucher. In diesem Jahr werden mehr als 300 indische Firmen aus verschiedenen Bereichen als Aussteller an der Messe teilnehmen Wuchs die indische Wirtschaft im Durchschnitt der letzten zehn Jahre um zehn Prozent, liegt das Wirtschaftswachstum derzeit bei rund fünf Prozent.

Ein Messebauer arbeitet auf der Hannover Messe in Hannover (Niedersachsen) auf einem Stand des Partnerlands Indien. Die Industriemesse findet vom 13. bis 17. April 2015 statt. Foto: Peter Steffen/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Ein Messebauer arbeitet auf der Hannover Messe in Hannover auf einem Stand des Partnerlands Indien. 

Foto: Peter Steffen/dpa

Das Handelsvolumen zwischen dem rund 1,3 Milliarden Einwohner zählenden Land und der Bundesrepublik sinkt. Deutschland ist für die größte Demokratie der Welt mit einem Handelsvolumen von 16,1 Milliarden Euro in 2013/14 der wichtigste Handelspartner in Europa, aber umgekehrt liegt Indien bei den deutschen Ein- und Ausfuhren auf Rang 25. Nach einem Jahrzehnt, in dem sich das Handelsvolumen der beiden Partner verdreifachte, schrumpft es seit vier Jahren.

Regierungschef Modi will Infrastruktur in Indien massiv ausbauen

Ob der wirtschaftspolitische Kurs des vor knapp einem Jahr angetretenen Modi den erwünschten Erfolg haben wird, muss zurzeit noch offen bleiben. Das Budget für den Ausbau von Straßen, Eisenbahnen, Brücken und Häfen hob Modi um 25 Prozent für die kommenden vier Jahre an und senkte die Körperschaftssteuer von 30 auf 25 Prozent.

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Arbeiterinnen im indischen Bangalore: Am Sonntag 12. April 2015 wird Indiens Premier Modi die weltgrößte Industrieschau Hannover Messe eröffnen, auf der Indien in diesem Jahr Partnerland ist. 

Foto: Hannover Messe/dpa

Auch der niedrige Ölpreis, der die teuren Treibstoffsubventionen überflüssig machte, wirkt sich günstig aus. Modi reformierte zudem das Landkaufrecht zu Gunsten von Industrie und Infrastrukturprojekten, lockerte die Umweltauflagen und plant ein modernes Netz an Hochgeschwindigkeitszügen.

Schlechtes Image von Indien

Bei den investierenden Unternehmen sind die positiven Signale aber offenbar noch nicht angekommen. In Befragungen der Indogermanischen Handelskammer IGCC klagen 58 Prozent der rund 1600 in Indien tätigen deutschen Firmen über die übermäßige Bürokratie, 52 Prozent beanstanden den Mangel an Infrastruktur und 45 Prozent beschweren sich über Korruption. Im Weltbank-Ranking, das den „Ease of Doing Business“ bewertet, liegt Indien auf Platz 142 von 189, bei den Baugenehmigungen auf Platz 184 und beim Durchsetzen von Verträgen auf Platz 186.

Daimler baut seine Nutzfahrzeugproduktion im Südosten Indiens aus

Den deutschen Autobauer Daimler schrecken die schlechten Ratings und Indiens Imageproblem indes wenig. Vor einigen Jahren begann der Konzern seine Nutzfahrzeugproduktion nach Indien zu verlegen und baute den Standort Chennai im Südosten des Landes für 700 Millionen Euro aus. „In Indien leben schon heute mehr als eine Milliarde Menschen. Sie haben ein großes Bedürfnis nach Mobilität, wollen mit dem Bus reisen und vom Lkw pünktlich mit Waren versorgt werden. Wir gehen davon aus, dass Bevölkerung und Wirtschaft des Landes weiter wachsen – und damit auch der Absatzmarkt für Nutzfahrzeuge“, sagt Wolfgang Bernhard, im Vorstand der Daimler AG verantwortlich für Lkw und Busse.

Dafür wurde gar eine eigene Lkw-Marke konzipiert. Der BharatBenz soll robust und zuverlässig sein und wird in den wichtigen Gewichtsklassen zwischen 9 und 49 Tonnen angeboten. Rund zweieinhalb Jahre nach Marktstart sind laut Daimler mehr als 20.000 Fahrzeuge auf Indiens Straßen im Einsatz. Nun soll das nächste Kapitel mit einer eigenen Busproduktion aufgeschlagen werden. Mit dem Buswerk, das Ende Mai auf dem bestehenden Werksgelände in Chennai in Betrieb geht, investiert Daimler weitere 50 Millionen Euro. Die Kapazität von zunächst 1500 Einheiten pro Jahr soll auf bis zu 4000 Busse gesteigert werden können.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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