26.03.2014, 10:29 Uhr | 0 |

Plagiate aus China Chinesische Firmen setzen angeblich mehr auf eigene Ideen statt auf Kopien

Plagiat made in China: Der Ruf chinesischer Entwickler und Unternehmen ist nicht der beste. Kopien westlicher Produkte und Maschinen sind seit Jahren ein Ärgernis. Doch jetzt kommt eine Studie der TU München zum Ergebnis, dass chinesische Unternehmen verstärkt auf eigenes geistiges Eigentum setzen.

Zollrazzia auf der Armaturenmesse ISH in Frankfurt
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Razzia des Zolls auf der Armaturenmesse ISH in Frankfurt: Immer wieder entdecken deutsche Hersteller chinesische Kopien ihrer Produkte. So beschlagnahmt der Zoll im Bild eine nachgemachte Armatur des Premiumherstellers Dornbracht.

Foto: VDMA

„Lange hatten chinesische Firmen das Image, ihre westlichen Konkurrenten einfach zu kopieren. Aber die Zahl ihrer Patentanmeldungen ist in den vergangenen Jahren massiv gestiegen“, sagt Philipp Sandner vom Lehrstuhl für Strategie und Organisation der TU München. Zwischen 2000 und 2010 sei die Zahl der weltweiten Patentanmeldungen aus China von 26.000 auf über 300.000 angewachsen.

Laut Studie setzen immer weniger chinesische Firmen auf Imitation

„China hat eine große Zahl aufstrebender Unternehmen, die eine aggressive Internationalisierungsstrategie verfolgen – aber trotzdem in Europa und den USA kaum wahrgenommen werden“, meint Sandner. Gemeinsam mit der „Munich Innovation Group“, einem Münchener Anbieter von Patentvermarktungen, haben die Ökonomen der TU die Patentportfolios von 77 chinesischen Firmen genauer unter die Lupe genommen.

Für ihre Studie „Chinese Champions“ konzentrierten sich die Forscher auf die Schlüsselindustrien Automobil, Chemie & Pharmazie, Elektrotechnik, Informationstechnologie, Maschinenbau, Solartechnik, Telekommunikation sowie Öl & Stahl. Branchen, in denen chinesische Unternehmen immer wieder durch offensichtliche Plagiate auf sich aufmerksam machten.

Immer wieder Fälle von Raubkopien und dreister Plagiate

Weltweite Schlagzeilen machten zum Beispiel die offensichtlichen Kopien des Smart, eines BMW-SUV und einer Mercedes-Limousine. Der VDMA-Fachverband Armaturen geht regelmäßig gegen Piraterie vor und ließ durch den Zoll 2011 auf der weltweit wichtigsten Armaturenmesse ISH in Frankfurt 224 Artikel, 2.500 Produktkataloge und 644 Katalog-CDs vornehmlich asiatischer Aussteller beschlagnahmen. Besonders stark betroffen waren chinesische Anbieter.

Besonders häufig werden Designs und Technik bekannter Markenhersteller wie Dornbracht, Hansa, Hansgrohe, Grohe, Oventrop, Ideal Standard, SAM, Schell, Vaillant und Villeroy & Boch kopiert. „Bei uns beläuft sich der Schaden durch Plagiate auf 5 bis 10 % des Gesamtum­satzes“, so Richard Grohe, Chef des Armaturenhersteller Hansgrohe. Deshalb hat der VDMA eine Kampagne gegen Plagiate gestartet, die EU hat ein Helpdesk für Unternehmen eingerichtet, die von Produktpiraterie betroffen sind.

Immer mehr Patente kommen aus China

Doch der Blick auf die chinesischen Patente zeigt nach Einschätzung der Münchner Forscher einen Trendwechsel an. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass immer weniger chinesische Unternehmen auf Imitation setzen. Für die meisten spiele selbst entwickeltes geistiges Eigentum eine dominante Rolle in ihrem Geschäftsmodell.

Vorreiter sind laut Studie Unternehmen der Telekommunikationsbranche wie Huawei. Der Konzern hat beispielsweise eine europäische Forschungs- und Entwicklungszentrale in München aufgebaut und rekrutiert Ingenieurabsolventen der Münchner Hochschulen. Die Patentaktivitäten dieser Branche hätten sich auf hohem Niveau stabilisiert, so die Münchner Ökonomen. Für andere Branchen wie Energie, Chemie und Pharmazie zeigten die Analysen aktuell stark zunehmende Aktivitäten.

Zwar operiere die Mehrheit der chinesischen Firmen nach wie vor hauptsächlich auf dem Heimatmarkt. Aber die Zahl der Anträge auf Patentanmeldungen der vergangenen Jahre in Europa und Nordamerika zeige die wachsende Bedeutung dieser Märkte. Laut Europäischem Patentamt haben chinesische Organisationen 2012 mehr als 18.000 Patentanmeldungen für europäische Patente eingereicht. Damit kamen 7,3 Prozent aller europäischen Patentanmeldungen aus China, womit das Land auf Rang 4 steht, nach den USA (24,6 Prozent), Japan (20,1 Prozent) und Deutschland (13,3 Prozent).

„Junge chinesische Unternehmen werden in westlichen Ländern unterschätzt“

Viele junge chinesische Unternehmen setzten inzwischen schon von Anfang an auf Internationalisierung. Nicht-chinesische Patente nähmen bei ihnen einen substanziellen Anteil von 20 bis 40 Prozent des Portfolios ein. „Gerade diese Unternehmen werden in den westlichen Ländern immer noch unterschätzt – weil wir sie gar nicht kennen“, sagt Sandner. „Selbst eine große Zahl an Unternehmen, die bald Weltmarktführer sein könnten, werden kaum wahrgenommen.“

Ein Element der Strategie chinesischer Unternehmen stellt laut Studie eine besondere Herausforderung für die europäische und nordamerikanische Wirtschaft dar: Chinesische Firmen melden im Vergleich zu westlichen Unternehmen neben Patenten relativ viele Gebrauchsmuster an, die als aktenkundige Schutzrechte alle erdenklichen Ausgestaltungen eines Produkts schützen können. „So sichern sich chinesische Firmen große Freiräume bei zukünftigen Produktentwicklungen, während andere Unternehmen in dieser Hinsicht massiv blockiert werden können.“

Allerdings halten es die Ökonomen angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung für unwahrscheinlich, dass die chinesischen Unternehmen das starke Wachstum der Patentanmeldungen aufrechterhalten können. Überdies sei derzeit unklar, ob die Firmen ihre Rechte auch dann weiter halten wollen, wenn sie die massiven Gebühren für deren Aufrechterhaltung zahlen müssen. 

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Von Gudrun von Schoenebeck
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